"Teilweise zahlungsunfähig": S&P stuft Griechenland erneut herab

Das nächste Rettungspaket ist bewilligt, auch der deutsche Bundestag hat zugestimmt. Jetzt hat die Rating-Agentur Standard & Poor's wie angekündigt die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf das Niveau eines "teilweisen Zahlungsausfalls" herabgestuft - Grund ist der ausgehandelte Schuldenschnitt.

Sokrates in Athen: Kreditwürdigkeit auf niedrigstem Niveau Zur Großansicht
REUTERS

Sokrates in Athen: Kreditwürdigkeit auf niedrigstem Niveau

London - Noch weiter abwärts kann es kaum noch gehen: Die Ratingagentur Standard & Poor's senkt erneut die Kreditwürdigkeit Griechenlands. Sie stufte am späten Montag wie bereits angedroht die mangelhafte Note "CC" auf ein "Selective Default" (SD) herab - also einen teilweisen Zahlungsausfall.

Grund für die weitere Herabstufung sei der eingeleitete Schuldenschnitt und damit die Entscheidung der Banken, Griechenland die Hälfte der Schulden zu erlassen. Mit der Umschuldung über einen Anleihetausch sollen Banken, Versicherungen und Hedgefonds an der Rettung Griechenlands beteiligt werden. Privatgläubiger sollen auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen verzichten und neue Rückzahlungsbedingungen hinnehmen, die die Abschläge auf ihre Investitionen auf bis zu 74 Prozent erhöhen.

Der Schuldenschnitt ist einer der wichtigsten Punkte der neuen Rettungsvereinbarungfür das hochverschuldete Land. Der deutsche Bundestag hat am Montag dem zweiten Hilfspaket für Griechenland zugestimmt.

S&P hatte im Januar angekündigt, das Land nach einem Schuldenschnitt auf SD herabzustufen. Die Rating-Agentur Fitch hat diesen Schritt ebenfalls für den nun am 12. März erwarteten freiwilligen Schuldenschnitt angekündigt: Vorübergehend würde Griechenland auf die Note "RD" für begrenzter Zahlungsausfall (Restricted Default) herabgestuft, bis die dann ausgegebenen neuen Staatsanleihen eine Bewertung erhalten.

Das Finanzministerium in Athen hat einen Zeitplan für den Schuldenschnitt der privaten Gläubiger ausgearbeitet, mit dem der Schuldenstand um 107 Milliarden Euro reduziert werden soll. Nach einem erfolgreichen Anleihetausch könne Griechenland aber möglicherweise wieder auf "CCC" heraufgestuft werden, hieß es bei S&P am Montagabend.

lgr/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Rating "SD" ist eine Neuerfindung im Sinne Orwells
kampfbuckler 28.02.2012
Selbst auf der S&P Homepage gibt es als Rating nur "D" als Default ohne Wenn und Aber. Der deutsche Bundestag hat also gerade einen Milliardenbetrag an einen bankrotten Schuldner bewilligt.
2. alle BT-Abgeordneten, die für das
herr_kowalski 28.02.2012
Zitat von sysopDas nächste Rettungspaket ist bewilligt, auch der deutsche Bundestag hat zugestimmt. Jetzt hat die Ratingagentur Standard & Poor's wie angekündigt die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf das Niveau eines "teilweisen Zahlungsausfalls" herabgestuft - Grund ist der ausgehandelte Schuldenschnitt. "Teilweise zahlungsunfähig": S&P stuft Griechenland erneut herab - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,817946,00.html)
neue Geschenk an die Banken via Griechenland gestimmt haben, entmündigen: Keinerlei Verzicht der Gläubiger auf nur einen Euro. Keinerlei Verzicht auf Zinsen aus den faulen Anleihen. Keinerlei Zustimmung zur Umschuldung auf neue Anleihen, längerer Laufzeit und niedriger Verzinsung. Keinerlei Beitrag des IWF. Machmal scheint mir, als säßen in Bundestag und Kabinett nur noch Analphabeten. Das muss Vorsatz sein, was die dort verbrechen !!!
3. xxxx
snafu-d 28.02.2012
Zitat von sysopDas nächste Rettungspaket ist bewilligt, auch der deutsche Bundestag hat zugestimmt. Jetzt hat die Ratingagentur Standard & Poor's wie angekündigt die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf das Niveau eines "teilweisen Zahlungsausfalls" herabgestuft - Grund ist der ausgehandelte Schuldenschnitt. "Teilweise zahlungsunfähig": S&P stuft Griechenland erneut herab - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,817946,00.html)
Was bei der Lehman-Pleite noch einfache Dummheit war (einem Pleite-Laden noch schnelle ein paar Hundert Millionen € zu überweisen), ist hier Vorsatz: einem Pleiteland werden, in voller Kenntnis der Zahlungsunfähigkeit und des zu erwartenden Verlustes, Milliarden geschenkt. die vorsätzliche Veruntreuung von Steuergeldern durch Merkel, Schäuble und Komplizen. Ich hoffe, dass der Tag der Abrechnung mit diesen Kriminellen nicht mehr weit ist. Und damit meine ich keine Wahlen.
4. Rating: Nicht SD sondern D ist richtig
Pandora0611 28.02.2012
Zitat von sysopDas nächste Rettungspaket ist bewilligt, auch der deutsche Bundestag hat zugestimmt. Jetzt hat die Ratingagentur Standard & Poor's wie angekündigt die Kreditwürdigkeit Griechenlands auf das Niveau eines "teilweisen Zahlungsausfalls" herabgestuft - Grund ist der ausgehandelte Schuldenschnitt. "Teilweise zahlungsunfähig": S&P stuft Griechenland erneut herab - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,817946,00.html)
Griechenland ist schon seit 10 Jahren pleite, nur wollte das niemand wahrhaben. Sie haben den gefälschten Zahlen geglaubt und alle Warnungen in den Wind geschlagen. Jetzt, da die Zahlen langsam ans Tageslicht kommen, kann Griechenland nur noch mit massiver finanzieller Unterstützung durch die anderen überleben. Bleiben diese aus, ist Griechenland sofort pleite. Deshalb ist das richtige Rating für Griechenland *D*. Griechenland ist zahlungsunfähig, es zahlen die anderen.
5. Schulden mit einer Lauffrist versehen.
Nörgelkopf 28.02.2012
Erst die Schulden mit einer mind. Lauffrist von 30 Jahren und einer Zinslast von 3% umwandeln. Aber sofort eine Steuer-, und Finanzverwaltung in Griechenland aufbauen. (keine deutschen Beamten schicken) Griechische Konten im Ausland einfrieren. Hier muß auf Steuerschulden überprüft werden. Immobilien im Ausland dürfen nicht gekauft und verkauft werden, solange Steuerschulden nicht bezahlt sind. Wenn nicht, Griechenland den Griechen.
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Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung

