Studie: Umweltschützer kritisieren Milliardenhilfe für Massentierhaltung

Viel Geld für tierisches Elend: Die Europäische Union fördert die Massentierhaltung von Schweinen und Geflügel in Deutschland mit mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr. Allein den Bau großer Mastanlagen subventioniert die Gemeinschaft im Schnitt mit 80 Millionen Euro.

Geflügelmastbetrieb in Brandenburg: EU-Reform soll ab 2014 greifen Zur Großansicht
DPA

Geflügelmastbetrieb in Brandenburg: EU-Reform soll ab 2014 greifen

Berlin - Die Europäische Union lässt sich die Förderung der industriellen Massentierhaltung in Deutschland viel kosten: Einer Analyse des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zufolge bezuschusst die EU allein in Deutschland jährlich die sogenannte Intensivhaltung von Schweinen und Geflügel mit mehr als einer Milliarde Euro.

In den untersuchten Jahren 2008 und 2009 seien allein jeweils 950 Millionen Euro staatliches Fördergeld in den Anbau von Futtermitteln gesteckt worden, geht aus der am Montag veröffentlichten Studie hervor. Der Bau großer Mastanlagen wurde demnach mit durchschnittlich etwa 80 Millionen Euro bezuschusst. Die zehn größten Schlachtfirmen erhalten laut BUND jährlich zusammen knapp 20 Millionen Euro Fördermittel, meist in Form von Exportsubventionen.

Die Subventionen für die Fleischindustrie müssten unverzüglich gestoppt werden, forderte der BUND. Die pauschale Vergabe der Fördermittel schade der Umwelt und beeinträchtige die Wettbewerbsfähigkeit ökologisch und besonders tiergerecht produzierender Fleischerzeuger. Zudem werde auf diese Weise die Überproduktion von Fleisch gefördert: Statistisch betrachtet gehe inzwischen jedes zehnte in Deutschland geschlachtete Schwein in den Export. Laut BUND wird hierzulande auch mehr Geflügel produziert als verzehrt.

Künftig müssten Agrarsubventionen an strengere Umwelt- und Tierschutz-Standards gebunden werden, als sie in Deutschland derzeit gelten, forderte BUND-Chef Hubert Weiger. So würden Anreize für eine zukunftsfähige, nachhaltige und tierschutzgerechte Erzeugung von Lebensmitteln geschaffen. Hier seien Bund und Länder gefordert.

Seit Jahren verspricht immerhin die EU-Kommission eine Reform der Agrarpolitik. EU-Kommissar Dacian Ciolos will die Milliarden ab 2014 gerechter und ökologischer verteilen. Das System müsse grüner werden, hatte der Rumäne im vergangenen Jahr angekündigt - "weil dies konkreten Nutzen für die Gesellschaft bringt".

