Supermacht der Wirtschaft Vier Risiken made in China

Von Andreas Scholz

Gibt es eine Immobilienblase?


Bauarbeiter in Wuhan: "Mieten ist nur eine Übergangslösung"
REUTERS

Bauarbeiter in Wuhan: "Mieten ist nur eine Übergangslösung"

Ein so teures Hühnchen hatte Zhao Rui noch nie gegessen. Bevor der 28-jährige Geschäftsführer und seine Freundin im März ihren Wohnungskauf in Peking abschlossen, gingen sie essen. Als sie zurückkamen, war die Zweizimmerwohnung vergriffen. Wenige Wochen später zahlten sie für ein ähnliches Objekt 400.000 Yuan mehr - rund 44.000 Euro.

In China riecht es stark nach Immobilienblase: Im ersten Quartal stiegen die Preise im Schnitt um 16 Prozent. 2009 waren es insgesamt 25 Prozent. Doch der Markt ist nicht einheitlich. So errechneten die Asien-Spezialisten der DWS: Während sich ein Durchschnittsbürger in den erstklassigen Städten bestimmt keine Wohnung mehr leisten kann, ist das in zweitrangigen Städten noch gut möglich (siehe Grafik). Deshalb klingt die Erklärung logisch, es gebe nur lokale Blasen.

Trotzdem steuert die Regierung bereits gegen. "Sie wird mehr Grundstücke zum Bebauen freigeben und die Nachfrage durch Steuern und strengere Kreditregeln dämpfen", sagt Cong Zheng, gebürtiger Shanghaier und Geschäftsführer der auf China spezialisierten Immobiliengesellschaft Global Skyline Capital.

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Weltwirtschaft: Der große China-Check
Einiges ist schon passiert: Käufer müssen für eine Zweitwohnung 50 statt 40 Prozent vom Kaufpreis anzahlen. In einigen Städten gibt es demnächst als Pilotprojekt eine Grundsteuer, um Spekulationen zu dämpfen und Zweitwohnungen zu vermiesen. Wer als Bauträger Wohnungsverkäufe verzögert, um die Preise zu treiben, wird bestraft. Zudem will die Regierung dieses Jahr 1800 Quadratkilometer für neue Wohnungen freigeben. Mehr als das Doppelte des Vorjahres.

Trotzdem kann sich Zheng einen Nachfrage-Crash nicht vorstellen. "Eine Wohnung zu haben gehört in China zu den Kernaufgaben des Lebens. Mieten ist nur eine Übergangslösung." Allein durch die riesige Völkerwanderung in die Städte bleibe Wohnraum weiterhin knapp.

