Handelsstreit Tesla schickt in letzter Minute Autofrachter nach China - um Zölle zu umgehen

Die Verhandlungsfrist im US-Handelsstreit mit China endet am 1. März. Der Autobauer Tesla hat laut einem Bericht nun noch mehrere vollgepackte Schiffe gen China losgeschickt. Kommen sie rechtzeitig an?

Tesla-Autos bei der Verladung in San Francisco
Bloomberg/ Getty Images

Tesla-Autos bei der Verladung in San Francisco


Die Handelsgespräche zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt liefen "extrem gut", sagte US-Präsident Donald Trump am Freitag. Womöglich würde die bisher nur bis zum 1. März geltende Verhandlungsfrist über mögliche Zölle zwischen den USA und China verlängert.

Doch auf eine gütliche Lösung im Handelsstreit zwischen den Ländern will der US-Autobauer Tesla offenbar nicht setzen - und hat einem "Bloomberg"-Bericht zufolge in letzter Minute noch mehrere Frachtschiffe auf den Pazifik in Richtung China losgeschickt.

Tagelang habe Tesla zuvor an Pier 80 im Hafen von San Francisco nach und nach jede Menge Model-3-Autos angeliefert, berichtete die Nachrichtenagentur "Bloomberg". Mindestens drei jeweils zwei Fußballfelder lange Schiffe seien auf den Weg gebracht worden, um die wertvolle Fracht von Firmenchef Elon Musk noch vor Ablauf des Monats nach China zu bringen.

Ein Schiff hat wohl schon Tianjin erreicht

Denn sollten sich beide Seiten in dem Streit nicht einigen, steigen am 1. März die Zölle auf chinesische Importgüter im Wert von 200 Milliarden Dollar auf 25 Prozent. An dem Tag endet ein 90-tägiger "Waffenstillstand". Trump stört sich am hohen US-Defizit im Warenaustausch mit China - und wirft der Volksrepublik unfaire Handelspraktiken sowie den Diebstahl geistigen Eigentums vor. China bestreitet dies.

Eines der Schiffe, die "Glovis Symphony", hat laut "Bloomberg" inzwischen im Hafen von Tianjin festgemacht und soll am Mittwoch noch die Metropole Shanghai anlaufen. Zwei weitere Frachter, die "Morning Cindy" und die "Emerald Ace", sollen demnach China am 19. oder 24. Februar erreichen. Wenn alles nach Plan läuft.

Doch langfristig ist das keine Lösung. In Shanghai hat Tesla deshalb im Januar mit dem Bau des größten Werks außerhalb der USA begonnen. Die Fabrik soll dem Unternehmen zufolge bis Sommer stehen, die Produktion der ersten Autos vom Typ Model 3 bereits Ende des Jahres beginnen.

Elon Musk beim Baubeginn für eine Fabrik in China
REUTERS

Elon Musk beim Baubeginn für eine Fabrik in China

So will sich der US-Konzern im Handelsstreit auch dauerhaft Zugang zum riesigen chinesischen Markt sichern - außerdem ist der Transport über den Ozean teuer. In dem neuen Werk sollen künftig sowohl die Autos als auch die für den Elektroantrieb benötigten Batterien hergestellt werden - wegen dieser Kombination nennt Tesla diese Produktionsstätten "Gigafabriken".

