Stuttgart-21-Desaster: Bahn-Managern droht Regress

Baustelle Stuttgart 21: Im schlimmsten Fall könne die Rendite bei 1,7 Prozent liegen Zur Großansicht
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Baustelle Stuttgart 21: Im schlimmsten Fall könne die Rendite bei 1,7 Prozent liegen

Stuttgart 21 kommt später, wird teurer - vielleicht zieht der Bund gar die Notbremse. Die zusätzlichen Kosten für den umstrittenen Bahnhofsbau könnten einzelnen Managern angelastet werden. Laut "Stuttgarter Zeitung" werden mögliche Regressansprüche geprüft.

Berlin/Stuttgart - Sollen die Verantwortlichen des Stuttgart-21-Desasters haften? Es könnte darauf hinauslaufen, schreibt die "Stuttgarter Zeitung". Wegen der Mehrkosten drohen der Zeitung zufolge einigen Managern der Bahn möglicherweise Regressansprüche. "Es sollte geprüft werden, ob diese Verantwortung in konkreten Personen, insbesondere Vorständen, zu verorten ist", heißt es in einem Papier des Bundesverkehrsministeriums für einen Workshop des Bahn-Aufsichtsrats am Dienstag, aus dem die Zeitung zitiert und das auch SPIEGEL ONLINE vorliegt. Bezug genommen wird dabei auf ein "Eingeständnis" des Vorstands, dass die Bahn selbst für Mehrkosten von 1,1 Milliarden Euro verantwortlich sei.

In dem Papier wird ausgeführt, dass ein früheres Gutachten Ansprüche gegen den Vorstand verneint habe, obwohl dieser über Monate keinen Hinweis auf die bekannte Dimension des Problems gegeben habe.

Das Papier des Verkehrsministeriums war am Dienstag ans Licht gekommen und hat eine neue Debatte um den Sinn und Unsinn von Stuttgart 21 ins Rollen gebracht. Laut Papier gibt es große Zweifel an den Finanzierungsplänen, am Fertigstellungstermin, an der Wirtschaftlichkeit - am ganzen Vorhaben.

Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wollte zu Inhalten des Papiers am Dienstag nicht direkt Stellung nehmen. "Es handelt sich hier um Einzelmeinungen von der untersten Ebene meines Ministeriums", sagte er dem ZDF.

Bahn rechnet offenbar nur noch mit Mini-Rendite

Doch selbst die Bahn hat mittlerweile offenbar Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Projekts. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf interne Berechnungen meldet, ist bei einem weiteren Kostenanstieg nur noch mit einer geringen Eigenkapitalrendite zu rechnen. Der Konzern taxiert die Kosten und Risikopositionen von Stuttgart 21 mittlerweile auf insgesamt rund 6,8 Milliarden Euro. Im schlimmsten Fall könne die Rendite für das Projekt bei 1,7 Prozent liegen. Das sei deutlich weniger als bei Großprojekten üblich. Normalerweise wird für Bauvorhaben mindestens sechs Prozent Eigenkapitalrendite veranschlagt.

