Teure Lebensmittel: Hohe Inflation gefährdet Chinas Wirtschaftsboom

China bekommt seine hohe Inflation nicht in den Griff. Im Januar stiegen die Verbraucherpreise unerwartet stark um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das dürfte es dem Land noch schwerer machen, seine Funktion als Antreiber der Weltwirtschaft zu erfüllen.

Teures Schweinefleisch: Die Preise stiegen auf Jahressicht um 25 Prozent Zur Großansicht
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Teures Schweinefleisch: Die Preise stiegen auf Jahressicht um 25 Prozent

Peking - Die Inflation in China hat sich überraschend wieder verstärkt. Im Januar stiegen die Verbraucherpreise um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistikamt in Peking berichtete. Im Dezember hatte der Zuwachs 4,1 Prozent betragen. Experten hatten mit einem weiteren Rückgang gerechnet.

Besonders stark stiegen die Preise für Lebensmittel. Im Schnitt legten sie um 10,5 Prozent zu. Bei Schweinefleisch, das in China als besonders wichtiges Nahrungsmittel gilt, lag die Teuerungsrate sogar bei 25 Prozent.

Die Zahlen sind ein herber Rückschlag für die chinesische Regierung, die seit langem versucht, die Inflation in den Griff zu kriegen. Dazu hatte sie mehrmals die Zinsen erhöht und die Kreditvergabe der Banken gedrosselt. Zunächst schien diese Politik auch erfolgreich: Zwischen Juli und Dezember 2011 war die Inflationsrate von 6,5 Prozent auf 4,1 Prozent gefallen.

Doch nun könnte es weiter nach oben gehen. Die Zahlen vom Dezember "erhöhen unsere Sorge, dass das Inflationsrisiko nicht verschwindet", sagte der Experte Zhiwei Zhang von der japanischen Nomura-Bank. Ähnlich werde es auch der chinesischen Politik ergehen.

Die Regierung in Peking gerät durch die wieder steigende Inflation in eine Zwickmühle: Eigentlich müsste sie das zuletzt schwächelnde Wachstum ankurbeln. Doch dies würde die Inflation weiter schüren.

Die chinesische Wirtschaft war im letzten Quartal 2011 vergleichsweise langsam gewachsen. Auf Jahressicht stieg das Bruttoinlandsprodukt um gerade mal 8,9 Prozent - der geringste Wert seit mehr als zwei Jahren.

China ist wie kaum ein anderes Land auf hohes Wachstum angewiesen, um breite Bevölkerungsschichten am wachsenden Wohlstand teilhaben zu lassen und soziale Unruhen zu vermeiden. Zuwachsraten von weniger als acht Prozent gelten als problematisch. Zugleich ist das Land extrem wichtig für die Weltkonjunktur. Weil die klassischen Industrieländer wie die USA oder Japan in den vergangenen Jahren nur noch wenig zum weltweiten Wachstum beitragen konnten, lasten die Hoffnungen umso mehr auf Staaten wie China.

Der Internationale Währungsfonds IWF hatte das Land jüngst vor einem Konjunktureinbruch gewarnt. Falls die Euro-Krise eskaliere, drohe sich das Wachstum in China in diesem Jahr auf vier Prozent zu halbieren.

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insgesamt 7 Beiträge
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1.
Kuppelbauer 09.02.2012
Zitat von sysopChina ist wie kaum ein anderes Land auf hohes Wachstum angewiesen, um breite Bevölkerungsschichten am wachsenden Wohlstand teilhaben zu lassen und soziale Unruhen zu vermeiden. Zuwachsraten von weniger als acht Prozent gelten als problematisch.
Na klasse! Eine Wirtschaft und Gesellschaft, die nur mit exorbitanten Wachstumsraten überleben kann! Ist den Chinesen eigentlich klar, dass das nicht ewig funktioniert? Ein Wachstum von 9% jährlich zum Beispiel bedeutet eine Verdoppelung alle knapp 8 Jahre, eine Vervierfachung binnen 15 Jahren! Und schon jetzt ist die Umwelt weiträumig versaut, die Luft in vielen Städten kaum mehr atembar, werden Rohstoffe knapp! Eine Frage der Zeit also, bis dieser Moloch entweder in sich zusammenfällt oder aber explodiert...
2. Na endlich....
fatherted98 09.02.2012
...habe diese Woche schon drauf gewartet das ein "China-geht-unter und die Weltwirtschaft leidet" - Artikel erscheint...letzte Woche gings ja schließlich in die andere Richtung....gähn...wie vorraussehbar.
3. Weiß der Autor denn nicht,
schönbergwebernberg 09.02.2012
was Inflation und was Teuerungsrate ist? Das ist zwei verschiedene Sachen! Nur weil die Preise für Lebensmittel ansteigen, liegt keine Geldentwertung vor.
4. Ewig währendes Wachtum
Systemrelevanter 09.02.2012
Ich wette, jetzt zerbrechen sich wieder einige Wirtschaftsweisen ihre Köpfe, warum selbst in China das Dogma vom ewigen Wachstum nicht funktioniert. Naturgesetze sind im Ggs. zu denen aus den Wirtschaftslehren eben echte Gesetze.
5. Man stelle sich vor ...
.freedom. 09.02.2012
Zitat von sysopChina bekommt seine hohe Inflation nicht in den Griff. Im Januar stiegen die Verbraucherpreise unerwartet stark um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das dürfte es dem Land noch schwerer machen, seine Funktion als Lokomotive der Weltwirtschaft zu erfüllen. Teure Lebensmittel: Hohe Inflation gefährdet Chinas Wirtschaftsboom - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,814200,00.html)
jeder 2, chinese Bürger hätte ein Auto und jeder 2. indische Bürger hätte ein Auto. Dann überlegt man wie lange die Erde das alles hergibt. Nicht, dass ich jedem Menschen den gleichen Wohlstand nicht gönne wie wir in Europa. So wie es aussieht gibt die Erde diese Resourcen aber gar nicht mehr her. Es tut mir leid für die vielen Menschen in China, die unter diesem Turbokapitalismus noch leiden werden. Diese Gobalisierung und der knallharte Kapitalismus zerstören erst einmal die Demokratien. Etwas abseits: Vor über 50 Jahren habe ich schon gesagt, dass ich in diese Welt keine Kinder setze, was ich auch durchgehalten habe. Es gibt zu viele Menschen auf der Welt, da muss ich nicht noch mitmachen.
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