apr

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motzkistenbewohner 16.02.2019
1. Und der Gewinner ist mal wieder China
ganz am Ende kommen dann die Teslas für Europa auch aus China. Trump wird die USA dermaßen abwirtschaften mit seiner Unpolitik wie es demnächst auch im UK Dank der verbohrten Brexit-Buccaneers stattfinden wird.
schwaebischehausfrau 16.02.2019
2. Käufer dringend gesucht....
Nachdem Tesla seine angeblich vor Produktionsbeginn fast 500.000 Reservierungen seines angeblich irgendwann mal nur noch 35.000 US-Dollar teuren Model 3 zumindest in den USA bereits ausgelutscht hat und aufgrund wegfallender staatlicher E-Auto-Subventionen für Tesla in den USA die Nachfrage bereits kollabiert und Tesla als Reaktion seit Anfang des Jahres bereits zum 2. mal die Preise reduzieren musste (das macht man sicher nicht, wenn die Käufer Schlange stehen und sich um ein "knappes Produkt" balgen) , jetzt also Schiffsladungen nach China, wo man ebenfalls bereits im Dezember, also sogar noch lange vor Auslieferungsstart die Preise senken musste wegen schwacher Nachfrage: https://www.cnbc.com/2018/12/24/tesla-cuts-model-3-prices-in-china-.html und jetzt wegen offenbar immer noch schwacher Nachfrage auch noch seinen teuren "Autopiloten" on top gratis dazu gibt: https://electrek.co/2019/02/08/tesla-autopilot-standard-model-3-china/ (erinnert schwer an den Hamburger Fischmarkt: "Die letzten 3 Aale für 20 Euro. Keiner will? O.K., allerletztes Angebot: 5 Aale für 20 Euro und noch ein Glas Rollmops gratis dazu". Angesprochen auf die Nachfrage-Situation meinte CEO Elon Musk in einem Interview, dass die Nachfrage nach Tesla's E-Autos zwar nach wie vor unglaublich hoch sei, aber die Kunden unglücklicherweise nicht genug Geld hätten, um sich seine Autos leisten zu können. O-Ton: "The demand for Model 3 is insanely high. The inhibitor is affordability. It’s just like people literally don’t have the money to buy the car." Ist so wie wenn Zetsche sagen würde: Wir könnten alleine in Deutschland 30 Millionen Mercedes S-Klasse verkaufen, wenn sich jeder Deutsche ein Auto für 150.000 Euro leisten könnte.
vanselow 16.02.2019
3. Tesla schließt Markt ab
Zitat von schwaebischehausfrauNachdem Tesla seine angeblich vor Produktionsbeginn fast 500.000 Reservierungen seines angeblich irgendwann mal nur noch 35.000 US-Dollar teuren Model 3 zumindest in den USA bereits ausgelutscht hat und aufgrund wegfallender staatlicher E-Auto-Subventionen für Tesla in den USA die Nachfrage bereits kollabiert und Tesla als Reaktion seit Anfang des Jahres bereits zum 2. mal die Preise reduzieren musste (das macht man sicher nicht, wenn die Käufer Schlange stehen und sich um ein "knappes Produkt" balgen) , jetzt also Schiffsladungen nach China, wo man ebenfalls bereits im Dezember, also sogar noch lange vor Auslieferungsstart die Preise senken musste wegen schwacher Nachfrage: https://www.cnbc.com/2018/12/24/tesla-cuts-model-3-prices-in-china-.html und jetzt wegen offenbar immer noch schwacher Nachfrage auch noch seinen teuren "Autopiloten" on top gratis dazu gibt: https://electrek.co/2019/02/08/tesla-autopilot-standard-model-3-china/ (erinnert schwer an den Hamburger Fischmarkt: "Die letzten 3 Aale für 20 Euro. Keiner will? O.K., allerletztes Angebot: 5 Aale für 20 Euro und noch ein Glas Rollmops gratis dazu". Angesprochen auf die Nachfrage-Situation meinte CEO Elon Musk in einem Interview, dass die Nachfrage nach Tesla's E-Autos zwar nach wie vor unglaublich hoch sei, aber die Kunden unglücklicherweise nicht genug Geld hätten, um sich seine Autos leisten zu können. O-Ton: "The demand for Model 3 is insanely high. The inhibitor is affordability. It’s just like people literally don’t have the money to buy the car." Ist so wie wenn Zetsche sagen würde: Wir könnten alleine in Deutschland 30 Millionen Mercedes S-Klasse verkaufen, wenn sich jeder Deutsche ein Auto für 150.000 Euro leisten könnte.