yes/dpa

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1. "Es handelt sich hier um Einzelmeinungen . . . .
blaubaer46 06.02.2013
Zitat von sysopStuttgart 21 kommt später, wird teurer - vielleicht zieht der Bund gar die Notbremse. Die zusätzlichen Kosten für den umstrittenen Bahnhofsbau könnten einzelnen Managern angelastet werden. Laut "Stuttgarter Zeitung" werden mögliche Regressansprüche geprüft. Stuttgart 21: Bahn-Managern drohen Regressansprüche - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/stuttgart-21-bahn-managern-drohen-regressansprueche-a-881709.html)
. . . von der untersten Ebene meines Ministeriums", sagte er (Ramsauer) dem ZDF. Tja, lieber Herr Ramsauer, so ist das nun mal. Auf den untersten Behördenebenen gibt es noch Sachverstand, und wenn die Leute da nichts bringen und / oder das richtige Parteibuch haben, werden sie in Führunspositionen gehievt und wollen unbedingt große Bahnhöfe bauen. Läuft in Unternehmen oft ähnlich!
2. Das Lügengebäude S21
Rufer-in.der.Wüste 06.02.2013
wankt und die Ratten verlassen das sinkende Schiff: Rette sich, wer kann!
3. Nur Zeitung voll
laermgegner 06.02.2013
Das Niveau von Meldungen ist immer das Gleiche- auf die Schnelle werden irgendwelche Sätze zusammengeschrieben. Bei einem laufenen BAuvorhaben wird es immer Änderungen geben, da das Gesamtvorhaben allein wegen Gesetzesänderungen sich verändert. Erinnert sei an die vielen Rückrückaktionen bei Autos, wo auch Fehler festgestellt werden. Nun wieder alles so hinzustellen, dass wenn einer mal was entscheidet, dieser für alles Verantwortlich ist, ist falsch. Wenn S 21 vom der Bahn allein finaziert werden würde, würde keinier etwas sagen - meine ich- da aber dieses Milliardengrab auf Kosten der Stuttgarten durchgfeührrt werden soll- sind die Proteste verständlich ! ZWar geht es nur um Bäume und nicht um Menschenleben wie bei BER in Berlin - aber die Auswirkungen sind die gleichen ! : Wir fordern Zeitungsbeiträge von Fachjournalisten !
4. Es wäre ein Segen fürs Land...
Ex-Kölner 06.02.2013
Zitat von sysopDie zusätzlichen Kosten für den umstrittenen Bahnhofsbau könnten einzelnen Managern angelastet werden. Laut "Stuttgarter Zeitung" werden mögliche Regressansprüche geprüft
Grundsätzlich eine überaus erfreuliche Entwicklung - hoffen wir mal, daß nich nur "geprüft", sondern auch entsprechend gehandelt wird. Allerdings bitte nicht nur die Minderleister bei der DB in Haftung nehmen, sondern auch diejenigen Politiker, die diesen Murks wollten und ermöglichten, also den ehemaligen Ministerpräsidenten Oettinger, den die Mutti auf unsere Kosten für 300.000 steuerfreie Euro pro Jahr nach Brüssel entsorgte, den Stuttgarter Ex-Bürgermeister, dessen Name mir entfallen ist (welchem die Grünen in Land und Stadt peinlicherweise zum überfälligen Abgang Ehrenbürger und Professorentitel nachwarfen). Im Bund sind neben dem ehemaligen Verkehrsminister Tiefensee (SPD) vor allem der aktuelle Amtsverweser Ramsauer und die Mutti in der Pflicht - die haben dem Scheffe der Laienspielschar kurz vor Weihnachten ebenfalls auf unser aller Kosten den Vertrag verlängert, obwohl er in seinem Laden nicht wirklich viel auf die Reihe bekommt...
5. Stz
Walther Kempinski 06.02.2013
Die Stuttgarter Zeitung ist hier im Süden als Hetzblatt bekannt. Viele meiner Bekannten haben ihr Abo schon längst gekündigt. SPON tut schlecht daran aus der StZ zu zitieren. Die StZ geht emotional an S21 heran und nicht argumentativ. Die Redaktion der StZ ist mit sogenannten Parkschützern gespickt. Die schreiben jedem Leser eine emotionale Krise ins Gehirn, genauso wie die Grünen aus einer Mücke einen Elefanten machen. Das Thema Rheintalbahn21 wird von der StZ ulkigerweise nicht beachtet, ist nämlich ein Projekt von grün-rot. Dabei ist Rheintal21 wesentlich teurer als S21. Wenn etwas ein Desaster ist, dann doch eher die Rheintalbahn. Darüber schreibt aber niemand was, die grüne Partei will das auch gar nicht. Argumentativ liefert die StZ also eher einen Wurstsalat ab.
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