"Zeitbombe im Herzen Europas": "Economist"-Titelblatt verärgert Frankreich
Das Wirtschaftsmagazin "The Economist" hat mit seiner aktuellen Titelgeschichte den Zorn der französischen Regierung auf sich gezogen: Unter der Überschrift "Zeitbombe im Herzen Europas" sind Baguettes abgebildet, die wie Dynamit zusammengebunden und mit einer brennenden Zündschnur versehen sind.
Paris - Da verstehen die Franzosen keinen Spaß: Das Titelblatt des renommierten britischen Wirtschaftsmagazins "The Economist" hat in Paris geradezu einen Sturm der Entrüstung entfacht. Der französische Industrieminister Arnaud Montebourg verglich das Blatt am Freitag gar mit der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo", die im September mit dem Abdruck von Mohammed-Karikaturen für Aufregung gesorgt hatte.
Dabei scheint die Illustration vergleichsweise harmlos: Auf der Titelseite der neuen "Economist"-Ausgabe sind unter der Überschrift "Zeitbombe im Herzen Europas" sieben Baguettes abgebildet, die mit einem Band in den französischen Landesfarben Blau-Weiß-Rot zusammengebunden sind - ganz wie Dynamitstangen, versehen mit einer brennenden Zündschnur. Im Innenteil legt das einflussreiche Magazin auf 14 Seiten dar, dass Frankreich angesichts seiner Staatsverschuldung und Wirtschaftsprobleme zur "größten Gefahr" für den Euro werden könnte.
Französischer Unternehmerverband: "Vollkommen übertrieben"
"Ganz ehrlich, 'The Economist' hat sich nie durch einen Sinn für Maßhalten ausgezeichnet", sagte Montebourg dem französischen Sender Europe 1. Das Magazin sei "der 'Charlie Hebdo' für die City", fügte er unter Verweis auf das Londoner Finanzviertel hinzu. Bereits am Donnerstag hatte Premierminister Jean-Marc Ayrault dem Sender iTélé gesagt, das Magazin wolle mit "Übertreibungen" Auflage machen, könne Frankreich damit aber nicht beeindrucken.
Die Präsidentin des französischen Unternehmerverbands Medef, Laurence Parisot, kritisierte die Titelgeschichte des "Economist" am Freitag als "vollkommen übertrieben". Das Magazin sei zudem zeitlich hinterher, weil die Geschichte vor der Vorstellung des sogenannten Gallois-Berichts über Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit und den daraufhin von der Regierung beschlossenen ersten Maßnahmen recherchiert worden sei, sagte Parisot dem Sender RMC.
Der frühere Chef des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS, Louis Gallois, hatte Anfang vergangener Woche Vorschläge gemacht, wie Frankreichs kriselnde Wirtschaft wieder fit für den internationalen Wettbewerb gemacht werden könne. Einen Tag später stellte die sozialistische Regierung in Paris Maßnahmen für mehr Wettbewerbsfähigkeit vor, in erster Linie Milliardenentlastungen für Unternehmen.
nck/AFP
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