Szenario Euro-Crash Finanzexperten fürchten den D-Mark-Alptraum

In Europa macht ein Schreckensszenario die Runde: Bricht die Euro-Union auseinander? Kehren die Länder bald zu D-Mark, Franc und Lira zurück? Die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering, trotzdem sind Experten alarmiert. Ein Comeback der nationalen Währungen wäre fatal - vor allem für Deutschland.

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D-Mark-Münze: Rückkehr zu den alten Zeiten?
dpa

D-Mark-Münze: Rückkehr zu den alten Zeiten?


Hamburg - Eigentlich gibt es sie ja noch. Die D-Mark. Sogar in Massen. Auch fast neun Jahre nach der Einführung des Euro existieren 13 Milliarden Mark - in Verstecken, Sammlungen oder Omas Sparstrumpf. Und schenkt man Umfragen Glauben, dann wünscht sich fast die Hälfte der Bundesbürger die Mark als offizielles Zahlungsmittel zurück. So haben zum Beispiel die Meinungsforscher der EU-Behörde Eurobarometer festgestellt: "Die D-Mark war für viele Deutsche das Symbol für wirtschaftliche Sicherheit, Solidität und Prosperität."

Merkmale, die Euro-Skeptiker wohl nie mit der Gemeinschaftswährung verbinden werden.

Und ist es nicht wirklich so? Hat sich Europas Finanzkrise in den vergangenen Wochen nicht dramatisch verschärft? Nach Griechenland mussten auch die Iren unter den 750 Milliarden Euro schweren Rettungsschirm schlüpfen, der ein Auseinanderbrechen der Währungsunion verhindern soll. Und schon könnten weitere Pleitekandidaten folgen. Portugal zum Beispiel, zumindest spekulieren die Finanzmärkte darauf. Im schlimmsten Fall trifft es sogar Spanien - mit dem Euro in seiner bisherigen Form wäre es dann wohl vorbei.

Doch was würde bei einem Euro-Crash eigentlich passieren? Würden in Deutschland tatsächlich die guten, alten D-Mark-Zeiten zurückkehren? Oder drohen Chaos und wirtschaftliche Depression?

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Fotostrecke: Wo die Gefahren für den Euro liegen
Konkret gibt es zwei mögliche Szenarien, sagt Daniela Schwarzer, Europa-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik.

  • Variante eins: Deutschland und andere stabile Staaten wie etwa Österreich und die Niederlande führen gemeinsam einen "Hartwährungs-Euro" ein. Eine ähnliche Idee brachte Ex-Industrieboss Hans-Olaf Henkel bei ZDF-Talkerin Maybrit Illner ins Gespräch. Man müsse zwei Euro-Blöcke schaffen, forderte er: einen nördlichen, "der keine Inflation will und an Haushaltsdisziplin gewöhnt ist", sowie einen südlichen, der seine Währung gerne abwerten dürfe, wenn er es denn unbedingt wolle.
  • Variante zwei: Deutschland kehrt tatsächlich zur D-Mark zurück. Es gäbe in Europa keinen gemeinsamen Währungsraum mehr, jedes Land könnte seine Geldpolitik wieder selbst bestimmen.

Aber wäre das wirklich wünschenswert? Immerhin hat der Euro den Deutschen jede Menge Vorteile gebracht. Lohnt es sich da nicht, auch in schwierigen Zeiten für ihn zu kämpfen? Ein Crash der Gemeinschaftswährung hätte dramatische Folgen. Ein Blick auf die möglichen Konsequenzen:

Forum - Finanzkrise - reichen die Maßnahmen zur Stützung des Euro aus?
insgesamt 1446 Beiträge
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Seite 1
Hartwig, 27.11.2010
1.
Zitat von sysopNach den Wirtschaftsproblemen in Griechenland folgt die irische Krise, und auch Portugal und Spanien scheinen demnächst finanzielle Hilfe zu benötigen. Alles das drückt auf die Stabilität des Euro. Reichen die Maßnahmen zu seiner Stützung aus?
Man stellt Geld / Rettungsschirm /Finanzielle Hilfe in Aussicht wenn es wackelig wird. Natürlich holt man sich das Geld ab , wie blöd war die Idee denn auch. Pleitestaaten stützen sich gegenseitig? Die EU kann froh sein, das nicht noch Schäuble annmahnt , wir haben da auch noch so eine Schuldenlast von 1,6 Billionen.
Troll'O'Matic 27.11.2010
2.
Zitat von sysopNach den Wirtschaftsproblemen in Griechenland folgt die irische Krise, und auch Portugal und Spanien scheinen demnächst finanzielle Hilfe zu benötigen. Alles das drückt auf die Stabilität des Euro. Reichen die Maßnahmen zu seiner Stützung aus?
Offensichtlich ja, denn von Hungersnöten und einem Zusammenbruch des gesellschaftlichen Lebens in Griechenland ist nichts berichtet worden. Das Leben geht weiter, auch wenn Staaten bis zur Halskrause verschuldet sind. So wird es auch in Irland, Portugal, Spanien und Italien sein.
kdshp 27.11.2010
3.
27.11.2010 Berlin (dpa) - Außenminister Guido Westerwelle hat die irische Steuersenkungs- und Liberalisierungspolitik angesichts der jetzigen Finanzkrise des Landes verteidigt. Dass Irland seine Probleme nicht aus eigener Kraft lösen könne, sei kein Zeichen, dass liberale Träume geplatzt seien. «Im Gegenteil», sagte der FDP-Chef der «Süddeutschen Zeitung» (Samstag). «Es ist ein Zeichen, wie notwendig es ist, die liberalen Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft zu verfolgen.» http://www.europeonline-magazine.eu/...ume_97288.html Hallo, und wenn die liberalen alles vor die wand fahren würde herr westerwelle das wohl noch als richtig bezeichnen. Dümmer gehts nimmer!
cosifantutte 27.11.2010
4. Weicheuro
Für die Wackelkandidaten sollte ein Weicheuro "Weuro" eingeführt werden, welcher erst mal abgewertet wird. Muß natürlich mit Schuldenerlass für diese Staaten einhergehen (können die sowieso nie mehr zurückzahlen). Der Weuro kann dann in der Euro/Weuro-Relation jeweils abgewertet werden, wie es der Wirtschaftsleistung dieser Staaten entspricht. Unser Urlaub in Griechenland etc. würde dann wieder sehr günstig werden, ebenso in Portugal und Spanien und Irland. cosifantutte.
Troll'O'Matic 27.11.2010
5.
Zitat von cosifantutteFür die Wackelkandidaten sollte ein Weicheuro "Weuro" eingeführt werden, welcher erst mal abgewertet wird. Muß natürlich mit Schuldenerlass für diese Staaten einhergehen (können die sowieso nie mehr zurückzahlen). Der Weuro kann dann in der Euro/Weuro-Relation jeweils abgewertet werden, wie es der Wirtschaftsleistung dieser Staaten entspricht. Unser Urlaub in Griechenland etc. würde dann wieder sehr günstig werden, ebenso in Portugal und Spanien und Irland. cosifantutte.
Da zeigt der Michel sein wahres Gesicht! Ein freies Europa mit gleichartigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für alle EU-Bürger ist ihm völlig piepegal. Hauptsache, er kann sich für umgerechnet 1€/Flasche Bier am Strand die Birne zusaufen.
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