Durch Verdopplung der Stückzahl sinkt Stückpreis um 20 Prozent . Tesla gibt diesen Preisverfall an die Kunden weiter. Damit kann kein Unternehmen mehr, das später in den Markt startet , diese Preise noch anbieten. Der Markt wird von Tesla jetzt quasi verschlossen. Den Fehler hatte Renault mit dem Zoe gemacht oder auch BMW mit dem i3. Diese hätten zügig die Preise senken sollen. So wurden diese jetzt von Tesla Model 3 überholt, obwohl viel später gestartet. Hier geht es um die Eroberung eines neuen Marktes, dem Markt für Elektroautos.
bissig 16.02.2019
4. Neben dem Verlust von Arbeitsplätzen in den USA
- unabhängig davon ob gut bezahlt oder nicht - werden die Chinesen jetzt auch noch Einblick in die Technologie bekommen. Produktionsprozesse, Lieferketten, alles quasi frei Haus. Und sollte DT sich beschweren - er wird und/oder will einfach nicht kapieren, dass sein Handeln die Ursache ist. Wobei ich mir sicher bin, dass auch Tesla irgendwann den Weg über den Teich gegangen wäre, um den Zugang zum chinesischen Markt zu sichern. Vielleicht nicht morgen.
schwaebischehausfrau 16.02.2019
5. @vanselow: Dream on...
Zitat von vanselowDurch Verdopplung der Stückzahl sinkt Stückpreis um 20 Prozent . Tesla gibt diesen Preisverfall an die Kunden weiter. Damit kann kein Unternehmen mehr, das später in den Markt startet , diese Preise noch anbieten. Der Markt wird von Tesla jetzt quasi verschlossen. Den Fehler hatte Renault mit dem Zoe gemacht oder auch BMW mit dem i3. Diese hätten zügig die Preise senken sollen. So wurden diese jetzt von Tesla Model 3 überholt, obwohl viel später gestartet. Hier geht es um die Eroberung eines neuen Marktes, dem Markt für Elektroautos.
Mal ganz abgesehen davon, dass die Automobil-Industrie mit hohen stückfixen Material- und Lohnkosten ganz sicher nicht wie die Software-Industrie mit z.B. Microsoft funktioniert, wo man ein Windows, Word oder Excel einmal mit hohen Kosten entwickelt und dann für die 5 und 10-millionste Lizenz fast nur noch additive Vertriebskosten hat und damit rapide sinkende Stückkosten und rapide steigende Profitmargen. Und auch abgesehen davon, dass sich in der Automobilindustrie aktuell nicht nur die Lohnkosten, sondern auch die Rohstoffpreise steigen, und am stärksten die für E-Auto-Batterien (Lithium, Kobalt) steigen. Hersteller wie Toyota , Daimler, VW, BMW oder GM können schon deshalb mit ihren E-Autos Tesla beliebig für viele Jahre preislich unterbieten, weil sie mit ihrer restlichen (Verbrenner-)Modellpalette gigantische Milliarden-Gewinne einfahren, mit denen sie ihre E-Autos beliebig quer-subventionieren können, um Marktanteile zu gewinnen. Tesla hat kein einziges Produkt, das nachhaltig einen Gewinn abwirft, sondern Milliarden Schulden. Als Beleg dafür empfehle ich , sich einfach mal die Preise und Specs der jetzt auf den Markt gekommenen (und in den nächsten Monaten kommenden) E-Autos von Jaguar (iPace), Audi (etron), Hyundai (Kona) Nissan (neuer Leaf) und besonders dem Porsche Taycan anzuschauen: Vergleichbare Batteriegröße/Reichweite, viel schnellere Ladezeiten und dazu eine um Welten bessere Verarbeitungsqualität als bei Tesla. P.S.: Wenn das mit den von Ihnen beschriebenen Economies of Scale bei Tesla funktionieren würde, dann müssten sie ihr als Lockmittel versprochenes 35.000 Dollar "afffordable" Model nicht seit 3 Jahren immer weiter nach hinten verschieben. Noch vor wenigen Wochen hat Musk erneut zugegeben, dass man damit nur horrende Verluste pro verkauftem Auto produzieren würde. Die aktuellen Preisssenkungen werden nur dazu führen, dass es im nächsten Quartal wieder einen Milliarden-Verlust geben wird. Und die im Januar angekündigten neuen Massen-Entlassungen (7% der Belegschaft), die bereits die 2. Entlassungswelle innerhalb von 7 Monaten ist, ist ganz sicher kein Zeichen von gigantischer Nachfrage und rosigen Zukunftsaussichten.
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