Der Zeitplan für die Griechenland-Rettung
Der Zeitplan für die Griechenland-Rettung
Die Gefahr eines griechischen Staatsbankrotts ist mit dem zweiten Hilfspaket gebannt - vorerst jedenfalls. Bis die Regierung in Athen die 130-Milliarden-Euro-Überweisung allerdings wirklich bekommt, sind noch etliche Hürden zu überwinden. Ein Überblick über die wichtigsten Termine.
22. Februar: Griechisches Parlament stimmt ab
Das griechische Parlament stimmt über die zusätzlichen Maßnahmen ab, mit dem die jüngste Finanzierungslücke von 325 Millionen Euro im Sparpaket geschlossen werden soll.
23. bis 24. Februar: Angebot an private Gläubiger
Griechenland unterbreitet den privaten Gläubigern ein Angebot für den freiwilligen Schuldenschnitt. Gleichzeitig will die Regierung die gesetzliche Grundlage schaffen, um Anleihen auch dann umzutauschen, wenn deren Besitzer nicht zugestimmt haben.
24. bis 26. Februar: G-20-Treffen in Mexiko
Die Finanzminister der weltweit 20 größten Volkswirtschaften treffen sich in Mexiko. Dort beraten sie unter anderem darüber, ob sie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mehr Geld zur Bekämpfung der europäischen Schuldenkrise zur Verfügung stellen.
27. Februar bis 2. März: Abstimmungen in mehreren Euro-Ländern
Mehrere Parlamente der Euro-Länder müssen den Finanzhilfen für Griechenland zustimmen - in der letzten Woche des Monats debattiert das niederländische Parlament und der deutsche Bundestag über das Rettungspaket. In den Niederlanden steigt der Widerstand dagegen, Griechenland erneut zu helfen. Unklar ist, wie das Votum in Deutschland und Finnland ausfallen wird. Wann das finnische Parlament abstimmt, ist noch nicht bekannt.
1. bis 2. März: EU-Gipfel in Brüssel
Der nächste EU-Gipfel ist angesetzt. Die europäischen Staats- und Regierungschefs beraten in Brüssel über eine Zusammenlegung der Rettungsfonds EFSF und ESM. Nach derzeitigem Stand wäre die Kapazität bei 500 Milliarden Euro gedeckelt - ein Großteil des Geldes ist bereits für Griechenland, Irland und Portugal reserviert. Durch eine Zusammenlegung der beiden Fonds würde die Kapazität erhöht.
5. bis 9. März: Entscheidung des IWF-Direktoriums
In der zweiten März-Woche wird das IWF-Direktorium darüber entscheiden, wie groß der Beitrag des Internationalen Währungsfonds zum zweiten Hilfspaket sein wird. In derselben Woche dürfte bekanntgegeben werden, wie viele der privaten Gläubiger sich an dem freiwilligen Schuldenschnitt beteiligen.
9. März: Ende der Angebotsfrist für Schuldenschnitt
Ende der Angebotsfrist für den freiwilligen Schuldenschnitt. Sollten sich mindestens 66 Prozent der privaten Gläubiger beteiligen, kommt er zustande.
12. März: Schuldenschnitt wird vollzogen
Vollzug des Schuldenschnitts: Private Gläubiger erlassen Griechenland 53,5 Prozent der Schulden. Den Rest ihrer alten Griechenland-Anleihen tauschen sie in neue mit langer Laufzeit um.
20. März: Athens Altschulden werden fällig
Das entscheidende Datum, an dem sich die bisherigen Bemühungen ausrichten: Am 20. März muss Griechenland Altschulden in Höhe von 14,5 Milliarden Euro zurückzahlen. Hat das Land bis zu diesem Datum nicht die ersten Zahlungen aus dem neuen Hilfspaket erhalten, steht es vor der Pleite.
April: Parlamentswahl in Griechenland
Im April soll in Griechenland ein neues Parlament gewählt werden. Ein fester Termin wurde noch nicht angesetzt. Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone befürchten, dass eine neue Regierung sich nicht an die vereinbarten Zusagen halten könnte.
Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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