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Tarifrunde: Metaller wollen 5,5 Prozent mehr Lohn

Deutlich mehr Geld und bessere Teilzeitmöglichkeiten - trotz Konjunktureintrübung: Mit diesen Forderungen zieht die IG Metall in die kommende Tarifrunde.

IG-Metall-Chef Wetzel: Verhandlungen ab Januar Zur Großansicht
DPA

IG-Metall-Chef Wetzel: Verhandlungen ab Januar

Frankfurt am Main - Die Arbeitgeber der Metall- und Elektroindustrie müssen sich auf harte Verhandlungen einstellen. Die IG Metall wird voraussichtlich mit einer Forderung nach 5,5 Prozent mehr Geld in die Tarifgespräche gehen. Dafür hat sich der Vorstand der größten deutschen Gewerkschaft ausgesprochen. Zusätzlich sollen bessere Bedingungen für die Altersteilzeit durchgesetzt werden. Auch über eine Bildungsteilzeit wollen die Gewerkschafter verhandeln.

Diese Forderungen empfiehlt die Führung der IG-Metall ihren regionalen Tarifkommissionen. Der endgültige Beschluss darüber soll am 27. November im IG-Metall-Vorstand fallen. Zuvor beraten noch die Gewerkschaftsbezirke.

Die aktuellen Tarifverträge laufen Ende Dezember aus - die Friedenspflicht endet am 28. Januar. Die Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite sollen im Januar starten.

Die wirtschaftliche Lage der Betriebe sei stabil, begründete IG-Metall-Vorsitzender Detlef Wetzel die Forderung für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten. "Für konjunkturelle Untergangsszenarien besteht kein Anlass", sagte er. Der neue Tarifvertrag solle eine Laufzeit von zwölf Monaten haben.

Die Gewerkschaft sieht sich durch das Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsinstitute bestätigt, die für dieses Jahr ein Wachstum von 1,3 Prozent und für 2015 von 1,2 Prozent vorhersagen. Auch die Bundesbank habe sich für höhere Lohnaufschläge ausgesprochen, um die Binnennachfrage anzukurbeln, sagte Wetzel.

Einige Volkswirte haben die sich abzeichnende Lohnforderung bereits als zu hoch bezeichnet. Commerzbank-Ökonom Eckart Tuchtfeld prognostizierte, dass ein Tarifabschluss am Ende bei drei Prozent liegen werde.

Branche mit 3,7 Millionen Beschäftigten

Die Metall- und Elektroindustrie ist der mit Abstand größte Industriezweig Deutschlands. Dazu zählen die Sparten Auto, Maschinenbau, Elektrotechnik und Metallverarbeitung. Rund 3,7 Millionen Menschen erwirtschafteten 2013 in knapp 24.000 Betrieben einen Jahresumsatz von rund 999 Milliarden Euro.

Zur Branche gehören viele mittelständische Firmen aus dem Maschinenbau, aber auch der Elektrokonzern Siemens sowie große Autobauer wie Daimler und Volkswagen und ihre Zulieferer.

Das Jahresbruttoeinkommen der Beschäftigten beträgt im Schnitt rund 50.000 Euro. Fast immer sind die Arbeitsverhältnisse laut Arbeitgeberverband unbefristet (95,5 Prozent) und Vollzeit (93,3 Prozent). 17 Prozent der Beschäftigten sind akademisch ausgebildet und weitere 60 Prozent ausgebildete Fachkräfte. Nur noch rund ein Fünftel ist angelernt. Dieser Anteil wird weiter schrumpfen, erwarten IG Metall und Arbeitgeber.

Chemie-Gewerkschaft will bis zu fünf Prozent mehr

Auch in der Chemieindustrie stehen Tarifverhandlungen an. Die Gewerkschaft IG BCE geht mit einer Lohnforderung von vier bis fünf Prozent für die rund 550.000 Beschäftigte in die kommende Tarifrunde. Die Chemiebranche mit Größen wie BASF, Bayer und Merck ist nach Auto- und Maschinenbau Deutschlands drittgrößter Industriezweig. Am 22. Januar soll die Chemie-Forderung endgültig beschlossen werden, Ende Januar sollen dann die Verhandlungen auf regionaler Ebene starten.

