Superreiche in Deutschland Im Club der glücklichen Sprösslinge

Sie denken nicht an die eigenen Kinder, sondern an die Gesellschaft: 40 US-Milliardäre haben versprochen, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden. Von deutschen Superreichen ist Ähnliches nicht bekannt. Warum eigentlich?

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Hamburg - Voller Pathos verkündeten die US-Milliardäre ihre Spendenrevolution: Er wolle "die Welt ein kleines Stückchen besser machen", sagte Michael Bloomberg. Medienmogul Ted Turner dankte seinem Vater und erklärte, er wolle der Gesellschaft etwas zurückgeben. So begründeten die Multimilliardäre ihre Unterstützung der Initiative "The Giving Pledge". Gemeinsam mit 38 weiteren US-Amerikanern haben Bloomberg und Turner sich verpflichtet, mindestens 50 Prozent ihres Vermögens zu spenden. Rund 100 Milliarden Dollar könnten so zusammenkommen.

Bloomberg drückt die Motivation für seine Spende so aus: "Ich möchte das Leben meiner Kinder nicht ruinieren. Sie sollen ihre Ziele haben und dafür kämpfen und nicht einfach sagen, hey, ich bin im Club des glücklichen Spermas und erbe den Erfolg."

Es ist eine spektakuläre Aktion, für die nun weltweit Nachahmer gesucht werden. Die Initiatoren Bill Gates und Warren Buffett wollen zunächst in Asien spendable Mitstreiter finden. Politiker von SPD und Grünen fordern jedoch auch von deutschen Reichen, dem US-Beispiel zu folgen. "Ein gutes Vorbild" sei die Ankündigung der Amerikaner, meint Grünen-Chefin Claudia Roth. "Wer spenden kann, soll das tun", forderte Roth in der "Passauer Neuen Presse".

Doch wie sieht es in Deutschland aus? Ist ein solcher Zusammenschluss von Superreichen auch hierzulande vorstellbar?

Dafür lohnt es, den Ist-Zustand anzuschauen: In der Bundesrepublik gibt es derzeit rund 17.000 Stiftungen mit einem Vermögen von mehr als 100 Milliarden Euro. Dahinter stecken meist auch die reichsten Bürger des Landes. Eine Untersuchung der Universität Heidelberg ergab, dass von den 300 reichsten deutschen Familien mindestens 140 Stiftungen gegründet haben.

Doch der Umgang mit Geld und Spenden ist in Deutschland ein ganz anderer als in den USA: "In Deutschland gibt es eine große Zurückhaltung von Reichen, in der Öffentlichkeit über ihr soziales Engagement zu sprechen", sagt Hermann Falk vom Bundesverband Deutscher Stiftungen. Das liege auch daran, dass Reichtum in Deutschland von vielen als unanständig wahrgenommen werde - ganz anders als in den USA.

Darum sind die Vorbilder deutscher Millionäre die geheimnisvollen Aldi-Gründer Theo und Karl Albrecht - und nicht Gates und Buffett, die ihre Wohltätigkeit mit großem Aufwand vermarkten. Die Albrecht-Brüder dagegen versteckten sich stets vor der Öffentlichkeit. Ob sie mit ihrem Geld auch Gutes getan haben, ist unbekannt. Man kann davon ausgehen, aber sie haben sich nie öffentlich damit gebrüstet.

Es gibt jedoch Ausnahmen: Stiftungsexperte Falk hebt den Versandhändler Michael Otto hervor, dessen Familienvermögen laut manager magazin bei rund 8,1 liegt. Der drittreichste Deutsche sei ein Vorbild, weil er sehr viele kleine, aber profilierte Stiftungen aufgebaut habe. Otto fördert seit 1993 auf der ganzen Welt Naturschutzprojekte mit dem Ziel, die Lebensgrundlage Wasser zu bewahren, mit der "Aid by Trade Foundation" leistet er einen Beitrag, die Armut in Afrika zu bekämpfen. 2008 erhielt der Unternehmer die höchste Auszeichnung im nationalen Spendenwesen, die Goldmedaille des Verbands Deutscher Stiftungen. Im vergangenen Jahr spendete er laut manager magazin 13 Millionen Euro.

