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Studie offenbart Gefälle: Reiche Amerikaner werden immer reicher

"Wir sind 99 Prozent", lautet einer der Slogans der "Occupy"-Bewegung, die das Scheffeln der Oberschicht anprangert. Und tatsächlich: Laut einer Studie stieg das Einkommen des reichsten Prozents der Amerikaner in den vergangenen 30 Jahren um 275 Prozent - die Armen konnten von solchen Zahlen nur träumen.

Shopping auf der 5th Avenue in New York: Kluft zwischen den Einkommen wird immer größer Zur Großansicht
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Shopping auf der 5th Avenue in New York: Kluft zwischen den Einkommen wird immer größer

Washington - Eine offizielle US-Studie offenbart das ganze Ausmaß der Ungleichheit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten: In den vergangenen drei Jahrzehnten schoss das Einkommen des reichsten Prozents der Amerikaner um 275 Prozent in die Höhe.

US-Bürger, die in der Mitte der Einkommensverteilung stehen - immerhin 60 Prozent der Bevölkerung -, verdienten hingegen im Schnitt nur knapp 40 Prozent mehr, zeigt die Studie des überparteilichen Etat-Büros des Kongresses (CBO). Noch krasser ist der Unterschied zu dem ärmsten Fünftel der Bevölkerung: Die untersten 20 Prozent mussten sich über die 30 Jahre gerade einmal mit einem Zuwachs von 18 Prozent zufriedengeben. Der demokratische Kongress-Abgeordnete Sander Levin nannte den Report "den jüngsten Beweis für den alarmierenden Anstieg der Einkommens-Ungleichheit" in den USA.

Dass sich die Konten der Reichen so rapide füllten, hat nach der Analyse des CBO eine Vielzahl von Gründen. Zum einen habe der Staat die Umverteilung von Wohlstand seit dem Ende der 1970er Jahre immer weniger gefördert, etwa durch das Steuersystem. Weitere Faktoren seien die Ausgestaltung von Managergehältern, Mega-Einkommen für Superstars aus Sport und Kunst, das wachsende Gewicht der Finanzindustrie und Kapitalmarktgewinne, die unverhältnismäßig stark gerade den wohlhabenderen Haushalten zugutekämen.

Der Studie zufolge bezieht das reichste eine Prozent der Bevölkerung 17 Prozent des gesamten versteuerten Einkommens der USA; 1979 waren es noch acht Prozent. Das wohlhabendste Fünftel der Amerikaner bekommt inzwischen mehr als die Hälfte des gesamten Einkommens überwiesen, vor rund 30 Jahren waren es noch 43 Prozent. Abwärts ging es für die sozial Schwachen: Entfielen 1979 auf die ärmsten 20 Prozent noch sieben Prozent des Einkommens des Landes, sind es inzwischen nur noch fünf Prozent.

Die Zahlen heizen den Streit zwischen Demokraten und Republikanern an

Höhere Steuern für die Reichen zum Abbau des massiven Defizits und des riesigen Schuldenbergs ist eine der wichtigsten politischen Schlachtfelder zwischen Präsident Barack Obama und den Republikanern im laufenden Wahlkampf. Während Obama von den Reichen einen "fairen Anteil" an den Belastungen einfordert, lehnen die Konservativen dies strikt ab und werfen dem Präsidenten vor, "Klassenkampf" zu betreiben.

Die "New York Times" geht wegen des unabhängigen Charakters der Untersuchung davon aus, dass der Report die gegenwärtige Debatte im Kongress über die Fairness des aktuellen Steuersystems und der Ausgabenpolitik erheblich beeinflussen wird. Die CBO-Experten werteten für die Untersuchung Daten der Steuerbehörde IRS und des US-Statistikamtes zwischen 1979 und 2007 aus.

Auch der weltweiten "Occupy"-Bewegung spielen die Zahlen in die Hände: Seit Wochen demonstrieren sie gegen Banken und eine Oberschicht, die sich die Taschen vollstopft. Auf den Plakaten der Aktivisten heißt es: "Wir sind die 99 Prozent" - in Anspielung auf das reichste eine Prozent der Bevölkerung.