mmq/dpa/Reuters

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Die IG Metall
chagall1985 11.11.2014
sollte sich mal lieber um die 10.000 Tausenden Leiharbeiter kümmern als um den doppelt so gut bezahlten Rest!
2. jaja....
johnnypistolero 11.11.2014
dann muss spon noch nachtreten und was von konjunktureintrübung reden, überall werden satte gewinne eingefahren, wie die tarifverhandlungen aussehen werden weiss ich jetzt schon, 2,5% €200 einmalzahlung und irgendwo ein schwarzer koffer für einen gewerkschaftsboss
3. 5,5% mehr Lohn finde ich gut
taliesinwest 11.11.2014
...da freuen sich auch die Sozialkassen und der Finanzminister via kalte Progression...ha,ha,ha !
4. deutlich mehr?
D'r_Nubbel 11.11.2014
Hm, 5,5% als Forderung, bei der dann mit Glück 3% auf den doppelten Zeitraum verteilt rauskoemmen werden - ist das deutlich mehr? Oder enttarne ich mich etwa als gierig? Das steht ja Arbeitnehmern nicht zu.
5. Moderat
KingTut 11.11.2014
Ich halte diese Forderungen für moderat, womit sich die seit Kriegsende geübte Praxis fortsetzt, die man mit den Begriffen Augenmaß und Verantwortung beschreibt. Man wird sich wohl irgendwo in der Mitte treffen. Ich schätze mal, dass um die 3 % heruaskommen werden. Das können die betroffenen Firmen verkraften und ihre Erfolgsstory zu unser aller Wohl fortsetzen.
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Die Gewerkschaft IG Metall
Die Organisation
Mit rund 2,3 Millionen Mitgliedern ist die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) die größte deutsche Gewerkschaft vor Ver.di (2,1 Millionen).
Der Vorsitzende
Detlef Wetzel ist seit dem 25. November 2013 Erster Vorsitzender der IG Metall.
Zweiter Vorsitzender ist Jörg Hofmann.

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Mächtige Standesvertreter: Diese Berufsgewerkschaften setzen Arbeitgebern zu
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Mindestlöhne in der EU
Land Mindestlohn in Euro pro Stunde zuletzt geändert
Luxemburg 11,1 01.10.2013
Frankreich 9,43 01.01.2013
Belgien 9,10 01.12.2012
Niederlande 9,07 01.07.2013
Irland 8,65 01.07.2011
Großbritannien 7,78 01.10.2013
Slowenien 4,53 01.01.2013
Malta 4,06 01.01.2013
Spanien 3,91 01.01.2013
Griechenland 3,35 01.03.2012
Portugal 2,92 01.01.2011
Kroatien 2,29 01.06.2013
Polen 2,21 01.01.2013
Tschechien 2,01 01.08.2013
Ungarn 1,97 01.01.2013
Slowakei 1,94 01.01.2013
Estland 1,90 01.01.2013
Litauen 1,76 01.01.2013
Lettland 1,71 01.01.2011
Rumänien 1,06 01.07.2013
Bulgarien 0,95 01.01.2012
Quelle: WSI (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut)
Stand Oktober 2013
Der Deutsche Gewerkschaftsbund
Die Dachorganisation
Der 1949 gegründete Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist Dachverband von heute acht Einzelgewerkschaften mit rund 6,2 Millionen Mitgliedern. Vorsitzender ist Reiner Hoffmann.

Der DGB versteht sich als politisches Sprachrohr der Mitgliedsverbände. Das Sagen haben die Großgewerkschaften IG Metall und Ver.di, auf die zusammen gut 70 Prozent der DGB-Mitglieder entfallen. Weitere Gewerkschaften sind die IG Bau, IG Chemie, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft,Polizeigewerkschaft, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und Transnet.


Obwohl sich die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder seit 1991 fast halbiert hat, ist ihre Zahl um ein Vielfaches größer als bei den politischen Parteien.
Der Bundeskongress
Der DGB-Bundeskongress findet alle vier Jahre statt. Er ist das höchste Beschlussorgan und legt die Richtlinien der Gewerkschaftspolitik fest.


Die Delegierten werden von den DGB-Gewerkschaften gemäß ihrer Stärke entsandt: IG Metall und Ver.di stellen demnach die meisten Delegierten, die Polizeigewerkschaft die wenigsten. dpa


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