Hamburg - Die Untersuchung des unabhängigen Forschungsinstituts "The Conference Board" mit Sitz in New York dürfte für Aufsehen sorgen: Vor allem Irland und Spanien sind seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 deutlich konkurrenzfähiger geworden. Wichtigste Ursache: "Die Lohnstückkosten in den Krisenländern sind teilweise rapide gesunken", so Bert Colijn, einer der Studienautoren.
In Irland verbesserte sich dieser wichtige Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit um mehr als sechs, in Spanien um mehr als vier Prozent. Mit Lohnstückkosten werden die Personalkosten bezeichnet, die bei der Produktion einer Ware entstehen: Je höher die Löhne und je länger die Zeit, die für die Herstellung einer Ware benötigt wird, desto höher liegen die Lohnstückkosten.
In Irland und Spanien ist durch höhere Effizienz in den Unternehmen vor allem die Produktivität gestiegen. Weil in der Krise auch die Löhne sanken, haben sich die beiden Länder im europäischen Vergleich besonders erfolgreich verändert.
In Griechenland und Portugal sind die Lohnstückkosten zwar noch bis 2009 gestiegen, "in den vergangenen zwei Jahren aber haben diese Länder deutliche Fortschritte erzielt", sagt Colijn. In den wirtschaftlich stärkeren Ländern wie beispielsweise Deutschland sind die Lohnstückkosten dagegen seit Beginn der Finanzkrise um bis zu zwölf Prozent gestiegen. "Es scheint also so zu sein, dass sich die Unterschiede langsam wieder angleichen."
Euro-Austritt würde Griechenland nicht konkurrenzfähiger machen
Die Ergebnisse sind auch deshalb bemerkenswert, weil viele Ökonomen bezweifeln, dass die südeuropäischen Krisenländer innerhalb der Euro-Zone wirtschaftlich wieder zulegen können. Auch deshalb wird Griechenland immer wieder der Austritt aus der Gemeinschaftswährung empfohlen. Das Argument: Griechenland könnte seine Währung abwerten, im internationalen Vergleich würden die Produkte deutlich billiger und die Firmen konkurrenzfähig.
Der Studie von Colijn und seinem Kollegen Bert van Ark zufolge ist das ein Trugschluss: "Wenn Griechenland aus dem Euro austritt, würde das die Wettbewerbsfähigkeit für vielleicht ein oder zwei Jahre anfeuern" sagt Colijn. Aber "nach wenigen Jahren werden die Lohnstückkosten mehr oder weniger auf demselben Niveau liegen, wie bei einem Festhalten Griechenlands am Euro". Ein Austritt aus der Gemeinschaftswährung dagegen wäre auch für die restlichen Euro-Länder mit großen wirtschaftlichen Risiken verbunden.
Deutsche sollen Konsum in Europa anfeuern
Außerdem sind die Lohnstückkosten auch in Griechenland in den vergangenen zwei Jahren deutlich gefallen, den Erhebungen zufolge ist die Produktivität gestiegen und sind die Löhne gesunken. "Diese Anpassungen haben zu einem großen Teil mit dem Druck der Troika zu tun", sagt Colijn, diese Restrukturierung "dürfte mittel- bis langfristig positive Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der griechischen Wirtschaft haben".
Was die Untersuchung allerdings auch zeigt: Allein mit höherer Wettbewerbsfähigkeit ist es nicht getan. Kurzfristig fehlt es den Randstaaten der Euro-Zone vor allem an Nachfrage, die durch den Sparkurs und die Euro-Unsicherheit eingebrochen ist.
Dass Deutschland in dem Vergleich eher schlecht wegkommt, hat zwei Gründe: Zum einen hat sich die deutsche Wirtschaft nach dem Einbruch 2008 besonders schnell erholt, so dass Lohnkürzungen nicht nötig waren. Zum anderen hat die Kurzarbeit zu einer fallenden Produktivität geführt. "Das ist gut", sagt Colijn, denn Europa brauche dringend eine stärkere Binnennachfrage "die könnte von den gut verdienenden Deutschen kommen".
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