Gute Finanzlage Techniker Krankenkasse zahlt Mitgliedern Geld zurück

Rund 5,9 Millionen Beitragszahler können sich auf unerwartetes Geld freuen: Die Techniker Krankenkasse will ihnen für dieses Jahr eine Prämie auszahlen, diese soll mindestens 100 Euro betragen. Grund für die Pläne sind die hohen Rücklagen bei den gesetzlichen Kassen.

Zentrale der Techniker Krankenkasse in Hamburg: Mindestens 100 Euro Jahresprämie
AP

Zentrale der Techniker Krankenkasse in Hamburg: Mindestens 100 Euro Jahresprämie


Hamburg/Berlin - Die zweitgrößte Krankenkasse Deutschlands will einen Teil ihres großen Finanzpolstern an ihre Mitglieder ausschütten. Die fast sechs Millionen Beitragszahler der Techniker Krankenkasse (TK) sollen eine Prämie erhalten, bestätigte ein Sprecher entsprechende Pläne. Politiker der Koalition lobten die Entscheidung, scharfe Kritik kommt unter anderem von der AOK.

Wie hoch die Jahresprämie ausfallen wird, konnte der TK-Sprecher noch nicht beziffern. Auch wer in den Genuss der Prämie komme, werde noch entschieden. Nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) soll die Jahresprämie mindestens 100 Euro betragen. Die Ausschüttung muss allerdings versteuert werden.

Die hohen Finanzpolster der Krankenkassen hatten vor kurzem zu politischen Streit geführt. Anfang September hatte das Bundesgesundheitsministerium mitgeteilt, in es seien Reserven von rund 22 Milliarden Euro aufgelaufen. Minister Bahr hatte gerade die besonders gut ausgestatteten Kassen aufgefordert, Geld an ihre Versicherten zurückzuzahlen. Das Bundesversicherungsamt (BVA) hatte bereits im Frühjahr unter anderem auch die Techniker Krankenkasse aufgefordert, die Möglichkeit von Prämienzahlungen zu prüfen.

Die TK legte denn auch Wert auf die Feststellung, sie reagiere nicht auf politischen Druck. Eine Prämienzahlung sei ein gesetzlich vorgesehener Weg, die Rücklagen seien bis zur gesetzlich zulässigen Höchstgrenze aufgefüllt. Bisher hatte sich bereits gut ein Dutzend kleinerer Kassen zu Ausschüttungen entschlossen.

Bahr forderte andere Kassen auf, deren Beispiel zu folgen. Er sieht die Wettbewerber in Zugzwang: "Ich gehe davon aus, dass in den Vorstandsetagen auch anderer Krankenkassen jetzt der Druck größer wird, zu rechtfertigen, warum so viel Geld auf den Konten ist." Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn sprach von einem "mutigen Schritt" der TK. Dies sei "ein gutes Zeichen für den Wettbewerb im Gesundheitswesen". Die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Biggi Bender, forderte hingegen statt Prämienausschüttungen, die Beitragssatzautonomie der Kassen wiederherzustellen.

Der AOK Bundesverband übte scharfe Kritik an dem Plan. "Wenige Kassen setzen nun offensichtlich auf eine Geiz-ist-geil-Mentalität, die von der Mehrheit der Versicherten abgelehnt wird", meinte Vorstandschef Jürgen Graalmann. Die AOK-Versicherten sollen keine Rückzahlungen erhalten. Kritische Töne kamen auch vom Branchenführer Barmer GEK, der kürzlich stattdessen ein individuelles Gesundheitskonto für Prävention und Zusatzleistungen beschlossen hatte.

fdi/dpa



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