Teure Rennstrecke Nürburgring-Pächter wollen sich wehren

Monatelang zankten sich das Land Rheinland-Pfalz und die privaten Pächter des Nürburgrings, jetzt hat das Land den Betreibern gekündigt. Doch die drohen im Gegenzug mit juristischen Schritten - und die Grünen denken sogar über einen "Rückbau" an der Rennstrecke nach. 

Von und Florian Zerfaß

DPA

Mainz - Eingerahmt von zwei roten Kabinettskollegen saß Eveline Lemke in der Pressekonferenz der Landesregierung. Sie trug wie stets ihr grünes Jäckchen und offenbarte, wie schwarz die Lage am Nürburgring wirklich ist. Gerade hatte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) bestätigt, dass sich das Land nach monatelangem Streit von den privaten Pächtern des Nürburgrings trennen will, da brach Wirtschaftsministerin Lemke von den Grünen erstmals das Tabu: Man müsse auch "Rückbaumöglichkeiten" in Betracht ziehen." Eine schöne Umschreibung für das hässliche Wort Abriss.

330 Millionen Euro hat das Land in Freizeit- und Tourismusanlagen an der Rennstrecke investiert. Ministerpräsident Kurt Beck pries bei jeder Gelegenheit sein Leuchtturmprojekt für die strukturschwache Eifelregion. Und nun ist in seinem Kabinett von einem Teilabriss die Rede.

Dabei war die Trennung von den Betreibern für die Landesregierung schon Hiobsbotschaft genug. Erst im Mai 2010 hatte die Nürburgring Automotive GmbH (NAG) den Betrieb der Rennstrecke übernommen. Die NAG gehört der Düsseldorfer Lindner-Hotelgruppe und dem Projektentwickler Kai Richter. Der damals verantwortliche Wirtschaftsminister Hendrik Hering schwärmte von der Verpachtung als seinem "Zukunftskonzept" - nach nicht einmal zwei Jahren ist es Geschichte. Den Betreibern wird der Stuhl vor die Tür gestellt.

Die reagierten heute mit einem Schreiben an die NAG-Mitarbeiter. "Da wir noch über gültige Verträge bis zum Jahr 2040 verfügen, können Sie sich vorstellen, dass wir diesem Vorgang nicht tatenlos zusehen werden", schreiben die Geschäftsführer Jörg Lindner und Karl-Josef Schmidt sowie Kai Richter. Ihre Anwälte seien bereits beauftragt worden, gegen die Kündigung juristisch vorzugehen. Das Trio fügt halb selbstbewusst, halb drohend hinzu: "Sie werden wissen, dass es Jahre dauern kann, bis solche Verfahren endgültig geklärt und entschieden sind."

Nicht nur wegen des drohenden Rechtsstreits mit den Pächtern wird die Rennstrecke für die Landesregierung zum Dauerdesaster. Etwa eine halbe Milliarde Euro hat sie in den vergangenen zwei Jahrzehnten an der Rennstrecke versenkt - und ein Ende ist nicht absehbar.

Am Donnerstag wird der Landesrechnungshof seinen Jahresbericht vorstellen. Er wird nach Informationen von SPIEGEL ONLINE offiziell bestätigen, was Kritiker seit Jahren monieren - in der Landeshauptstadt Mainz aber lange niemand wahrhaben wollte: Der Freizeitpark ist eine Fehlinvestition und wird langfristig Millionen an Subventionen benötigen.Für 2012 und 2013 sind im Doppel-Haushalt schon die nächsten Zuschüsse vorgesehen, fast 20 Millionen Euro.

Ministerpräsident Beck hat das Desaster lange schöngeredet, träumte bei der Vorstellung des Betreiberkonzepts im März 2010 noch von bis zu 1000 neuen Arbeitsplätzen. Es gebe keine Belastung für den Steuerzahler. Erst in der vergangenen Woche gestand auch er ein: "Man kann jetzt nicht erwarten, dass sich der gesamte Nürburgring plötzlich selbst trägt. Das tut er auch in Zukunft nicht." Die Aussage ist das Eingeständnis eines Scheiterns.

Ehemalige Kabinettsmitglieder bestätigen gegenüber SPIEGEL ONLINE hinter vorgehaltener Hand, dass Beck die Pläne für den Ring-Ausbau stets unterstützte. Nach außen verweist Beck freilich stets auf die Ressortkompetenz der zuständigen Minister. Auch jetzt verfolgt der Regierungschef konsequent seine Linie weiter: Abtauchen und schweigen, wenn es Ärger gibt. Das Betreiberkonzept vor zwei Jahren stellte er noch selbst vor, heute schickte er nach der Kabinettssitzung andere in die Pressekonferenz - seine Vize-Ministerpräsidentin Lemke, seinen Finanzminister Carsten Kühl (SPD) und seinen Innenminister Lewentz, in dessen Ressort der Ring angesiedelt ist. Lewentz hat nun die unangenehme Aufgabe, das Chaos an der Rennstrecke aufzuräumen.

