Studie Was den Deutschen am meisten Angst macht

Jahrelang war es vor allem die Furcht vor dem Job-Verlust, die viele Deutsche beschäftigte. Doch eine aktuelle Umfrage zeigt, dass neue Ängste die Bundesbürger beschäftigen.

Ehec-Bakterienkultur (Archivbild): Furcht vor Lebensmittelskandalen steigt
dapd

Ehec-Bakterienkultur (Archivbild): Furcht vor Lebensmittelskandalen steigt


Berlin - Schuldenkrise und verseuchte Lebensmittel - das sind die beiden größten Angstmacher der Deutschen. 70 Prozent der Bürger fürchten, dass auf den Steuerzahler hohe Kosten für die Euro-Rettung zukommen. 60 Prozent sehen laut einer Studie der R+V Versicherung sogar die Existenz der Gemeinschaftswährung gefährdet.

Für Besorgnis bei den Deutschen sorgen auch die großen Lebensmittelskandale der vergangene Monate, also mit Dioxin verseuchte Eier und tödliche Ehec-Erreger im Gemüse. 70 Prozent der Befragten fürchten sich der Studie zufolge vor Schadstoffen in Lebensmitteln.

Seit 1991 untersucht die Versicherung standardmäßig Sorgen und Ängste der Bundesbürger. Für die Studie "Die Ängste der Deutschen" befragt das Unternehmen jährlich rund 2500 Deutsche ab 14 Jahren. Die Zahlen für 2011 zeigen vor allem eines: Ihre eigene Lage schätzen die Deutschen besser ein als vor einem Jahr. Doch das große Ganze, das der Einzelne kaum beeinflussen kann, macht sehr vielen Angst.

Die Angst vor Arbeitslosigkeit ist beispielsweise um zwölf Prozentpunkte gesunken, nur noch 36 Prozent der Befragten fürchten aktuell, ihren Job zu verlieren. Auch ein sinkender Lebensstandard im Alter jagt nur noch 39 Prozent Angst ein - das ist ein Rückgang von acht Prozentpunkten.

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Grafiken: Die größten Angstmacher
"Die Turbulenzen der Euro-Schuldenkrise, die tödlichen Ehec-Keime, der Tsunami und die Atomkatastrophe in Japan überschatten in diesem Jahr alle anderen Sorgen", sagt Rita Jakli, Leiterin der Studie. Die Versicherung habe die 16 Standardfragen dieses Mal um drei aktuelle Themen ergänzt: Schuldenkrise, Lebensmittel und Störfälle in Atomkraftwerken.

Laut dem Politikwissenschaftler Manfred G. Schmidt überdecken die Probleme der europäischen Nachbarn die traditionellen Sorgen um die eigene Wirtschaftslage. Werte über 70 Prozent seien in den vergangenen Jahren nur vier Mal erreicht worden - und damals ausschließlich bei Ängsten vor steigenden Lebenshaltungskosten und einer Verschlechterung der Wirtschaftslage.

Nun kann man sich bei der Studie einer Versicherung allerdings fragen, ob der inflationäre Gebrauch des Wortes Angst nicht ein wenig übertrieben ist - und die Bürger bei vielen Themen nicht eher Bedenken oder ein ungutes Gefühl haben. Dass etwa 70 Prozent der Bürger sich wirklich vor verseuchten Lebensmitteln fürchten, scheint selbst angesichts der jüngsten Skandale etwas hoch gegriffen. Ein echter Trend weg von der Billig-Mentalität beim Lebensmittelkauf lässt sich in Deutschland jedenfalls nicht beobachten.

Und so dürfte es auch wenig mit der Realität zu tun haben, die Deutschen aufgrund dieser Studie als Angstbürger zu charakterisieren. Immerhin konstatieren selbst die Initiatoren, dass die langfristig abgefragten Ängste deutlich gesunken sind - und nun im Durchschnitt so niedrig sind wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Eine Übersicht der wichtigsten Studienergebnisse finden Sie in der Grafikstrecke.

cte



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
torsten79 08.09.2011
1. Geschäftsmodell "Angst"
Es ist immer wieder erstaunlich wovor die Menschen Angst haben. Obgleich die Wahrscheinlichkeit im Straßenverkehr oder an einem Herzinfarkt zu sterben exorbitant höher ist als bei einer Naturkatastrophe oder durch einen Terroranschlag zu sterben rangieren die ECHTEN Gefahren des täglichen Lebens regelmäßig am Ende der "Angstskala". Das ist schön, weil sich damit gutes Geld verdienen lässt. Rational ist das allerdings nicht. Naja, der Mensch ist halt irrational, lässt sich von der Berichterstattung in den Medien (ver-)leiten und folgt ohne seinen Verstand zu nutzen "blind" seinem Herdentrieb. Ich kann da immer nur den Kopf schütteln. Aber was solls. Ich steig jetzt trotz der Gefahr auf mein Fahrrad und geh n Ründchen entspannen. Tach auch...
FraSoer 08.09.2011
2. Fiktive Gefahren
Zitat von torsten79Es ist immer wieder erstaunlich wovor die Menschen Angst haben. Obgleich die Wahrscheinlichkeit im Straßenverkehr oder an einem Herzinfarkt zu sterben exorbitant höher ist als bei einer Naturkatastrophe oder durch einen Terroranschlag zu sterben rangieren die ECHTEN Gefahren des täglichen Lebens regelmäßig am Ende der "Angstskala". Das ist schön, weil sich damit gutes Geld verdienen lässt. Rational ist das allerdings nicht. Naja, der Mensch ist halt irrational, lässt sich von der Berichterstattung in den Medien (ver-)leiten und folgt ohne seinen Verstand zu nutzen "blind" seinem Herdentrieb. Ich kann da immer nur den Kopf schütteln. Aber was solls. Ich steig jetzt trotz der Gefahr auf mein Fahrrad und geh n Ründchen entspannen. Tach auch...
Dito. 50% haben Angst vor einem Terroranschlag!!! Wie viele Terroranschläge gab es in den letzen 25 Jahren in Deutschland nochmal... Achja, überhaupt keine. Das letzte Mal war Mitte der 80er Jahre durch die RAF, alles andere nur Propaganda um die Massen besser unter Kontrolle zu halten.
pulzator, 08.09.2011
3. Mehr ist dazu nicht zu sagen
http://de.wikipedia.org/wiki/German_Angst
underdog, 08.09.2011
4. ...
Angst, Angst, Angst... ...die Gesellschaft des neuen Jahrtausends ist geradezu besessen von Angst! Das macht mir Angst.
bmehrens 08.09.2011
5. Modewort Angst
Mit dem Wort "Angst" hat mich seit Anfang/Mitte der 80ger meine Ex (Uniumfeld)genervt - das war damals das Modewort an den Unis.
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