Schätzung der Weltbank Syrienkrieg kostet 320.000 Menschenleben - und 226 Milliarden Dollar

Die Folgen des Syrienkriegs schlagen sich nicht nur in Opferzahlen, sondern auch wirtschaftlich nieder: Jedes vierte Haus liegt in Trümmern, neun Millionen Syrer haben weder einen Job noch Chancen auf eine Ausbildung.

Zerstörtes Aleppo
AP

Zerstörtes Aleppo


Jeden Tag kommen Menschen in Syrien ums Leben, durch Gefechte oder als Folge der vielerorts katastrophalen humanitären Lage. Die Zahl der Toten ist seit dem Ausbruch des Konflikts auf mehr als 320.000 gestiegen - und ein Ende ist auch im siebten Jahr des Bürgerkriegs nicht in Sicht.

Die Weltbank hat nun den Versuch unternommen, auch die Schäden an Infrastruktur und Wirtschaft zu beziffern. Die Summe, die sie errechnet haben, beläuft sich auf 226 Milliarden Dollar, umgerechnet 198 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 - dem letzten Jahr mit halbwegs verlässlichen Daten - betrug Syriens Wirtschaftsleistung insgesamt gerade einmal 65 Milliarden Dollar.

"Der Krieg in Syrien zerreißt die soziale und wirtschaftliche Struktur des Landes", so Hafez Ghanem, Vizepräsident der Weltbank und zuständig für die Regionen Naher Osten und Nordafrika. Der Verlust von Menschenleben sei verheerend, doch der Krieg zerstöre auch die "Institutionen und Systeme", ohne die eine Gesellschaft nicht funktionieren könne.

Hälfte der Bildungseinrichtungen und der medizinischen Infrastruktur zerstört

Mehr als ein Viertel der Häuser in Syrien seien zerstört worden, etwa die Hälfte der Bildungseinrichtungen sowie der medizinischen Infrastruktur. Laut den Schätzungen der Weltbank starben im syrischen Bürgerkrieg mehr Menschen aufgrund der mangelhaften Gesundheitsversorgung als durch direkte Kampfhandlungen.

Der Studie zufolge gingen in Syrien zwischen 2010 und 2015 schätzungsweise jedes Jahr 538.000 Arbeitsplätze verloren. Neun Millionen Menschen und damit mehr als drei Viertel der Syrer im arbeitsfähigen Alter haben demnach weder einen Job noch absolvieren sie derzeit eine Schul- oder Berufsausbildung. "Die langfristigen Folgen dieser Untätigkeit wird ein kollektiver Verlust des Humankapitals sein, der zu einem Mangel an Qualifikation in Syrien führen wird", hieß es in dem Weltbank-Bericht.

Die Untersuchung beruht auf der Auswertung von Satellitenaufnahmen und Berechnungen auf Grundlage eines wissenschaftlichen Modells. Die Wirtschaft des Landes wird sich nach Einschätzung der Weltbank auch nach dem Ende des Bürgerkriegs nur langsam erholen. Sollte der Konflikt noch in diesem Jahr beendet werden, könnte die Wirtschaftsleistung in Syrien nach Einschätzung der Weltbank binnen vier Jahren 41 Prozent des Vorkriegsniveaus erreichen. Mit fortschreitender Kriegsdauer verschlechtere sich die Prognose jedoch.

beb/afp



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