Teure Präparate Rösler will Impf-Preise um ein Drittel drücken

Gesundheitsminister Rösler plant, die Preise für Impfstoffe in Deutschland drastisch zu senken. Ziel sei ein europäischer Durchschnittspreis. Die Krankenversicherungen könnten so bis zu 300 Millionen Euro pro Jahr einsparen.

Minister Rösler: "Preise in Deutschland über dem europäischen Niveau"
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Minister Rösler: "Preise in Deutschland über dem europäischen Niveau"


Berlin - Die Regierung will die Preise für Impfstoffe in Deutschland deutlich senken. Auf entsprechende Pläne von Gesundheitsminister Philipp Rösler einigten sich Union und FDP in Berlin. "Die Preise für Impfstoffe liegen in Deutschland bis zu 30 Prozent über dem europäischen Niveau", sagte Rösler der "Bild". Das sei nicht einzusehen.

Bemessungsgrundlage solle ein europäischer Durchschnittspreis sein. "Wir wollen, dass die Krankenkassen im Jahr bis zu 300 Millionen Euro weniger für Impfstoffe ausgeben müssen", sagte Rösler. "Diese enorme Entlastung kommt den Versicherten zugute." Auch wenn die Pharmaindustrie in vielen Regionen ein wichtiger Wirtschaftszweig sei, habe das Gesundheitssystem kein Geld zu verschenken, so Rösler weiter.

Die Koalition einigte sich zudem darauf, der privaten Krankenversicherung einen Teil der Kosten für die Nutzenbewertung neuer Arzneien aufzuerlegen. In dieser Bewertung werden die Kosten für ein Arzneimittel dem Nutzen für den Patienten gegenüber gestellt.

Nach Informationen aus Koalitionskreisen sollen die privaten Kassen etwa zehn Prozent der Aufwendungen übernehmen, die bei den Krankenkassen, beim Gemeinsamen Bundesausschuss und beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) anfallen.

An anderer Stelle will Rösler die Privatversicherer dafür entlasten. So sollen sie das Geschäft mit Zusatzversicherungen ausweiten dürfen - zum Beispiel Zusatzpolicen für Chefarztbehandlungen. Das Gesundheitsministerium bestätigte außerdem , dass den gesetzlichen Kassen mit der geplanten Reform bestimmte Wahltarife für Zusatzleistungen entzogen werden sollen.

An eine gänzliche Abschaffung sei aber nicht gedacht. Bisher können sowohl die gesetzlichen wie auch die privaten Krankenkassen ihren Versicherten Zusatzleistungen etwa für Chefarzt- oder Zahnarztbehandlung anbieten.

Eine Milliarde Euro Zusatzeinnahmen möglich - Kritik von der Linken

Laut "Berliner Zeitung" könnten die von Rösler geplanten Reformen den privaten Versicherern insgesamt bis zu eine Milliarde Euro Zusatzgeschäft bringen. Denn die Koalition will den Wechsel von der gesetzlichen zur privaten Versicherung vereinfachen, was dieser zusätzliche Kunden bringen dürfte. Dies allein könnte bis zu 500 Millionen Euro ausmachen, meldete die Zeitung unter Berufung auf die gesetzlichen Kassen.

Die Linke warf der Koalition vor, mit ihrer Politik die Privatversicherungen und die Pharmaindustrie zu begünstigen.

jok/APD/Reuters

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
saul7 13.09.2010
1.
Zitat von sysopGesundheitsminister Rösler plant, die Preise für Impfstoffe in Deutschland drastisch zu senken.*Ziel sei ein*europäischer Durchschnittspreis. Die*Krankenversicherungen könnten so bis zu 300 Millionen Euro pro Jahr einsparen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,717206,00.html
Ach Gott, Herr Rösler will die Preise für Impfsera drücken und an ein europäisches Niveau anpassen. Stellt sich die Frage, warum er das nicht auch für die übrigen Arzneimittel machen kann...
Frau Wutz, 13.09.2010
2. Bitte geben Sie einen Titel für den Beitrag an!
Zitat von saul7Ach Gott, Herr Rösler will die Preise für Impfsera drücken und an ein europäisches Niveau anpassen. Stellt sich die Frage, warum er das nicht auch für die übrigen Arzneimittel machen kann...
Es sind nur Nebelkerzen, etwas Sand in die Augen der Bundesbürger. Die FDP hat ja bislang alles gemacht, was Pharmakonzerne und Privatversicherer haben wollten. Und sich als Spiegel auf die Bild-Zeitung zu berufen, ohne mal nachzuhaken, ist ja offenbar inzwischen Usus.
sorgenlos 13.09.2010
3. Die FDP ist machtlos
Dies aus zwei Gründen: 1) Das Gesundheitsministerium ist mit Krankenkassenvertretern durchsetzt, die alle zum Sparen zwingen wollen, außer sich selbst. Glaspaläste und 14 Monatsgehälter etc. ... 2) Mit dem kranken Egomanen Seehofer, der nichts als seine eigene Meinung gelten lässt, kann niemand Politik machen. Eine Partei oder ein Kanzler/eine Kanzlerin, die jemanden wie Seehofer einbinden könnte, muss erst noch erfunden werden. Der Mann gehört einfach abgesetzt und gut ist's.
worm80 14.09.2010
4. ?
Impfpreise drücken? Dafür wird jetzt schon (für die Pharmaindustrie)kostenlos für die neue Grippeimpfung geworben (Nachrichtensendungen in ARD und ZDF). Die neue Grippewellenpanik wird schon jetzt wieder geschürt.
worm80 14.09.2010
5. Man
sollte Herrn Sarrazin ermutigen, sich auch den Pharmakosten und dem ganzen Gesundheitssystem zuzuwenden. Wenn er hier ähnliche Aufregung erreichen könnte, wäre viel gewonnen.
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