lgr/dpa

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1. Da wird sich auch nicht viel dran ändern...
Suppenkoch, 26.10.2011
... schließlich lebt man ja den "American Dream" und viele haben die Hoffnung, irgendwie und irgendwann auch zu den ganz Reichen zu gehören. Dann will man schließlich auch nicht mit den Armen teilen. Bis dahin begnügt man sich dann eben mit der Gosse und findet das auch ganz okay so, denn schließlich, eine Tages, wird auch der amerikanische Traum für einen in Erfüllung gehen. Ein sich selbst erhaltendes System, was bestimmt sogar mal funktioniert hat, allerdings sind die Chancen mittlerweile so gering, dass es nur noch in seltenen Ausnahmen und bestimmten Branchen klappt. Die werden dann als Beispiele präsentiert und der Traum lebt weiter, weil er weiterleben muss.
2. Eiderdaus!
vostei 26.10.2011
Das überrascht mich jetzt ^^ - nicht wirklich. Und ich meine, dass das Ganze zwar nicht ganz so krass, aber durchaus annehmbar, bei uns auch bald darauf hinaus laufen wird. Das Wort Solidargemeinschaft - weiß heute hier noch jemand, was es bedeutet und was es bewirken könnte, wenn es sowas noch geben würde? Faszinierend - die Finanzler habens echt drauf, das Volk zu nasführen. Aber was mecker ich, die US-Amerikaner haben ihre Regierungen genauso gewählt wie wir, also selber an der Nase zupfen... ABER: dort gibts wenigstens ein paar Megasuperreiche, die durchaus geschnallt haben, dass es so nicht weiter gehen kann. Und bei uns?
3. Das Wohlstandsgefaelle
Gandhi, 26.10.2011
widerspiegelt den Klassenkampf, der seit Reagans Zeiten in den USA herrscht. Mit der von Reagan in die Wege geleiteten Schwaechung der Gewerkschaften einher geht auch die Schwaechung der Mittelklasse. Der gleichzeitige Angriff auf den Staat (der angeblich die Uebel der Gesellschaft verursacht) hat die Macht des Kapitals weiter gestaerkt. Mit den Tea Baggern hatten sich die Koches et al eine Basis erhofft, die meint, durch Unterstuetzung der Superreichen ein paar Kruemmel des Wohlstands abzubekommen. Doch nun kommen denen die OWS in die Quere, die die ungesundene Konzentration des Reichtums , die finanzielle Macht einiger Weniger anprangern, weil sie der Zukunft der Gesellschaft im Wege steht. Sehr zum Aerger der Kochs und ihrer Helfeshelfer dreht sich die Diskussion nicht mehr um die bedrohliche Schuldenlast des Staatessondern um die weit bedrohlichere finanzielle Situation des einzelnen Buergers. Wer nach dem Studium keine Chance auf einen entsprechenden Arbeitsplatz hat, aber dafuer dank der enormen Ausbildungsschulden (Folge der Politik der GOP, die nur betriebswirtschaftlich denken kann) nicht wiess, wie er diese zurueckzahlen soll, der aeussert seinen Unmut eben , wendet sich gegen die Bankster, die sich nicht scheuen, wegen eventueller hoher Profite hohe Risiken einzugehen, um dann wegen too big to fail und seinen Folgen von der Allgemeinheit gerettet werden zu muessen. In einer zivilen Gesellschaft hat der Staat die Aufgabe, die Schwachen vor den Gierigen zu schuetzen. Im Idealstaat der Republikaner hat der Staat die Aufgabe, die Gierigen vor dem Aerger ihrer Opfer zu schuetzen. Es gefaellt den Republikanern ueberhaupt nicht, dass die Mehrheit des Volkes ihre Plaene, wie man das Volk weiter ausnehmen kann, nicht unterstuetzt. Bewusstseinsbildung braucht Zeit, dann aber ......
4.
king_pakal 26.10.2011
Zitat von sysop"Wir sind 99 Prozent", lautet einer der Slogans der Occupy-Bewegung, die das Scheffeln der Oberschicht anprangert. Und tatsächlich: Laut einer Studie stieg das Einkommen des reichsten Prozents der Amerikaner in den vergangenen 30 Jahren um 275 Prozent - die Armen konnten von solchen Zahlen nur träumen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,794223,00.html
Wie sagt man so schön: "Jeder kann Millionär werden, nur nicht alle!"
5. Re:
rocky balboa 26.10.2011
Um dem Ganzen mal das Reisserische zu nehmen: Laut Wikipedia lag das internationale Preisniveau in den USA um 1980 bei 311, um 2005 dann bei 736. Wenn wir das mal auf heute extrapolieren, kommen wir vermutlich auf 770 oder so. Es wäre also durchaus schön, wenn wir inflationsbereinigte Zahlen bekämen. Im aktuellen Zustand ist der Beitrag leider wertlos, weil nichtssagend.
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Rang Name Land Alter geschätztes Vermögen in Milliarden Dollar
1 Carlos Slim Helú Mexiko 71 74,0
2 Bill Gates USA 55 56,0
3 Warren Buffett USA 80 50,0
4 Bernard Arnault Frankreich 62 41,0
5 Lawrence Ellison USA 66 39,5
6 Lakshmi Mittal Indien 60 31,1
7 Amancio Ortega Spanien 75 31,0
8 Eike Batista Brasilien 54 30,0
9 Mukesh Ambani Indien 53 27,0
10 Christy Walton USA 66 26,5
Quelle: "Forbes"
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