Hamburg - Schwarz-Gelb hat das Betreuungsgeld im Bundestag durchgesetzt, die sogenannte Herdprämie soll Eltern unterstützen, wenn sie ihre Kinder zu Hause erziehen. Doch die große Mehrheit der Deutschen wünscht sich vor allem eines: eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor, berichtet die "Financial Times Deutschland". Demnach klagen 57 Prozent über eine zu hohe Belastung im Job. 58 Prozent klagen sogar über stressbedingte gesundheitliche Beschwerden. Die Zeitung hatte die Studie mit 2700 Teilnehmern beim Marktforschungsinstitut GfK Verein in Auftrag gegeben.
Offenbar sind viele Menschen bereit, sich zugunsten ihres Privatlebens beruflich zu verändern. Der Wunsch, Familie und Beruf besser vereinbaren zu können, wurde als zweithäufigste Motivation für einen Jobwechsel genannt. Wichtigstes Argument ist für Berufstätige aber noch immer ein höheres Gehalt. Der Wunsch nach einer interessanten Tätigkeit wurde am dritthäufigsten genannt, gefolgt von der Hoffnung auf bessere Aufstiegsmöglichkeiten.
Die weiteren Gründe, die aus Sicht der Befragten für einen Jobwechsel sprechen, haben alle mit dem Wunsch nach einem ausgeglichenen Verhältnis von Beruf und Privatleben zu tun. Demnach sind Arbeitsplätze begehrt, die eine flexiblere Arbeitsplatzgestaltung, das Arbeiten von zu Hause aus oder längere Auszeiten ermöglichen.
Berufstätige Mütter sind Burnout-gefährdet
"Kinder sind zum entscheidenden Faktor in unserer Arbeitswelt geworden", zitiert die "FTD" den GfK-Verein-Forscher Ronald Frank. Bisher gelinge ein ausgeglichenes Familienleben meist nur, wenn einer der Partner auf die Karriere verzichte. Ansonsten drohten Gefahren für die Gesundheit. Frauen, die berufstätig sind und zugleich noch Haushalt und Kinder alleine managen, haben demnach ein genauso großes Burnout-Risiko wie Top-Manager.
Vor allem die jüngere Generation hat laut der Studie wachsende Ansprüche an Unternehmen. "Es reicht nicht, eine Betriebs-Kita oder Teilzeitarbeit anzubieten", sagte Marion Schick, die im Telekom-Vorstand für Personal zuständig ist, der "FTD". Unternehmen müssten sich auch darauf einstellen, dass Mitarbeiter familiäre Verpflichtungen haben.
Diese Einstellung ist aber laut GfK-Verein-Geschäftsführer Raimund Wildner noch längst nicht in den Unternehmen angekommen. Er sagte: "Kinder sind in unserer Gesellschaft noch immer das Karrierehindernis schlechthin."
mmq
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wirtschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Staat & Soziales | RSS |
| alles zum Thema Familie | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH