Top-Rating in Gefahr Spekulanten wetten gegen Frankreich

Frankreich droht der Verlust seines Top-Ratings - und die Märkte reagieren sofort: Das Land muss für seine Schulden so hohe Zinsen zahlen wie seit Jahren nicht mehr, die entsprechenden Risikoaufschläge klettern auf einen Rekordwert.

Pariser Bankenviertel La Defense: Große Kursverluste bei französischen Geldinstituten
DPA

Pariser Bankenviertel La Defense: Große Kursverluste bei französischen Geldinstituten


Paris - Frankreich gerät ins Visier von Spekulanten. Erst droht die Rating-Agentur Moody's, dem Land seine Top-Bonität zu entziehen, jetzt reagieren die Märkte: Die Risikoprämien für französische Staatsanleihen sind auf den höchsten Wert seit mehr als zehn Jahren gestiegen. Das heißt: Die Regierung in Paris muss für neue Schulden, die sie an den Märkten aufnimmt, höhere Zinsen zahlen als bisher.

Für Papiere mit einer Laufzeit von zehn Jahren etwa musste das Land einen kräftigen Aufschlag zahlen. Zeitweise betrug dieser Aufschlag 107 Basispunkte - das entspricht 1,07 Prozent - im Vergleich zu deutschen Staatsanleihen.

Laut der Finanznachrichtenagentur Bloomberg ist das der höchste Wert seit Einführung des Euro. Während des vergangenen Jahrzehnts pendelte der Abstand zwischen den deutschen und französischen Renditen stets um die Marke von 20 Basispunkten. Laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" musste Frankreich zuletzt im Jahr 1995 so viel mehr für Zehn-Jahres-Anleihen zahlen als Deutschland.

Deutliche Kursverluste der französischen Banken

Auch die Aktienmärkte leiden unter der Sorge um die französische Kreditwürdigkeit. Der Dax Chart zeigen fiel um ein halbes Prozent, der EuroStoxx 50 Chart zeigen um rund ein Prozent. In Paris verlor der Leitindex CAC 40 rund zwei Prozent. "Der Markt ist jetzt wieder sehr nervös", sagte ein Händler in Frankfurt. Die größten Verluste gab es bei den französischen Banken: BNP Paribas Chart zeigen verloren mehr als sechs Prozent, Société Générale Chart zeigen brachen sogar um mehr als sieben Prozent ein. Aber auch die Titel der Deutschen Bank Chart zeigen verloren knapp drei Prozent.

Am Montag hatte die Rating-Agentur Moody's bekanntgegeben, dass sie unter Umständen die Top-Note für die Kreditwürdigkeit Frankreichs überprüfen wolle. Durch die Belastungen der Finanzkrise habe das Land an Stärke verloren. Frankreich ist die zweitgrößte Wirtschaftsmacht Europas nach Deutschland.

Bereits jetzt sei die Schuldensituation des Landes prekärer als in den meisten anderen Ländern mit "AAA"-Bewertung, erklärte Moody's. In den kommenden Monaten könnte die Rating-Agentur daher den Ausblick für Frankreich senken. Sollte sich die Finanzlage des Landes nicht bessern, droht letztlich der Verlust der Bestnote.

Die Experten des Rating-Riesen mahnen die Regierung in Paris zu groß angelegten Reformen, sowohl in wirtschaftlicher als auch in haushaltspolitischer Hinsicht. In einer ersten Reaktion beschwichtigte Frankreichs Finanzminister François Baroin, man sei beim Staatsetat auf einem guten Weg - gleichzeitig musste Baroin allerdings zugeben, dass die Wachstumsprognose von 1,75 Prozent für das kommende Jahr nicht zu halten sein werde. Sogar die Marke von 1,5 Prozent Wachstum könnte laut dem Finanzminister verfehlt werden.

"Wir werden alles tun, um nicht herabgestuft zu werden", sagte Baroin am Dienstag im Fernsehsender France 2. Der Finanzminister verwies auf "Strukturreformen" der Regierung. So müssen die Franzosen künftig länger arbeiten, bis sie in Rente gehen können, zudem kürzt der Staat Beamtenstellen. Im kommenden Jahr will die Regierung mit einem Bündel an Maßnahmen um elf Milliarden Euro verringern.

Falls im kommenden Jahr allerdings die 1,5-Prozent-Marke beim Wachstum unterschritten werde, müssten wiederum neue Sparmaßnahmen getroffen werden, kündigte der Finanzminister an.

fdi/dpa-AFX/Reuters/AFP

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Seite 1
Baikal 18.10.2011
1. und die Märkte reagieren sofort..
Zitat von sysopFrankreich*droht der Verlust seines Top-Ratings - und die Märkte reagieren sofort: Das Land muss für seine Schulden so hohe*Zinsen zahlen wie seit Jahren nicht mehr, die entsprechenden Risikoaufschläge klettern auf einen Rekordwert.*Die Börsenkurse rutschen ins Minus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792466,00.html
. aber das hat natürlich nichts mit einem etwa abgestimmten Verfahren zur Befgriedigung der Profitgier zu tun, nein, da klären nur die "märkte" auf ihre bekannte, effektive Art die Probleme auf und die Banken reagieren ebenso effektiv im Sinne der Marktkräfte - nein, sie müssen es sogar, sonst könnten ja die Investoren beleidigt sein. Oh Gott!
Chris110 18.10.2011
2. unsinnige headline
Die headline ist wirklich unsinnig und stupide. Ich rege wirklich dringend an, dass sich SPON eine kompetente Wirtschaftsredaktion zulegt. Dieser Unsinn ist schwer zu ertragen, und hat immer einen Hauch von Linksnostalgie: Überall sitzen böse "Spekulanten", die mit Lebensmitteln und allem Möglichen spekulieren. Das neue, alte Feindbild: Der Spekulant. Wie einfältig, wie kindisch. Spekulanten spekulieren lediglich auf fundamentale Entwicklungen, die völlig OHNE sie selbst ablaufen. Ich erinnere an die Spiegel-Reihe: - Spekulanten treiben den Ölpreis. - Warum Spekulanten den Ölpreis nicht treiben. Das war echt köstlich seinerzeit.
Anarchoatheist 18.10.2011
3. Welche Zecken der Gesellschaft wagen es eigentlich gegen die gesamte Welt zu wetten?
Ich kann diese Nachrichten eigentlich nicht mehr ertragen. Es ist schlicht verantwortungslos und zeugt von einer unglaublichen Lust am Verfall, wenn eine europäische Nation der anderen über die Klinge springen muss. Auch ökonomische Akteure sollten sich der Externalitäten und Auswirkungen ihrer Handlungen bewusst sein. Was maßt sich eine Rating-Agentur in der GEGENWÄRTIGEN Situation weitere Eurostaaten ins Schwanken zu bringen? Ist das scheitern der Währungsunion etwa gewollt? Ist das der Lohn für deregulierte Märkte und Abschaffung von Protektionismus? Wenn sich das Verhalten der Finanzindustrie und der Rating-Agenturen im Speziellen so weiterentwickelt werden bald sehr viel mehr Menschen auf der Straße sein, als am letzten Wochenende.
markus1907, 18.10.2011
4. Ein Drama!
Zitat von sysopFrankreich*droht der Verlust seines Top-Ratings - und die Märkte reagieren sofort: Das Land muss für seine Schulden so hohe*Zinsen zahlen wie seit Jahren nicht mehr, die entsprechenden Risikoaufschläge klettern auf einen Rekordwert.*Die Börsenkurse rutschen ins Minus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,792466,00.html
Der zweite Akt der europäischen Tragödie hat begonnen. Jetzt stellt sich die Frage, wann die Bundesrepublik ins Visier der Finanzmärkte gerät.
the_flying_horse, 18.10.2011
5. Wer regiert uns eigentlich?
Wenn ich diese ganzen Meldungen um Bewertungen, Ratingagenturen usw. in der letzten Zeit so verfolge, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, die Banken und Ratingagenturen proben gerade die Übernahme der Weltherrschaft. Was haben denn die einzelnen Staaten noch für ein Mitspracherecht bzw. für eine Kontroll- oder Eingriffsmöglichkeit? Da stuft eine Agentur ein Land willkürlich herunter und ganze Volkswirtschaften sind bedroht, inkl. der einzelnen Menschen. Wer regiert uns eigentlich? Und wann knallt es mal richtig? Ich glaube nicht, dass diese Spielchen der Banken und Ratingagenturen noch lange gut gehen werden; irgendwann wird es auch in unseren Ländern zu Aufständen kommen. Merkt von denen eigentlich keiner, was da abgeht?
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