Nachbesserungen verlangt Arbeitgeber halten Gesetzesreform zu Teilzeit für unzumutbar

Arbeitsminister Hubertus Heil will Bürgern mehr Freiraum bei der Wahl ihres Arbeitspensums geben. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat damit ein großes Problem.

Mutter mit Kind
DPA

Mutter mit Kind


Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall fordert Nachbesserungen beim geplanten gesetzlichen Rückkehrrecht vom Teilzeit- zum Vollzeitjob. Das geht aus einer Stellungnahme des Verbandes hervor, aus der das "Handelsblatt" zitiert. Konkret fordern die Arbeitgeber demnach eine Verschärfung der sogenannten Zumutbarkeitsgrenze.

Laut dem aktuellen Gesetzentwurf von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sollen Arbeitnehmer grundsätzlich einen Anspruch darauf haben, ihre Arbeitszeit zu verringern - und nach einem zuvor festgelegten Zeitraum wieder auf die ursprüngliche Arbeitszeit zu erhöhen. (Wie das genau funktionieren soll, lesen Sie hier.)

Es gibt von dem Gesetz aber auch Ausnahmen. So gilt die sogenannte Brückenteilzeit laut dem aktuellen Entwurf in Betrieben mit bis zu 45 Beschäftigten gar nicht, in Betrieben mit 46 bis 200 Mitarbeitern hat nur einer von jeweils 15 Beschäftigten darauf Anspruch. In einem Unternehmen mit 60 Mitarbeitern kann der Chef also neue Anträge ablehnen, wenn schon mindestens vier Mitarbeiter in Brückenteilzeit sind.

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander argumentiert nun, dass es bereits heute schon eine Reihe von Teilzeitansprüchen gebe - etwa nach dem Elternzeit-, dem Pflegezeit- oder dem Teilzeit- und Befristungsgesetz. Die Zumutbarkeitsgrenze müsse diese Teilzeitverhältnisse mitberücksichtigen, um das Gesetz "tatsächlich zumutbar zu machen", fordert Zander.

Angenommen, in einer Firma mit 100 Beschäftigten reduzieren 30 Personen ihre Arbeitszeit unbefristet nach dem Teilzeitgesetz und sieben weitere gehen in Brückenteilzeit - dann müsse der Arbeitgeber nicht nur für Ersatz sorgen. Durch die umstrittene Beweislastumkehr des Arbeitgebers hätten alle 37 Teilzeitkräfte Anspruch in Vollzeit zu arbeiten, fürchtet der Gesamtmetallverband.

ssu



insgesamt 70 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
frenchie3 23.05.2018
1. Und was wird aus der Gleichbehandlung
der Arbeitnehmer? Einer will, der andere bekommt? Das wird lustig wenn dann drum geklagt wird wer mehr Anrecht hat oder diskriminiert wird.
MisterD 23.05.2018
2. Interessant...
Der Arbeitnehmer hat voll flexibel und jederzeit einsatzbereit zu sein. Er hat seinen Urlaub möglichst in schwache Zeiten zu legen und soll auch mal längere Zeit 48h pro Woche buckeln... aber wehe der Arbeitgeber soll mal das umsetzen, was er immer predigt... nämlich Vereinbarkeit von Familie und Beruf, usw. Dann heißt es schnell " Unmöglich, das runiert uns..." Warum denn nicht einfach so: Wenn definitiv kein Platz für eine Vollzeitstelle mehr da ist, dann darf er ablehnen. Aber das mus er natürlich nachweisen... in Zeiten des Fachkräftemangel sollten Unternehmen wieder davon abrücken, sich wie moderne Sonnenkönige zu gerieren...
pepe83 23.05.2018
3. Wie soll ein Unternehmen denn ordentlich Ressourcen planen?
Ein Unternehmen muss gerade so viele Angestellte beschäftigen, wie benötigt werden. Durch die neue Regelung werden Engpässe und Überkapazitäten erzeugt, ohne dass die Eigentümer das vernünftig steuern können. So ein Vorgehen mag in einer Behörde leider üblich sein, aber die freie Wirtschaft muss auch wettbewerbsfähig bleiben.
th.diebels 23.05.2018
4. Wichtig wäre
vor allen Dingen, dass wieder mehr Tarifverträge als "Allgemeinverbindlich" eingestuft werden ! In den Tarifverträgen sind Vollzeit-Teilzeit-Vollzeit-Regelungen realitätsnah und ausgereift geregelt ! Aber solange sich immer mehr Arbeitgeber vor einer Tarifbindung drücken können, so lange werden die Arbeitnehmer zum Spielball ALLER - auch der Parteien !
CancunMM 23.05.2018
5.
Zitat von MisterDDer Arbeitnehmer hat voll flexibel und jederzeit einsatzbereit zu sein. Er hat seinen Urlaub möglichst in schwache Zeiten zu legen und soll auch mal längere Zeit 48h pro Woche buckeln... aber wehe der Arbeitgeber soll mal das umsetzen, was er immer predigt... nämlich Vereinbarkeit von Familie und Beruf, usw. Dann heißt es schnell " Unmöglich, das runiert uns..." Warum denn nicht einfach so: Wenn definitiv kein Platz für eine Vollzeitstelle mehr da ist, dann darf er ablehnen. Aber das mus er natürlich nachweisen... in Zeiten des Fachkräftemangel sollten Unternehmen wieder davon abrücken, sich wie moderne Sonnenkönige zu gerieren...
Genau dieser Fachkräftemangel führt aber dazu, dass die Arbeitgeber es gar nicht umsetzen können. Denn für jeden, der reduziert braucht man ja einen Ersatz. Und der kann natürlich nur befristet eingestellt werden, was man ja auch nicht will, weil der Andere ein Anrecht auf Rückkehr in die Vollzeit hat. Wie soll das funktionieren ? Und jetzt tun Sie nicht so als wäre wir in der Frühindustrialisierung. Natürlich hat ein Arbeitgeber Interesse daran, dass ein Arbeitnehmer dann Urlaub nimmt, wenn weniger zu tun ist. Und ? In den meisten Betrieben funktioniert es, wenn man sich zusammensetzt beide Interessen in Einklang zu bringen. Wenn man natürlich auf Krawall gebürstet ist, dann lässt die Bereitschaft natürlich auch beim Arbeitgeber nach. Wow 48 h zu buckeln. Ist ja katastrophal. Ich hätte 20 Jahre gerne nur 48 h gearbeitet bzw. wenigstens das auch bezahlt bekommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.