Die Probleme, die der Innenminister nun abzuarbeiten hat, sind groß. Mit den aktuellen Betreibern zeichnet sich ein teurer Rechtsstreit ab: Ist die Kündigung wirksam? Muss die NAG Millionen an ausstehender Pacht zahlen? Bekommt das Land von der NAG das Geld für die Mitarbeiter, die die landeseigene Nürburgring GmbH der NAG überlassen hat? All das sind Rechtsfragen mit ungewisser Antwort.

Viel drängender ist für die Region die Frage, was aus den Mitarbeitern der NAG wird. Diese hatte ohnehin Entlassungen angekündigt. Es gibt nur wenige, die noch glauben, dass der monströse Park im Niemandsland überhaupt wirtschaftlich zu betreiben ist.

Sicher ist nur: Den Ring neu aufzustellen, wird Zeit und Geld kosten. Doch erst einmal muss das Land die Trennung von den derzeitigen Pächtern hinbekommen. Die beenden ihr Schreiben an die Mitarbeiter mit einer Kampfansage: "Aber seit heute ist klar: es geht weiter am Ring wie bisher. Und: wir bleiben an Bord."

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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
jules16v 07.02.2012
1. Die GRÜNEN?
Zitat von sysopMonatelang zankten sich das Land Rheinland-Pfalz und die privaten Pächter des Nürburgrings, jetzt*hat das Land den Betreibern gekündigt. Doch die drohen im Gegenzug mit juristischen Schritten - und die Grünen denken sogar über einen "Rückbau" an der Rennstrecke nach.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,813878,00.html
Heute ist doch gar nicht der erste April!
fort-perfect 07.02.2012
2. Ich bin der Meinung,
Zitat von sysopMonatelang zankten sich das Land Rheinland-Pfalz und die privaten Pächter des Nürburgrings, jetzt*hat das Land den Betreibern gekündigt. Doch die drohen im Gegenzug mit juristischen Schritten - und die Grünen denken sogar über einen "Rückbau" an der Rennstrecke nach.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,813878,00.html
das Beck und Konsorten für die finanziellen Verluste des Nürburgring Abenteuers persönlich gerade stehen müssen. Schliesslich haben sie ja in geradezu verschwendungssüchtiger Manier die ganzen Steuergelder (also nicht das eigene Geld) in der EIfel versenkt! Und das obwohl schon gesunder Menschenverstand ausgereicht hätte, um zu erkennen, dass mit dem Ausbau des Nürburgringes ein bodenloses Fass aufgemacht wird! Da drängt sich doch direkt die Frage auf, wer hat an diesen Geschäften denn alles verdient? Und wie steht denn die Frau Nahles eigentlich zu dieser Nürburgring Geschichte? Man munkelt ja so einiges darüber? Und wie weit hatte die CDU Opposition denn ebenfalls die Finger darin? Der Beck war mit Sicherheit schlau genug, seinen sogenannten politischen Gegner mit ins Boot zu nehmen.....
SPViper 07.02.2012
3. Unglaublich......
Es ist einfach unglaublich!! Da werden Millionen an Steuergelder einfach versenkt, und in der nationalen Presse wird dieser Vorgang nur mit einer Fußnote gewürdigt. Dieser Moloch aus Inkompetenz und Verschleierungstaktik der Kurt Beck SPD stinkt zum Himmel. Aber warum sich mit solchen Problemen beschäftigen wenn es doch mit „Bobbygate“ im Schloß Bellevue wichtigere Betätigungsfelder für den investigativen Journalisten gibt.
Schampusfüralle 07.02.2012
4. Schluss damit
Wieviel Geld soll da noch verbrannt werden, von raffgierigen Investoren und unfähigen Politikern? Gebt den Ring in die Hände von Leuten,die mit Herzblut und nicht mit dem Taschenrechner an die Sache gehen. Und reisst die verdammten FIA Zäune wieder ab :)
Kalaschnikowa 07.02.2012
5. Wow
Zitat von fort-perfectdas Beck und Konsorten für die finanziellen Verluste des Nürburgring Abenteuers persönlich gerade stehen müssen. Schliesslich haben sie ja in geradezu verschwendungssüchtiger Manier die ganzen Steuergelder (also nicht das eigene Geld) in der EIfel versenkt! Und das obwohl schon gesunder Menschenverstand ausgereicht hätte, um zu erkennen, dass mit dem Ausbau des Nürburgringes ein bodenloses Fass aufgemacht wird! Da drängt sich doch direkt die Frage auf, wer hat an diesen Geschäften denn alles verdient? Und wie steht denn die Frau Nahles eigentlich zu dieser Nürburgring Geschichte? Man munkelt ja so einiges darüber? Und wie weit hatte die CDU Opposition denn ebenfalls die Finger darin? Der Beck war mit Sicherheit schlau genug, seinen sogenannten politischen Gegner mit ins Boot zu nehmen.....
Etwa eine halbe Milliarde Euro hat die Landesregierung von Rheinland-Pfalz in den vergangenen zwei Jahrzehnten an der Rennstrecke versenkt! Wusste gar nicht, dass Rh-Pf ein so reiches Bundesland ist!!! Der arme Herr Beck......das wird teuer!
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