yes/AFP

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Man sollte dies lesen und handeln
y2m 29.08.2011
Zitat von sysopViel Geld für tierisches Elend: Die Europäische Union fördert die Massentierhaltung*von Schweinen und Geflügel in Deutschland mit mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr. Allein den Bau großer Mastanlagen subventioniert die Gemeinschaft im Schnitt mit 80 Millionen Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,783104,00.html
Henry David Thoreau - Civil Disobedience Passend wie auch in diesem Fall.
2. Europa
Nils Meier, 29.08.2011
... wunderbar, Finanz- und Wirtschaftsunion bitte ... nicht Zumindest weiss Michel jetzt wie Europa hintenrum sich doch wieder lohnt, trotz oder wg. den Griechen ... fuer irgendwelche Interessenvertreter versteht sich.
3. Das Leiden der Tiere ist teilw. wirklich unwürdig
Fricklerzzz 29.08.2011
Zitat von sysopViel Geld für tierisches Elend: Die Europäische Union fördert die Massentierhaltung*von Schweinen und Geflügel in Deutschland mit mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr. Allein den Bau großer Mastanlagen subventioniert die Gemeinschaft im Schnitt mit 80 Millionen Euro. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,783104,00.html
Ich bin bestimmt kein Grüner und auch kein Fleischverachter, aber was man bei Geflügel oft sieht sind Wunden und Verletzungen durch Haltungsmängel. Wundgelegene Stellen, schlecht verheilte Brüche und sehr viele Hautiritationen. Auch beim Schlachten wird viel zu grob mit den Tieren umgegangen: viele frische Brüche und Blutergüsse. Teilweise habe ich das Fleisch weggeworfen so ekelhaft sah es aus. Wenn ich sehe wie die Tiere gelitten haben müssen, schäme ich mich durch den Kauf sowas auch noch befördert zu haben. Aber man kann das meist erst nach dem Auftauen feststellen. Lieber bezahle ich einen Euro mehr fürs Huhn, als das ich soetwas weiter mit ansehen muss. Die so arbeitenden Mastbetriebe und deren Abnehmer sollten sich schämen, (so wie ich es manchmal muss, wenn auch schuldlos). Es gibt, für garnicht soviel mehr Geld auch Tiere aus Massentierhaltung die nicht so aussehen, als wären sie zu Tode gefoltert worden, es geht also doch offensichtlich besser. Aber wenn man schon Maschinenfett ins Futter haut, dann hat man für die Kreatur sowieso kein Mitgefühl mehr. Auch Tiere die man essen will muss man als Kreatur achten und nicht unnötig leiden lassen ! Ich hoffe das sich bald was ändert und finde den Ansatz über mehr Kontrollen gut. Fricklerzzz
4. oooo
inci 29.08.2011
Zitat von FricklerzzzIch bin bestimmt kein Grüner und auch kein Fleischverachter, aber was man bei Geflügel oft sieht sind Wunden und Verletzungen durch Haltungsmängel. Wundgelegene Stellen, schlecht verheilte Brüche und sehr viele Hautiritationen. Auch beim Schlachten wird viel zu grob mit den Tieren umgegangen: viele frische Brüche und Blutergüsse. Teilweise habe ich das Fleisch weggeworfen so ekelhaft sah es aus. Wenn ich sehe wie die Tiere gelitten haben müssen, schäme ich mich durch den Kauf sowas auch noch befördert zu haben. Aber man kann das meist erst nach dem Auftauen feststellen. Lieber bezahle ich einen Euro mehr fürs Huhn, als das ich soetwas weiter mit ansehen muss. Die so arbeitenden Mastbetriebe und deren Abnehmer sollten sich schämen, (so wie ich es manchmal muss, wenn auch schuldlos). Es gibt, für garnicht soviel mehr Geld auch Tiere aus Massentierhaltung die nicht so aussehen, als wären sie zu Tode gefoltert worden, es geht also doch offensichtlich besser. Aber wenn man schon Maschinenfett ins Futter haut, dann hat man für die Kreatur sowieso kein Mitgefühl mehr. Auch Tiere die man essen will muss man als Kreatur achten und nicht unnötig leiden lassen ! Ich hoffe das sich bald was ändert und finde den Ansatz über mehr Kontrollen gut. Fricklerzzz
ich auch und wollte neulich zu einem bio-huhn greifen. der stolze preis knapp €18! das fand ich dann doch sehr überteuert, gleich 3x so teuer wie das "normale" huhn, das hat um die 6€ gekostet.
5. Massentierhaltung
Inuk 29.08.2011
Zitat von inciich auch und wollte neulich zu einem bio-huhn greifen. der stolze preis knapp €18! das fand ich dann doch sehr überteuert, gleich 3x so teuer wie das "normale" huhn, das hat um die 6€ gekostet.
Ich habe mir vergangen Woche ein Bio-Hähnchenbrustfilet geleistet. Es war 320 gr. schwer und kostete 8,36 Euro. Man sah es dem Fleisch nicht an, dass es eine Bio-Herkunft hatte. Beim Braten jedoch stellte ich schnell fest, dass ich Hähnchenfleisch von Top-Qualität bei REWE gekauft habe. Es spritzte kaum und trieb nicht auf. Es wurde also nicht übermäßig dick durch den Bratvorgang. Und dass es geschmeckt hat, brauch ich nicht besonders zu betonen. Ich habe jedenfalls den Preis im Nachhinein nicht bereut. Ich finde, weniger Tierhaltung ist mehr. Weg von der Massentierhaltung und weg von der Tierquälerei.
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Die Top-10-Empfänger von Agrarsubventionen
Platz Unternehmen Höhe der Förderung (in Euro)
1 Nordmilch AG 51,15 Millionen
2 Südzucker AG 42,89 Millionen
3 Pfeifer und Langen KG 17,47 Millionen
4 Eximo Agro-Marketing 14,84 Millionen
5 Omira Oberland-Milchverwertung 12,64 Millionen
6 Melasse Extraktion 11,98 Millionen
7 Bayerische Milchindustrie 10,83 Millionen
8 Landesbetrieb für Küstenschutz 10,17 Millionen
9 Landesumweltamt Brandenburg 8,34 Millionen
10 Ostmilch Handels GmbH 7,80 Millionen
Quelle: dpa