Hamburg - Wer bislang behauptete, "nur wegen des Geldes" zu heiraten, meinte damit zumeist die Steuerbegünstigungen, die der Staat für Ehepaare bereithält. Allerdings könnte sich der Gang vor den Traualtar bereits beim Bruttoeinkommen positiv auswirken: Verheiratete Männer verdienen deutlich mehr als ihre unverheirateten Geschlechtsgenossen - auch wenn sie nicht produktiver sind und die gleiche Qualifikation besitzen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, über die das "Handelsblatt" berichtet.
Für die Untersuchung verwendeten Francesca Cornaglia von der Londoner Queen-Mary-Universität und Naomi Feldman von der israelischen Ben-Gurion-Universität eine außergewöhnliche Stichprobe: Sie untersuchten die Bruttogehälter von rund 16.000 Baseballspielern der nordamerikanischen Liga MLB über den Zeitraum von 1871 bis 2007. Bei Profisportlern lässt sich die Leistung besser messen und damit vergleichen als bei anderen Berufen.
Das Ergebnis ist erstaunlich: "Verheiratete Baseballspieler verdienen bis zu 16 Prozent mehr als unverheiratete Profis", stellen die Forscherinnen laut dem Bericht fest. Allerdings strichen den üppigen Ehebonus nur die Spieler ein, die zum besten Drittel gehörten und nach 1975 aktiv waren. Im Jahr 2007 verdienten die zu dieser Gruppe Zugehörigen im Schnitt 4,3 Millionen Dollar im Jahr - gleich starke Junggesellen mussten sich mit 690.000 Dollar weniger begnügen. Bei den beiden leistungsschwächeren Dritteln war der Effekt hingegen nicht festzustellen.
Verheiratete waren ein Faktor für Siege
Ganz einfach lassen sich die höheren Einkommen der leistungsstarken Verheirateten aus den Daten der Studie nicht erklären. Die naheliegende Interpretation, Männer würden ihre Leistung nach einer Hochzeit steigern, weil ihre Ehefrau ihnen zu Hause den Rücken freihält, konnten die Forscherinnen widerlegen - eine Ehe hatte auf die Produktivität der Spieler keine signifikante Auswirkung. Nur bei den schwächeren Profis war ein positiver Effekt auf die Leistung festzustellen.
Ebenso konnten die Wissenschaftlerinnen die Erklärung ausschließen, wonach es gerade die guten Gehaltsaussichten seien, die Männer auf dem Heiratsmarkt besonders begehrenswert machten und Gutverdienende deshalb öfter in einer Ehe lebten.
Den Grund für die Bereitschaft von Arbeitgebern, ihren verheirateten Angestellten mehr Geld zu bezahlen, suchen die Forscherinnen denn auch in weniger offensichtlichen Bereichen: "Wir nehmen an, dass die Ehe die Stabilität und die Verlässlichkeit der Männer im Beruf erhöhen", schreiben Cornaglia und Feldman laut der Zeitung. Demnach seien Ehemänner die besseren Teamplayer und besäßen mehr Führungsqualitäten.
Für diese These spricht eine Statistik aus der Baseball-Liga MLB: Teams mit überdurchschnittlich vielen Verheirateten gewannen signifikant häufiger ihre Spiele.
Anmerkung der Redaktion: In der ersten Fassung des Textes waren die Stichprobe der Untersuchung und der Zeitraum fehlerhaft beschrieben, das haben wir korrigiert. Zusätzlich haben wir die Ursprungsmeldung aus dem "Handelsblatt" und das PDF der Originalstudie verlinkt.
pen/fdi
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