Studie: Jedes dritte Unternehmen will Produktion ausweiten

Jedes dritte deutsche Unternehmen will im kommenden Jahr einer Umfrage zufolge die Produktion hochfahren. Allerdings bleiben die meisten Betriebe bei den Investitionen zurückhaltend. Einem britischen Institut zufolge wuchsen die Geschäfte der Dienstleister in der Euro-Zone so stark wie seit zwei Jahren nicht.

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Metallarbeiter beim Schweißen: Jedes dritte Unternehmen will Produktion hochfahren

Berlin - Rund ein Drittel der Firmen rechnet damit, im kommenden Jahr mehr zu produzieren. Das ergab eine Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). 34 Prozent rechnen mit einem Wachstum. "Eine wirklich kräftige Erholung der Konjunktur ist damit aber noch nicht verbunden", hieß es.

Immerhin 21 Prozent der Betriebe erwarten eine Produktionskürzung. Am freundlichsten werden die Aussichten in der Vorleistungs- und Konsumgüterindustrie beurteilt. Dagegen dominieren in der Bauwirtschaft die Skeptiker. 27 Prozent der Unternehmen setzen auf steigende Exporte, 18 Prozent stellen sich dagegen auf Einbußen im Auslandsgeschäft ein.

Die meisten Betriebe bleiben bei Investitionen zurückhaltend. 29 Prozent wollen weniger investieren als in diesem Jahr, 22 Prozent wollen mehr ausgehen. Mehr als jedes zweite Unternehmen will seine Mitarbeiterzahl stabil halten. 17 Prozent wollen ihre Belegschaft sogar aufstocken. "Trotz des eher schleppenden Aufschwungs sieht es für die Beschäftigungsentwicklung nicht so düster aus wie zuletzt befürchtet", schrieb das IW.

Aufschwung bleibt ein mühsamer Prozess

Das Institut bleibt bei seiner Wachstumsprognose von 1,5 Prozent für das nächste Jahr. Für dieses Jahr wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4,5 Prozent angenommen. Der Aufschwung in Deutschland nach dem Ende der Rezession bleibe aber "ein mühsamer Prozess", sagte Institutsdirektor Michael Hüther. In der Herbstumfrage unter 1871 Unternehmen fällt die Bewertung der Geschäftslage besser aus als im Frühjahr. Aber noch 53 Prozent gaben an, ihr Produktionsniveau liege unter dem Vorjahreswert. Immerhin 16 Prozent meldeten eine höhere Produktion.

Positive Nachrichten kamen auch aus dem Euro-Raum: Die Wirtschaft in den 16 Euro-Ländern hat ihren Aufwärtstrend im November fortgesetzt. Die Geschäfte der Dienstleister wuchsen so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr, wie das britische Markit-Institut am Montag mitteilte. Auch die Industrie legte leicht zu. "Die Daten deuten auf ein robustes Wachstum der Euro-Zone hin", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson zu der Umfrage unter 5000 Unternehmen. Es könnte im vierten Quartal stärker ausfallen als in der Vorperiode, als das Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent zulegte.

Allerdings kommen aus den Unternehmen erste Signale, dass die Erholung in den kommenden Monaten schon wieder an Schwung verlieren könnte. Die Neuaufträge wuchsen bei den Dienstleistern nur noch schwach. Auch in der Industrie ließ das Tempo nach, wenn auch nur minimal. "Es gibt erste Hinweise darauf, dass das Wachstum seinen Höhepunkt erreicht", sagte Williamson. "Der anhaltende und deutliche Stellenabbau unterstreicht, wie anfällig die Erholung ist." Viele Unternehmen müssten ihre Kosten senken. Der Aussichten blieben ungewiss.

In der größten Volkswirtschaft des Euroraums Deutschland legten die Kennzahlen stärker zu als erwartet. In Frankreich als zweitgrößter Volkswirtschaft trübte sich die Stimmung im Industriesektor hingegen ein, während der Indikator für die Dienstleistungsbranche so stark wie seit über drei Jahren nicht mehr zulegte.

fro/Reuters/dpa/dpa-AFX

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