Börsenaufsicht über Musk-Tweet "...wegen der Bedeutung für die Marihuana-Kultur und weil er glaubte, es würde seiner Freundin gefallen"

Die Börsenaufsicht SEC will Elon Musk wegen eines Tweets als Firmenchef absetzen - und geht mit einer erstaunlichen Theorie an die Öffentlichkeit, wie die Nachricht zustande kam.

Elon Musk
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Die US-Börsenaufsicht SEC setzt Tesla-Mitgründer Elon Musk unter Druck. Die Behörde hat eine Untersuchung wegen einer Nachricht auf Twitter eingeleitet. Darin hatte Musk behauptet, er überlege, seine Firma von der Börse zu nehmen, zum Preis von 420 Dollar. Die Nachricht löste heftige Bewegungen des Aktienkurses aus.

Die SEC hegt einen Verdacht, wie genau es zu diesem Tweet kam - und sie nährt Zweifel an der Eignung des Technologie-Pioniers als Topmanager eines Milliardenkonzerns. Musk habe die Tesla Investoren in die Irre geführt, in dem er so tat, als habe er ein real existierendes Angebot an der Hand, teilte Steven Peikin von der SEC mit.

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Elon Musks Visionen: Tesla, Trips zum Mars und Tunnelbohrer

Das Gegenteil sei der Fall gewesen: Musk habe über den Daumen geschätzt 20 Prozent auf den damaligen Kurs der Tesla-Aktie aufgeschlagen "und dann auf 420 Dollar aufgerundet wegen der Bedeutung dieser Zahl für die Marihuana-Kultur und weil er im Glauben war, das könnte seiner Freundin gefallen", so Peikin.

Der Ausdruck 420 oder 4/20 ist in den USA ein gebräuchliches Codewort für Cannabiskonsum. Schreibt etwa eine Wohngemeinschaft auf Mitbewohnersuche "420 friendly" in eine Anzeige, heißt das: Die Bewohner haben nichts gegen Kiffen.

Die SEC hat wegen des Tweets Klage bei einem Bezirksgericht in Manhattan eingereicht - mit dem Ziel, Musk als Vorstands- und Aufsichtsratschef des Elektroautoherstellers zu entmachten. Musk selbst ließ wissen, er halte die Klage für ungerechtfertigt, das Vorgehen der SEC mache ihn "tieftraurig und enttäuscht". Die Aktie des Elektroautoherstellers fiel nachbörslich um rund zwölf Prozent.

Es ist nicht das erste Mal, dass Elon Musk eine Kontroverse auslöst. Ein Beispiel ist ein Tweet, der sich wie eine Empfehlung des Missbrauchs des Schlafsmittels Ambien liest: Manchmal werfe er die Tabletten ein und trinke "ein bisschen Rotwein dazu". Dann geschehe "Magie". (Hier finden Sie einen Bericht über die Modedroge.)

Zuletzt trat Musk in einer Radioshow auf - und rauchte vor laufenden Webkameras einen Joint.

Das "Wall Street Journal" berichtete, die SEC habe eigentlich eine Einigung mit Musk ausgehandelt - am Donnerstagmorgen hätten aber seine Anwälte den Deal überraschend abgelehnt. Die Behörde habe dann im Eiltempo die Klage vorbereitet und in New York eingereicht.

Die SEC beschuldigt Musk, Teslas Aktionäre wissentlich oder durch Leichtsinn in die Irre geführt zu haben. Während er öffentlich behauptet habe, einen Deal für einen Börsenabgang in der Tasche zu haben, seien Eckpunkte eines solchen Vorhabens wie der Kaufpreis in Wirklichkeit noch nicht einmal mit potenziellen Geldgebern diskutiert worden. Auch habe er nie recherchiert, ob eine größere Zahl von Anlegern tatsächlich nach dem Rückzug von der Börse an Bord bleiben könnten - wie Musk es in seinen Tweets in Aussicht gestellt hatte.

beb/dpa

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