Teilverstaatlichung IW-Chef Hüther will Banken Staatsgeld aufdrängen

Es geht darum, einen Finanzschock zu verhindern: Weil die Märkte nicht zur Ruhe kommen, fordert der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Zwangshilfen für europäische Banken. Selbst die Deutsche Bank müsste Staatsgeld annehmen.

Bankentürme in Frankfurt am Main: Zwangshilfen für deutsche Banken
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Bankentürme in Frankfurt am Main: Zwangshilfen für deutsche Banken


Köln - Michael Hüther ist Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und eigentlich kein Freund von Verstaatlichungen. Die andauernden Turbulenzen an den Finanzmärkten erforderten aber drastische Maßnahmen, sagte Hüther der "Süddeutschen Zeitung": "Wir müssen alle systemrelevanten Banken in Europa dazu verpflichten, Staatsgeld gegen eine Staatsbeteiligung anzunehmen", fordert Hüther; die Kreditklemme sei bereits da, deshalb dränge die Zeit.

Mit einer Teilverstaatlichung auf Zeit würde man mögliche Zusammenbrüche schon vorher verhindern und für Ruhe und Vertrauen sorgen. Internationale Institute misstrauten europäischen Banken wegen der immer neuen schlechten Nachrichten, beklagte der Wirtschaftswissenschaftler. Auch die europäischen Banken misstrauten sich untereinander und verliehen sich kaum noch Geld. "Die Kreditklemme ist da - diesmal nicht für die Unternehmen, sondern für Finanzinstitute."

Zwar seien deutsche Institute nicht direkt gefährdet. Doch auch sie seien "verloren, wenn das europäische Bankensystem implodiert". Deshalb müssten auch die Deutsche Bank und die Commerzbank wenigstens zeitweise mit mehr Staatsgeld ausgestattet werden.

Ein Schock im Finanzsystem könne eine gefährliche Kettenreaktion auslösen wie 2008 die Pleite der US-Bank Lehman Brothers, sagte Hüther der "SZ". Damals begann eine Angstwelle an den Kapitalmärkten, Banken liehen sich kein Geld mehr, die Aktienmärkte brachen ein und die Konjunktur stoppte. "Das könnte sich im schlimmsten Fall wiederholen", befürchtete Hüther.

nck/Reuters/dpa



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insgesamt 5 Beiträge
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tollted 17.01.2012
1.
Aha, wenn also Staaten zu Aktionären von Banken werden wächst das Vertrauen in diese Geldinstitute wieder und man leiht sich gegenseitig wieder Geld. Klingt wenig überzeugend.
flower power 17.01.2012
2. hurra , hurra - der Stamokap ist wieder da
Zitat von sysopEs geht darum, einen Finanzschock zu verhindern: Weil die Märkte nicht zur Ruhe kommen, fordert der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Zwangshilfen für europäische Banken. Selbst die Deutsche Bank müsste Staatsgeld annehmen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809500,00.html
denn er ist die einzig richtige Möglichkeit eine gesunde Wirtschaft zu haben. Abzockerei von Energieunternehmen, von Banken, von Versicherungen, von lebensnotwendigen Infra-Struktur-Unternehmen gehören halt wirklich nicht in kapitalistische Privathand. Nein - ich bin kein Kommunist - doch die Wirtschaft. auch die KUMU - müssen besser unterstützt werden. Das kann eben nur geschehen, wenn eine offene Betrachtungsweise zugegen ist, und nicht den Kapitalprodukten die Macht gebetet wird. Halbseidene Banker sind dann out, und können sich nicht mehr auf ihre billige Verweigerungsmacht berufen. Dafür werden aber wieder mehr Prod. in DE hergestellt. Es würde aufwärts gehen. Statt Abzocke sollten vernünftige Pläne und Hilfestellungen zur Steigerung des BSP greifen. Warum kapieren das die Banker nicht, sind die zu dumm?
robert.haube 17.01.2012
3. Verstaatlichung: Ganz oder gar nicht !
Wieso nur zeitweise verstaatlichen, Herr Hüther ? Wenn die Gewinne wieder sprudeln, sollen nach den Vorstellungen dieses Banken-Lobbyisten wieder allein Private profitieren. Die Bad Banks, von denen keiner mehr spricht, verbleiben aber weiterhin beim Steuerzahler und belasten diesen die nächsten 30 Jahre. Kapitalismus pervers.
ausländer33 17.01.2012
4. Herr Hüther...
Zitat von sysopEs geht darum, einen Finanzschock zu verhindern: Weil die Märkte nicht zur Ruhe kommen, fordert der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Zwangshilfen für europäische Banken. Selbst die Deutsche Bank müsste Staatsgeld annehmen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809500,00.html
verklausulieren Sie so? Hätte Sie doch einfach gesagt: Gewinne privatisieren Verluste sozialisiern Dann hätte es auch der einfache Bürger SOFORT verstanden. Es wäre aber sicher keine einzige Zeile im SPON darüber erschienen, das es Sie überhaupt gibt.
systemmirror 18.01.2012
5. Mit über
Zitat von sysopEs geht darum, einen Finanzschock zu verhindern: Weil die Märkte nicht zur Ruhe kommen, fordert der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Zwangshilfen für europäische Banken. Selbst die Deutsche Bank müsste Staatsgeld annehmen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,809500,00.html
500 Milliarden geparkten Euro ist die Kreditklemme da ? Klar. Die 500 Milliarden sind ja auch nicht geparkt, daß sind die 500 Milliarden die die EZB im vergangenen Jahr den Banken geliehen hat und die zurückgezahlt werden müssen, damit man wenigstens von der EZB wieder Kredite bekommt. In diesem Zusammenhang sollte ein Talk-Schwätzer wie Hüther allerdings besser endlich mal die Worte. "Die Banken sind Pleite" in den Mund nehmen. Die letzte Hürde vor einem Run ist nämlich die Tatsache, daß die Banken das Geld ihrer Kunden veruntreut haben und nicht mehr zahlungsfähig wären, auch wenn Merkel etwas anderes blabbert. Im Investment Banking geht doch deshalb nichts mehr, weil nur noch mit den alten Luftblasen und wertlosen Dollars gehandelt wird, die keiner mehr will. Also geht man wieder her und nimmt den Privatkunden als Kreditgeber für das eigene Geld. Man verschuldet sich also mal wieder, um mit Schulden andere Schulden abzubauen um gleichzeitig von den Staaten zu verlangen, daß sie ihre Haushalte in Ordnung bringen mögen. Es gibt keine systemrelevanten Banken mehr. Pleite ist pleite. Wenn es nicht mehr funktioniert, werden eben die Credit Karten weggeworfen und alles bar bezahlt. Dazu braucht man kriminelle Vereinigungen nicht.
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