Auch Klaus-Michael Kühne, Hauptaktionär der Logistikgruppe Kühne+Nagel, zeigte sich 2009 spendabel und gab 6,7 Millionen Euro - unter anderem für Allergieforschung und ein Hamburger Literaturfestival. Doch das soziale Engagement des Unternehmers muss differenziert betrachtet werden. Schließlich verließ er die Bundesrepublik schon 1969 Richtung Schweiz - aus Angst vor einer angeblich wirtschaftsfeindlichen Politik von SPD-Kanzler Willy Brandt. Kühne zahlt also keine Steuern in Deutschland, obwohl sein Unternehmen 80 Prozent des Umsatzes in der Bundesrepublik macht.

Privilegierte müssen mehr leisten

Generell gibt es in Deutschland eine andere Spendenkultur als in den USA, sagt Thomas Druyen, Vermögensforscher an der Universität Wien. "Auch Reiche sehen die Verantwortung, Schwächeren zu helfen, zunächst beim Staat." Schließlich habe das Sozialsystem lange gut funktioniert. Doch das wird aufgrund des demografischen Wandels nicht so bleiben, fürchtet Druyen. Immer weniger Arbeitnehmer müssen für immer mehr Rentner sorgen, der Staat kann seine Aufgaben schon jetzt nur mit enormer Neuverschuldung stemmen.

Künftig steige damit die Verantwortung der Privilegierten, mehr zu leisten, sagt Druyen. "Das muss nicht nur Geld sein. Das kann auch ein Hochschulprofessor sein, der Migranten kostenlos unterrichtet." Er hält die Buffett-Gates-Initiative daher für vorbildlich. "In Deutschland gibt es zwar 17.000 Stiftungen, sie sind aber noch nicht ausreichend miteinander vernetzt."

Riklef von Schüssler, Geschäftsführer von Feri Family Trust, sagt, in den USA sei vor allem die Neigung ausgeprägter, wohltätiges Engagement zu vermarkten. In Deutschland gelte dagegen das Motto: "Tue Gutes, aber rede besser nicht so viel darüber." Generell sei die Spendenbereitschaft bei den deutschen Multimillionären aber durchaus vorhanden, sagt der Vermögensverwalter.

Er unterscheidet drei Typen wohltätiger Deutscher:

  • So gibt es Menschen, die sich in ihren Stiftungen verwirklichen würden. Dazu zählt etwa SAP-Gründer Dietmar Hopp. Der Milliardär hat seine Stiftung 1995 gegründet, sie zählt zu den größten in Europa und fördert soziale Projekte in der Rhein-Neckar-Region - vor allem Sportvereine, Pflegeheime und medizinische Forschungseinrichtungen. Die Stiftung sammelt keine Spenden, sondern finanziert sich ausschließlich aus den Dividenden der von Hopp gespendeten SAP-Aktien.
  • Dann gibt es Superreiche, die eine Stiftung unter eigenem Namen gründen, sich selbst aber im Hintergrund halten und sich mit einer großen Organisation wie den SOS Kinderdörfern zusammenschließen.
  • Die dritte Gruppe spendet das Geld direkt an eine große Organisation, weil sie kein Interesse an Öffentlichkeit habe.

