Transparency International Somalia hält den Korruptionsrekord

Es ist ein globales Ranking der Bestechung: Die Organisation Transparency International nennt in ihrem Jahresbericht die korruptesten Staaten der Welt. Neben Somalia schneidet auch Afghanistan miserabel ab. In Europa trifft es Bulgarien, Griechenland und Rumänien.


Berlin - Die Organisation Transparency International (TI) hat den mangelnden Kampf gegen Korruption in zahlreichen Ländern beklagt. In der Mehrheit der 180 untersuchten Staaten sei Bestechung nach wie vor ein weit verbreitetes Übel, erklärt die Organisation in ihrem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Jahresbericht.

Demnach rangiert Afghanistan auf dem vorletzten Platz, noch korrupter ist nur der ostafrikanische Staat Somalia. Zu den Schlusslichtern gehören außerdem der Irak, der Sudan und Burma. Sie erhielten auf einer Skala von null bis zehn Noten unter 1,5.

Am besten schneiden Neuseeland (9,4), Dänemark (9,3), Singapur und Schweden (9,2) sowie die Schweiz (9) ab. Auch Deutschland und Österreich gehören laut TI mit den Noten 8 und 7,9 zu den Ländern mit einer vergleichsweise geringer Korruption.

Unter den 27 EU-Staaten bilden Bulgarien, Griechenland und Rumänien mit einer Einstufung von 3,8 die Schlusslichter. Auch Italien wird als besonders korrupt bewertet: Mit einer Note von 4,3 liegt das Land hinter dem EU-Beitrittskandidaten Türkei (4,4).

Korruption durch die Wirtschaftskrise "erheblich erhöht"

Die TI-Vorsitzende in Deutschland, Sylvia Schenk, sieht das Risiko für Korruption durch die Wirtschaftskrise "erheblich erhöht". "Es geht immer mehr Unternehmen darum, sich um jeden Preis Aufträge zu sichern. Da wird dann eben nicht mehr danach gefragt, wie ein solcher Auftrag erlangt wird", sagte sie am Dienstag im Deutschlandfunk.

Schenk forderte die Bundesregierung zu einer "geschlossenen Strategie" bei der Korruptionsbekämpfung auf. Im Koalitionsvertrag fehle ein Anti-Korruptions-Register, mit dem auffällige Firmen von Auftragsvergaben ausgeschlossen werden können.

"Wir hinken international hinterher"

Die Transparency-Chefin verlangte auch ein neues Gesetz gegen Abgeordnetenbestechung. "Bislang ist nur der reine Stimmenkauf strafbar, alles andere nicht." Der Bundesgerichtshof habe den Gesetzgeber bereits zum Handeln aufgefordert. "Hier hinken wir international hinterher, das ist peinlich."

Transparency International ist eine gemeinnützige Organisation zur Bekämpfung von Korruption in Behörden und Unternehmen. Sie setzt sich international für hohe ethische Standards im Geschäftsleben ein. TI will Bündnisse aus Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft schmieden, um Korruption einzudämmen. Die in knapp hundert Ländern aktive Organisation finanziert sich aus Beiträgen von Stiftungen, Firmen, Regierungsinstitutionen und Spenden.

Gegründet wurde die Organisation 1993 vom früheren Weltbank-Direktor Peter Eigen. Als seine Nachfolgerin führt die Kanadierin Huguette Labelle die Organisation. Sitz des Internationalen Sekretariats ist Berlin.

fro/AFP/dpa-AFX

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