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Warnung von Wirtschaftsverbänden: Brexit wäre Schock für britische Wirtschaft

Die Briten sind in der Brexit-Frage gespalten. Nun versuchen Wirtschaftsverbände, mit Studien für den Verbleib in der EU zu werben. Sie rechnen vor, wie teuer ein Austritt für das Land wäre.

Flaggen Großbritanniens und der EU Zur Großansicht
Getty Images

Flaggen Großbritanniens und der EU

Ein Austritt aus der Europäischen Union würde die britische Wirtschaft in eine jahrelange Unsicherheit stürzen. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Studien im Auftrag der Industrieverbands CBI und des europäischen Finanzmarktverbands AFME.

Demnach würde ein Brexit die wirtschaftlichen Beziehungen Großbritanniens mit dem Rest der EU infrage stellen: Höhere Zinsen für Kredite und geringere Investitionen wären die Folge ebenso wie Einschränkungen beim Außenhandel.

Die Briten sind Umfragen zufolge in der Brexit-Frage gespalten. Der Anteil der EU-Befürworter liegt wie der der Gegner bei etwa 40 Prozent, der Rest ist unentschlossen.

Die britische Wirtschaftskraft würde laut CBI-Studie bis 2020 im schlechtesten Szenario um 5,5 Prozent geringer ausfallen als bei einem Verbleib in der EU. Das entspricht Kosten von rund hundert Milliarden Pfund, das sind etwa 128 Milliarden Euro. 950.000 Arbeitsplätze würden verloren gehen.

Im besten Fall liegen die Kosten bei 56 Milliarden Pfund. In diesem Szenario handelt Großbritannien zügig neue Freihandelsabkommen mit der EU aus.

Kosten größer als die Einsparungen

Die Einsparungen durch einen Brexit würden von den negativen Folgen für Handel und Investitionen bei Weitem zunichtegemacht, sagte CBI-Geschäftsführerin Carolyn Fairbairn. Dies lasse sich nicht vermeiden, selbst wenn Großbritannien neue Handelsabkommen mit den früheren EU-Partnern aushandelt. "Selbst im besten Falle käme es zu einem gravierenden Schock für die britische Wirtschaft."

In der Studie sind auch positive Effekte durch den Brexit berücksichtigt. Dazu gehört zum Beispiel, dass Großbritannien nicht mehr in den EU-Haushalt einzahlen müsste.

Besonders hart würde ein Brexit wohl die Banken treffen. "Auf Banken und Investmentfirmen kommen infolge neuer Beschränkungen für grenzüberschreitende Geschäfte wahrscheinlich deutliche nachteilige Folgen zu", heißt es in der AFME-Studie.

Viele internationale Großbanken wie JPMorgan, Morgan Stanley und Goldman Sachs haben ihre Europazentrale in London. Im Fall eines Brexits würden sie ihre Geschäftsmöglichkeiten in anderen europäischen Ländern verlieren, die über EU-Gesetze geregelt sind.

Immer wieder gibt es jedoch auch aus der Wirtschaft Stimmen für einen Brexit. Zuletzt war Anfang des Monats der Generaldirektor des Verbandes BCC zurückgetreten, nachdem er sich für einen Austritt ausgesprochen hatte. Er hatte sich damit gegen seinen Verband gestellt, der sich in der Brexit-Frage neutral verhält.

sep/Reuters

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insgesamt 139 Beiträge
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1. Genau!
gelbesvomei 21.03.2016
Die Schweiz z.B. ist wirtschaftlich völlig am Boden - insbesondere der Bankensektor! Und das nur, weil sie nicht in der EU ist! Ich lach mich schlapp! Das ist schlichtweg Propaganda - und von JOURNALISTEN hätte ich erwartet, dass solche Meldungen vielleicht auf ihre Plausibilität überprüft werden und in einen Gesamtzusammenhang gestellt werden. In dieselbe Kategorie fallen meiner Meinung nach auch die Horrormeldungen über wirtschaftliche Einbrüche durch innereuropäische Grenzkontrollen - als wenn nicht täglich INNERHALB DEUTSCHLANDS hunderte Kilometer Stau durch marode Brücken und Fahrbahnen ein Vielfaches der Belastungen bei Berufspendlern und im Warenverkehr verursachen würde ...
2.
dodgerone 21.03.2016
Eigentlich müsste man es einfach laufen lassen... mit allen Folgen. Die Abschreckung wäre auch für andere Länder eine Erinnerung an die Vorteile der EU.
3. Schweiz?
mfeldtn 21.03.2016
Das sind do9ch die, die dauernd jammern, daß die EU sie zwingt ihr geliebtes Bankengeheimnis auszuhebeln oder? Und sich bitter darüber beschwert, daß ihre Banken in den USA unter Anklage gestellt werden? Unabhängigkeit sieht irgendwie anders aus...
4.
simie 21.03.2016
Die Schweiz zahlt für den direkten Handelszugang für die EU jährlich erhebliche Beiträge. Hinzu kommt, dass sie sich in vielen Bereichen Verordnungen etc. der EU unterwerfen muss, ohne jedoch an der Entstehung dieser mitarbeiten zu können. Beides wird dann auch im Falle Großbritanniens drohen.
5. Ganz oder gar nicht!
stefan7777 21.03.2016
Die Banken und Investmentfirmen sind der Hauptgrund weshalb ich als überzeugter Europäer einen Brexit durchaus positiv sehe. Die Briten und eben besonders ihre Banken haben eine sehr sehr böse Rolle gespielt, als sie gegen die EU-Staaten Spanien, Griechenland etc. gewettet haben. Wenn sie dann irgendwann wieder in die EU wollen, dann nur ganz als Europäer und nicht als Wurmfortsatz der USA. Von ihrem unseligen Geheimdienst GCHQ mal ganz abgesehen.
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