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insgesamt 55 Beiträge
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mbockstette 11.07.2010
1. So sicher wie der nächste Winter
Zitat von sysopChina boomt, China rettet die Weltwirtschaft. Wirklich? Das Magazin "Das Investment" macht den großen Risiko-Check: Wachstum, Währung, Immobilien, Inflation - so steht es um die Volksrepublik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,702791,00.html
Zitat mbockstette "Daß die Herren der Erde von morgen schlitzäugig und von gelber Hautfarbe sein werden, gehört seit langem zum Vorrat abendländlicher Zukunftserwartungen, deren Beliebtheit nicht zuletzt von dem durch sie ausgelösten angenehmen Gruseln herrührt. Den Japanern werde das 21. Jahrhundert gehören, prophezeite schon Herman Kahn,.........." http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44906413.html In den Sechziger Jahren war es noch die "Amerikanische Herausforderung" von Jean-Jacques Servan-Schreiber, einem Journalisten und Mitgründer der Finanzzeitung Les Échos, welche Europa in wirtschaftliche Angst und Schrecken versetzte. Allein in der Bundesrepublik hielten die Amerikaner 1965 mehr als 1100 Firmen, die zwölf Milliarden Mark umsetzten, mehr als drei Prozent des damaligen Bruttosozialprodukts. Zwei von fünf Autos (Ford und Opel), jede dritte Zigarette, dreißig Prozent des Mineralölmarktes waren amerikanisch. In den Siebziger Jahren war es dann die "Japanische Herausforderung" von Hakan Hedberg, die gleich die ganze Welt überflügeln sollte: "Japan hat den Machtkampf mit den wirtschaftlichen Supermächten der Welt längst aufgenommen und ist jetzt dabei, ihn auch zu gewinnen. und jetzt ist es angeblich laut Herrn Pirkl und Konsorten die "Chinesische Herausforderung" die zukünftig das globale Wirtschaftsgeschehen dominieren wird. Europa wankt, Amerika krankt, Japan lahmt und auch in China werden die Risiken den Chancen noch den Wind aus den Segeln nehmen. Die Bäume wachsen nirgends in den Himmel, auch nicht in China. Die große chinesische Wirtschafts- und Finanzkrise kommt so sicher wie der nächste Winter.
sic tacuisses 11.07.2010
2. Eines scheint mir klar:
Immer dann, wenn die Rede auf die Wirtschaftsmacht China kommt, malt der geneigte, westlich verwurzelte Beobachter haufenweise Damoklesschwerter an die Wand. China ist aber nicht nur auf wirtschaftliche Power zu reduzieren. Wer wird denn die dekadenten, korrupten, kriegstreibenden USA politisch ablösen ? Ein wichtiger Faktor: der chinesische Durchschnittsbürger hat keine / kaum Schulden. Die US-Amerikaner und Europäer zahlen sogar den täglichen Bedarf ihrer Lebensmittel per Kreditkarte, um die Konto- belastung möglichst weit in die Zukunft zu schieben. Die DRITTE WELT werden in spätestens 10 - 20 Jahren wir sein.
gloton7, 11.07.2010
3. Partizipieren oder untergehen
Zitat von sysopChina boomt, China rettet die Weltwirtschaft. Wirklich? Das Magazin "Das Investment" macht den großen Risiko-Check: Wachstum, Währung, Immobilien, Inflation - so steht es um die Volksrepublik. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,702791,00.html
Wohnungen in Shenzen kaufen und vermieten, Grundstücke über Strohmänner kaufen, Kantonesisch und Mandarin lernen und seinen Kindern beibringen, übersiedeln und sein Wissen so lange verkaufen, solange es noch etwas wert ist. Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit! Ein sich früher mal deutsch Fühlender
stanis laus 11.07.2010
4. Daneben gesäuselt
"(...)hagere Mann mit dem angenehmen Bariton (...). Es ist Jim O'Neill, Chefvolkswirt der Geldmacht Goldman Sachs." Aha, der ist also dafür verantwortlich, dass Goldman Sachs die Finanzkrise nicht kommen sah und die Anleger ca. 300 Mrd. USD (?) verloren. Und 10.000 Mitarbeiter die Arbeitsplätze. Trotz angenehmer Baritonstimme. Was wiederum zeigt, dass ein guter Lautsprecher nicht die Musik macht. Denn seine Thesen sind Blödsinn. Weder läuft Chinas Wirtschaft heisst, sondern nur gut geölt, und steigt nun zur Wirtschaftsmacht Nr. 1 der Welt auf. China hat Riesendevisenbestände und die USA längst in der Zange. Abgesichert über weltweite Rohstoffmonopole. Das Land führt eine seriöse Finanzpolitik. Im Gegensatz zu dem fallierenden und verlierenden Westen. Und das mit der Immoblase ist ja wohl eine sehr schwache Blase. Nochmal neu recherchieren und richtig über China und die dortigen Wirtschaftsaussichten und die tatsächliche Menschenrechtssituation berichten. Das wäre Aufgabe eines Nachrichtenmagazins. Statt mit angenehmen Baritonstimmen das zu säuseln, was alle hören wollen: "Wir sind die Grössten, nicht die."
klientel 11.07.2010
5. es gibt noch andere Probleme
Sie haben leider nichts über die kulturellen, ethnischen Probleme und über Umweltprobleme geschrieben.
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