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Target2-System: Weidmann warnt Draghi vor Bilanzrisiken

Die milliardenschweren Forderungen im Euro-System beschäftigen Ökonomen schon länger. Jetzt schaltet sich Bundesbank-Chef Jens Weidmann in die Debatte ein. In einem Brief an EZB-Präsident Mario Draghi fordert er eine Besicherung der Risiken.

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Bundesbank-Chef Jens Weidmann: Rückkehr zu den alten Sicherheitsregeln gefordert

Hamburg - Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sieht es als "Falle", der Wirtschaftsweise Peter Bofinger spricht dagegen von einer "Jammer-Diskussion". Sicher ist: Target2, das Zahlungssystem der europäischen Notenbanken, spaltet die Gemüter.

Nun greift auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann in die Debatte über milliardenschwere Forderungen im Euro-System ein. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") hat er EZB-Präsidenten Mario Draghi vor den wachsenden Risiken innerhalb von Target2 gewarnt. Weidmann schlage eine Rückkehr zu den Sicherheitsregeln vor, die vor Beginn der Finanzkrise gegolten hätten.

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In einem vor einigen Tagen verschickten Brief nehme Weidmann ausdrücklich auf die wachsenden Forderungen innerhalb von Target2 Bezug. Er schlage eine Besicherung dieser Forderungen der EZB gegenüber den finanzschwachen Notenbanken des Euro-Systems vor, die einen Wert von mehr als 800 Milliarden Euro erreicht hätten.

Weidmann warnt dem Bericht zufolge in dem Schreiben an Draghi vor einem Reputationsverlust und regt eine Debatte über die Risiken an. Sollte ein Teil der Forderungen ausfallen, könnten die Notenbanken des Euro-Systems die Verluste eventuell nicht tragen und die Euro-Staaten würden sie möglicherweise nicht ausgleichen, schreibt Weidmann der Zeitung zufolge. Die Bundesbank wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

dab/Reuters

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1. Das Überdruckventil hat man...
wieauchimmer... 01.03.2012
also bei diesem Dampfkessel TARGET2 einfach mal weggelassen im Vertrauen darauf, daß sich die Salden schon irgendwie von selbst nivellieren. Wie blöde kann man eigentlich sein ? Und erst jetzt machen sich die Vertreter unserer Interessen Gedanken einer Besicherung ? Wer künftig das Unwort des Jahres "Exportweltmeister" in den Mund nimmt, als ob es im Verschenken des eigenen Besitzes einen internationalen Wettbewerb gäbe, sollte gehörig mit dem Klammerbeutel gepudert werden ! Nachhaltig kann auf Dauer nur eine ausgeglichene Außenhandelsbilanz sein, alles andere führt zu ungesunden Verwerfungen
2. Jammer- Diskussion?
Lipper 01.03.2012
Zitat von sysopREUTERSDie milliardenschweren Forderungen im Euro-System beschäftigen Ökonomen schon länger. Jetzt schaltet sich Bundesbank-Chef Jens Weidmann in die Debatte ein. In einem Brief an EZB-Präsident Mario Draghi fordert er eine Besicherung der Risiken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,818536,00.html
Ich bin gespannt, ob Herr Bofinger bei seiner Schelte an Herrn Sinns Warnungen angesichts dieses Briefes des Bundesbankpräsidenten bleibt. Oder wirft er Herrn Weidmann ebenfalls unwissenschaftliche Argumente vor?
3.
E.Cartman 01.03.2012
Zitat von wieauchimmer...also bei diesem Dampfkessel TARGET2 einfach mal weggelassen im Vertrauen darauf, daß sich die Salden schon irgendwie von selbst nivellieren. Wie blöde kann man eigentlich sein ? Und erst jetzt machen sich die Vertreter unserer Interessen Gedanken einer Besicherung ? Wer künftig das Unwort des Jahres "Exportweltmeister" in den Mund nimmt, als ob es im Verschenken des eigenen Besitzes einen internationalen Wettbewerb gäbe, sollte gehörig mit dem Klammerbeutel gepudert werden ! Nachhaltig kann auf Dauer nur eine ausgeglichene Außenhandelsbilanz sein, alles andere führt zu ungesunden Verwerfungen
Naja, Herr Weidmann hatte wohl das Gefühl, jetzt auch mal was zum Thema sagen zu müssen. Ich weiß nicht wirklich, womit er das großartig "besichern" will, ohne dass die Schuldner sofort den Bankrott erklären müssen. Und außer die Forderungen durch Inflation oder Defaults zu verkleinern gibt es eigentlich keine Druckventile, und irgendwo bei den Überschussstaaten müssen die nunmal zwangsläufig stecken. Besser lässt es sich kaum ausdrücken.
4. ..
rgiraud 01.03.2012
Zitat von wieauchimmer...also bei diesem Dampfkessel TARGET2 einfach mal weggelassen im Vertrauen darauf, daß sich die Salden schon irgendwie von selbst nivellieren. Wie blöde kann man eigentlich sein ? Und erst jetzt machen sich die Vertreter unserer Interessen Gedanken einer Besicherung ? Wer künftig das Unwort des Jahres "Exportweltmeister" in den Mund nimmt, als ob es im Verschenken des eigenen Besitzes einen internationalen Wettbewerb gäbe, sollte gehörig mit dem Klammerbeutel gepudert werden ! Nachhaltig kann auf Dauer nur eine ausgeglichene Außenhandelsbilanz sein, alles andere führt zu ungesunden Verwerfungen
Wenn für den Außenhandelsüberschuss konkrete Werte in anderen Ländern erworben werden (Immobilien, Land, Firmen, Anteilscheine, und andere möglichst produktive Sachwerte) ist dies überhaupt nicht "ungesund". Ganz im Gegenteil. Wenn dem aber nur irgendwelche Luftbuchungen à la Target2 gegenüberstehen, wird dies früher oder später zu einem bösen Erwachen führen.
5.
E.Cartman 01.03.2012
Zitat von LipperIch bin gespannt, ob Herr Bofinger bei seiner Schelte an Herrn Sinns Warnungen angesichts dieses Briefes des Bundesbankpräsidenten bleibt. Oder wirft er Herrn Weidmann ebenfalls unwissenschaftliche Argumente vor?
Eher die Frage, ob Herr Weidmann eine Notenbank oder eine Sparkasse leitet.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.

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