Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Frauen in Führungspositionen: Siemens-Chef Kaeser offen für gesetzliche Quote

Von

Siemens-Chef Kaeser: Lange Zeit gegen Frauenquote, jetzt offen für Gesetz Zur Großansicht
Getty Images

Siemens-Chef Kaeser: Lange Zeit gegen Frauenquote, jetzt offen für Gesetz

Siemens reduziert den Frauenanteil im Vorstand von 20 Prozent auf null - nun bringt ausgerechnet Joe Kaeser nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen eine gesetzliche Frauenquote ins Spiel. Wenn die Unternehmen es nicht freiwillig schaffen, muss man in diese Richtung denken, sagt der Konzernchef.

Hamburg - Siemens-Chef Joe Kaeser hat sich offen für eine gesetzliche Frauenquote in der Wirtschaft gezeigt. Er habe es zwar lange nicht für sinnvoll gehalten, für Frauen einen Mindestanteil an Führungspositionen festzuschreiben, sagte Kaeser nach Informationen von SPIEGEL ONLINE auf einem Netzwerktreffen deutscher Top-Managerinnen am Dienstagabend in München. "Wenn die Unternehmen das aber nicht selbst schaffen, sollte man in die Richtung denken, ob man das nicht gesetzlich regelt", fügte Kaeser hinzu. Der Konzern bestätigte die Äußerung des Vorstandschefs.

Die Aussage überrascht aus mehreren Gründen. Erstens wehrt sich insbesondere die deutsche Industrie bislang dagegen, sich vom Gesetzgeber feste Quoten für Frauen in Top-Positionen vorschreiben zu lassen. Sie setzt stattdessen auf freiwillige Vereinbarungen zur Frauenförderung wie jene im Jahr 2001 zwischen Wirtschaft und Bundesregierung getroffene, die inzwischen allerdings als gescheitert gilt. In diesem Zusammenhang hat das Wort des Siemens-Chefs durchaus Gewicht.

Erstaunlicher ist Kaesers Aussage jedoch vor dem Hintergrund der Entwicklung in seinem eigenen Haus. Erst vor kurzem, Anfang August, war der frühere Finanzvorstand als Nachfolger des glücklosen Peter Löscher an die Siemens-Spitze gerückt. Zu diesem Zeitpunkt wies der Konzern noch einen vergleichsweise hohen Frauenanteil in einem Dax-Vorstand von 20 Prozent auf - ab Dezember jedoch wird der auf null sinken: Mit der für den Einkauf zuständigen Barbara Kux wird dann die letzte Frau aus dem Siemens-Vorstand scheiden, nachdem Brigitte Ederer bereits Ende September als Personalvorstand gehen musste. Im Aufsichtsrat des Konzerns besetzen Frauen ein Viertel der Posten - drei der fünf weiblichen Mitglieder kommen allerdings von der Arbeitnehmerseite.

Auf sieben Ingenieure kommt eine Ingenieurin

Löscher hatte im Sommer 2008, kurz nach seinem Amtsantritt, kritisiert, der Siemens-Vorstand sei ihm "zu weiß, zu deutsch, zu männlich". Dass die Top-Riege des Münchner Konzerns nun bald wieder ausschließlich aus Männern bestehen wird, brachte Siemens daher in den vergangenen Wochen kritische Schlagzeilen ein, zumal der Umbau auch als bewusste Abkehr von Löschers Vorstellungen gewertet wurde.

Zwar stand der Abgang von Barbara Kux bereits seit mehr als einem Jahr fest, und Ederers Abschied dürfte ihrem schlechten Verhältnis zu den Arbeitnehmervertretern geschuldet gewesen sein. Doch anstatt die Ausscheidenden durch andere Frauen zu ersetzen, verkleinerte der Konzern sein Top-Gremium.

Immerhin habe Siemens Chart zeigen den Anteil der Frauen in den Führungsebenen unterhalb des Vorstands seit dem Jahr 2011 von zehn auf nun zwölf Prozent erhöht, argumentiert der Konzern. Zudem fördere Siemens Frauen seit Jahren mit diversen Mentoring-Programmen und versuche, Mädchen für technische Berufe zu begeistern.