Deutsche sind also zurückhaltender, über ihre Wohltätigkeit zu sprechen, sie sehen die Verantwortung eher beim Staat - und es gibt noch einen weiteren Unterschied zu den USA: Unabhängig vom Einkommen wollen die Deutschen ihren Kindern möglichst viel vererben. In den USA ist es dagegen öfter üblich, das Vermögen zu spenden oder zu stiften, jede Generation soll sich den Wohlstand neu erarbeiten. "Diese Haltung täte uns auch in Deutschland gut", sagt Hermann Falk vom Verband der Stiftungen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 147 Beiträge
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Seite 1
frubi 06.08.2010
1. .
Zitat von sysopSie denken nicht an die eigenen Kinder, sondern an die Gesellschaft: 40 US-Milliardäre haben versprochen, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden. Von deutschen Supereichen ist Ähnliches nicht bekannt. Warum eigentlich? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,710384,00.html
Ich kann es nicht mehr hören. Niemand fragt sich, mit welchen Methoden diese Menschen an ihr Geld gekommen sind aber man bricht sofort in Jubelgesänge aus sobald die auch nur einen Dollar von ihrem Vermögen spenden. Superreiche geben mir auch immer das Gefühl, dass die nicht nur mehr Geld haben sondern auch andere, nicht unbedingt bezahlbare Vorzüge genießen. Hier geht es dann nicht um Neid sondern um Gleichberechtigung. Geld bedeutet ja auch Verantwortung und jede menge Sorgen. Darauf hätte ich jedenfalls keine Lust. Aber ich finde es z. B. nicht in Ordnung, dass man Zigarettenschmugglern wegen Steuerverbrechen am örtlichen Supermarkt auflauert und die großen Brocken werden oftmals gar nicht angegangen.
davidrohde 06.08.2010
2. Populismus zuerst!
Kaum gibt es ein aktuelles Medienthema, das man sich als Protagonist zu eigen machen kann, da tauchen sie wieder auf… die Populisten, die durch Textbausteine statt durch Wissen beeindrucken wollen! Natürlich ist die Spenden-Initiative von Gates, Buffett & Co. sympathisch, sozusagen das menschliche Gesicht des Kapitalismus. Die „Medien-Trittbrettfahrer“ unter den deutschen Berufspolitikern übersehen in ihrem nachgeplapperten Spendenaufruf aber, dass private Spender in Deutschland mit ca. 26 Mrd. Euro jährlich 0,9 Prozent ihres verfügbaren Einkommens an gemeinnützige Institutionen bzw. für entsprechende Zwecke spenden – im Gegensatz zu den USA! Im Übrigen expandiert das deutsche Stiftungswesen stark. Jeder vierte Bürger ist ehrenamtlich für Andere sozial tätig. Nicht zu unterschätzen ist der Umstand, dass ca. 93 Prozent der Steuern von lediglich 50 Prozent der Bürger geleistet werden. Durch diese Fakten wird Deutschland zu Recht als Wohlfahrtsstaat bezeichnet. Der Auftritt der Populisten zu diesem Thema – im Zusammenhang mit Forderungen zur Vermögenssteuer und zum Spitzensteuersatz – zeigt, dass sie nicht verstehen, worum es wirklich geht. Wer mehr Steuern verlangt, ohne seine eigene Verantwortlichkeit zu hinterfragen, will sich in der Sache nicht ändern! Kosteneinsparungen werden nicht ernsthaft umgesetzt , und der Bundesrechnungshof kritisiert jährlich die Verschwendung öffentlicher Mittel – auch in der Krise – in Milliardenhöhe! Nach wie vor werden zudem Mittel aus der Solidarsteuer nicht zweckbestimmt für Industrieansiedlung, Infrastruktur und Arbeitsplätze in den Neuen Bundesländern verwendet u.v.m. Vom Abbau der Bürokratie-Kosten („Deutsche Sklerose“, Abbau Anzahl Bundesländer) und der Rentengarantie ganz zu schweigen… Trotz vieler Bücher, Studien, Analysen und konkreten Fällen (s.a. Bertelsmann-Studie „Vertrauen“, Buch „Richtungswechsel“ Tipp: http://www.richtungswechsel.info , u.a. zeigen deutsche Politeliten, dass sie nicht bereit oder fähig sind, verantwortlich und nachhaltig ihre Beiträge zur Wohlfahrt zu leisten.
onzapintada 06.08.2010
3. Deutsche Oberschicht grossmannssüchtig und kleinkariert/ Ausnahme z.B. Tom Koenigs
Zitat von sysopSie denken nicht an die eigenen Kinder, sondern an die Gesellschaft: 40 US-Milliardäre haben versprochen, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden. Von deutschen Supereichen ist Ähnliches nicht bekannt. Warum eigentlich? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,710384,00.html
Die deutsche Oberschicht ist im allgemeinen grossmannssüchtig und kleinkariert zugleich, und goennt denen, die ihren Reichtum erwirtschaften, nicht das Schwarze unter dem Nagel. Es gibt aber Ausnahmen: Der Frankfurter Millionenerbe Tom Koenigs schenkte sein Vermoegen dem Vietcong; und das war keine Vermoegensverlagerung in eine eigene gemeine und nicht nuetzliche Stiftung, sondern wirklich eine echte Spende.
pietro-del-cesare 06.08.2010
4. ....
Glaubt irgendjemand ernsthaft, dass diese Typen aus philantropischen Gründen spenden?
saul7 06.08.2010
5.
Zitat von sysopSie denken nicht an die eigenen Kinder, sondern an die Gesellschaft: 40 US-Milliardäre haben versprochen, die Hälfte ihres Vermögens zu spenden. Von deutschen Supereichen ist Ähnliches nicht bekannt. Warum eigentlich? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,710384,00.html
Wieso? Es gibt doch auch in D viele Millionäre, die in Talkshows und Zeitungsbeiträgen für eine Vermögensabgabe eintreten. Die Vermögensteuer wird nicht lange auf sich warten lassen. Die Politiker werden dem Druck recht bald erliegen...
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