Teure Arztbesuche Regierungsberater fordern Patienten-Abgabe

Patienten sollen künftig einen Teil ihrer Arztrechnung aus der eigenen Tasche bezahlen - und so eher auf teure Behandlungen verzichten. Dies fordert eine Beraterkommission der Bundesregierung. Auch den Preiskampf zwischen den Apotheken wollen die Experten verschärfen.

Behandlung beim Arzt: Zwingende Beteiligung von Patienten
ddp

Behandlung beim Arzt: Zwingende Beteiligung von Patienten


Berlin - Patienten könnten schon bald einen Eigenanteil an ihren Behandlungskosten übernehmen müssen - zumindest, wenn es nach der regierungsnahe Monopolkommission geht. Das Gesundheitssystem solle "um ein Element einer zwingenden Beteiligung von Patienten an den von ihnen verursachten Kosten" ergänzt werden, sagte der Kommissionsvorsitzende Justus Haucap am Mittwoch in Berlin.

Bislang entschieden sich Patienten unabhängig von Kostenerwägungen für bestimmte Behandlungen. Eine allgemein verpflichtende Eigenbeteiligung könne dazu beitragen, die Kostenexplosion im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen. Auch hier müsse aber das Solidarprinzip gelten, dass Gutverdiener stärker belastet werden als sozial Schwache.

Die Kommission, die die Bundesregierung in Fragen der Wettbewerbspolitik und Regulierung berät, will außerdem einen Preiskampf zwischen Apotheken zugunsten der Patienten schüren. "Wir empfehlen einen sanften Preiswettbewerb auch bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln", sagte Haucap.

Die vorgeschriebene feste Zuzahlung bei Medikamenten für gesetzlich versicherte Patienten solle wegfallen. Stattdessen sollten die Apotheken bis zu einer bestimmten Obergrenze selbst eine Gebühr für ihre Dienstleistungen erheben. Dadurch könnte ein "wirksamer Preiswettbewerb zwischen den Apotheken ermöglicht werden".

Die Bundesapothekenkammer kritisierte den Vorstoß, weil er zu uneinheitlichen Arzneimittelpreisen führe. "Nicht der Geldbeutel darf darüber entscheiden, ob jemand vor der Einnahme eines rezeptpflichtigen Medikaments umfassend informiert wird oder nicht", sagte Präsidentin Erika Fink.

Die Monopolkommission sprach sich auch dafür aus, Apothekenketten zuzulassen. Des erhöhe ebenfalls den Wettbewerb zugunsten der Patienten. Bislang darf ein Apotheker maximal vier Filialen betreiben.

jok/Reuters

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Forum - Wohin steuert unser Gesundheitssystem?
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Seite 1
Interessierter0815 27.01.2010
1.
Zitat von sysopZusatzbeiträge, Kopfprämie, Gesundheitsfonds - im deutschen Gesundheitssystem herrscht Chaos. Politik, Krankenkassen und Lobbyisten ringen um Leistungen und Beiträge. Wie aber könnte eine gerechte, ausgewogene und vor allem finanzierbare Gesundheitsversorgung aussehen?
Korruption wohin das Auge auch sieht. Wohin wird das GesundheitsSYSTEM wohl steuern? Die 3. klassengesellschaft schreitet weiter und weiter, bald werden sicherlich alle "wertlosen" markiert und sollen froh sein, wenn es noch ein kanten Brot gibt und evt. eine rote Pille oder Tiergrippenimpfung.
genugistgenug 27.01.2010
2.
Zitat von sysopZusatzbeiträge, Kopfprämie, Gesundheitsfonds - im deutschen Gesundheitssystem herrscht Chaos. Politik, Krankenkassen und Lobbyisten ringen um Leistungen und Beiträge. Wie aber könnte eine gerechte, ausgewogene und vor allem finanzierbare Gesundheitsversorgung aussehen?
ABWÄRTS - wie alles andere wo unsere Politker und Bürokraten, die Kaste der Schmarasiten, ihre Finger drin haben. Die Frage wie ein gerechteres System aussehen könnte, ist überflüssig. Denn bis das durch alle Instanzen durch ist, sind unsere Enkel schon Großeltern.
Interessierter0815 27.01.2010
3. Großeltern?
Zitat von genugistgenugABWÄRTS - wie alles andere wo unsere Politker und Bürokraten, die Kaste der Schmarasiten, ihre Finger drin haben. Die Frage wie ein gerechteres System aussehen könnte, ist überflüssig. Denn bis das durch alle Instanzen durch ist, sind unsere Enkel schon Großeltern.
Welcher vernünftige Mensch möchte in diese asoziale Gesellschaft Kinder setzen? Nene, sich alleine durchzuboxen wird schon hart genug.
saul7 27.01.2010
4. +++
Zitat von sysopZusatzbeiträge, Kopfprämie, Gesundheitsfonds - im deutschen Gesundheitssystem herrscht Chaos. Politik, Krankenkassen und Lobbyisten ringen um Leistungen und Beiträge. Wie aber könnte eine gerechte, ausgewogene und vor allem finanzierbare Gesundheitsversorgung aussehen?
Das Tragische an der Entwicklung unseres Gesundheitssystemes ist, dass die dafür verantwortlichen Politiker keine Antwort für deren Lösung finden können und sich die Schuld für ihr Versagen gegenseitig zuschieben. Das ist verantwortungsloses Handeln.
Stefanie Bach, 27.01.2010
5.
Zitat von saul7Das Tragische an der Entwicklung unseres Gesundheitssystemes ist, dass die dafür verantwortlichen Politiker keine Antwort für deren Lösung finden können und sich die Schuld für ihr Versagen gegenseitig zuschieben. Das ist verantwortungsloses Handeln.
Norbert Blüm trifft es sehr genau: "Man kann aus Schaden klug werden. Man muss es aber nicht. Mit der Kopfpauschale ging die CDU in der Bundestagswahl 2005 baden. 2009, nach der Bundestagswahl, versucht sie es wieder mit dem einkommensunabhängigen Beitrag zur Krankenversicherung, der für alle gleich hoch sein soll." Koalitionsvertrag - Fehlstart schwarz-gelber Geisterfahrer (http://www.plantor.de/2009/koalitionsvertrag-fehlstart-schwarz-gelber-geisterfahrer/)
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