Auch Kaeser verwies bei seiner Rede vor den Top-Managerinnen darauf, dass nur jeder achte Ingenieur in Deutschland weiblich sei - für ein Technologieunternehmen wie Siemens sei dies das Kernproblem bei der Frauenförderung. Man müsse sich daher früher um weiblichen Nachwuchs bemühen und ihn stärker unterstützen. Außerdem müssten sich die gesellschaftlichen Werte ändern. Dazu gehöre auch, dass deutsche Unternehmen Angebote entwickeln, die es Frauen ermöglichen, Familie und Beruf zu vereinbaren.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Aha?
papperlapapa 25.10.2013
Jeder wird doch dann davon ausgehen, dass die Dame nur im Vorstand aufgrund der Frauenquote ist - und nicht, weil sie die Richtige für den Job ist. Wenn die Unternehmen es nicht freiwillig tun, dann zwingen wir sie? Das halte ich für kontraproduktiv.
2.
scxy 25.10.2013
Dazu gehöre auch, dass deutsche Unternehmen Angebote entwickeln, die es Frauen ermöglichen, Familie und Beruf zu vereinbaren. "..., die es bspw. Eltern junger Kinder oder Angehörigen von Pflegebedürftigen ermöglichen, Familie und Beruf zu vereibaren." Dieser Formulierung würde ich womöglich glauben. Dem originalen Text sieht man an, dass er zum Scheitern verurteilt ist. Er zementierte ungleiches gesellschaftliches Denken und schafft bestenfalls neues Unrecht.
3.
genlok 25.10.2013
Aha, eine Frau auf 8 Ingenieure. In meinem Studienfach (Informatik) waren es 1 auf 30. Das ist doch das Problem, und nach all dem Gefördere und Gementors kriegt man diieses Verhältniss trotzdem nicht gekippt, weil es schon Gymnasium anfängt. Ingieursfrauen haben es einfach, sie müssen nur die schlauste von den Frauen sein um nach vorne zu kommen. Als Mann muss man schlauer sein als die anderen 90% der Belegschaft. Scheinbar reicht es trotzdem nicht das Interesse der Frauen zu wecken. Nun vielleicht sollte man dann mal realisieren, dass Geschlechterquoten nicht überall angebracht sind. Wenn die Damen sich schon nicht für MINT interessieren, sollte man ihnen auch nicht die Chefposten hinterherwerfen
4. optional
großwolke 25.10.2013
Diese ganze Diskussion wird viel zu hektisch geführt. Maßnahmen wie die Förderung bestimmter Zielgruppen brauchen vor allem eines: Zeit! Wenn schon Quote, dann doch bitte so, dass die geförderte Klientel auch die Zeit bekommt, in die zugedachten Rollen reinzuwachsen. DAX-Konzerne haben in der Akademikerlaufbahn sicher im Mittel so an die 6 bis 7 Führungsebenen zwischen der Einstiegsposition und dem CEO. Wenn eine Riesenbude wie Siemens da 2011 angefangen hätte, ernsthaft was zu tun, hätten selbst solche Kandidatinnen, die schon die Hälfte des Weges hinter sich gebracht haben, noch ein gutes Stück Weg vor sich. Von den Anfängerinnen, die 2001, mit dem Abschluss der freiwilligen Selbstverpflichtung der Industrie, in die Spur gegangen sind, braucht man da noch mindestens zehn Jahre lang nicht zu reden. Man braucht sich noch nicht einmal fragen, woher die idiotische Fixierung auf die Top30 Unternehmensriesen in der deutschen Wirtschaft kommt, um die es in dieser Diskussion immer wieder geht. Man muss sich einfach nur mal mit gesundem Menschenverstand den Ablauf einer Karriere auf der Überholspur ansehen, um zu begreifen, dass bis dato einfach noch nicht viel Messbares herausgekommen sein KANN. Wenn unbedingt eine Quote kommen muss, dann vielleicht eher sowas wie 5 % alle 5 Jahre bis zum Errechen der angestrebten Zielquote in 30 Jahren. Je nach Anzahl der Vorstände eines Unternehmens müsste da rein rechnerisch in den ersten ein bis zwei Runden ja noch nichtmal was Zählbares rauskommen. Das nur um die Zahl der betroffenen Jobs nochmal so ein bisschen zu illustrieren...
5. Jetzt wird es ernst.
kettbach 25.10.2013
Das waren bisher nur Kleinigkeiten: Dass man seit Jahren nicht in der Lage ist, bestellte Hochtechnologie ICE's zu liefern, dass mit der Nukleartechnik ein Kernbereich der Kompetenz verlorengehangen ist, dass die innovationspipeline seit Jahren leer ist, dass man Aufträge nur durch Bestechung bekommen konnte, dass die Führungsmannschaft seit vielen Jahren chaotisch wirkt und dass der Aktienkurs für Investoren zum Jammern ist. Jetzt hat der Mitverantwortliche für diesen Zustand, der Herr Käser, das Thema Quote gefunden, das auf den Nägeln brennt. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass hier einer sich noch ein paar Jahre durchwursteln will bevor er sich als leitender Angestellter mit Abfindung in ein Niedrigsteuerland zurückziehen möchte, dann haben wir ihn hier. Ernstfall: Aktien so schnell wie möglich verkaufen!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: