EZB-Sitzung in Barcelona: Euro-Wächter im Zentrum der Krise

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Tausende Polizisten mussten Europas Notenbanker schützen: Die Währungshüter hatten sich ausgerechnet Barcelona ausgesucht, um über Krisenmaßnahmen zu diskutieren.

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Polizeikräfte in Barcelona: Draghi und seine Kollegen mussten geschützt werden

Hamburg - Passender hätte der Ort für die jüngste Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) kaum sein können: Ausgerechnet im spanischen Barcelona - einer Hauptstadt der Euro-Krise - trafen sich die Währungshüter am Donnerstag, um über Leitzinsen und Geldversorgung zu diskutieren. Dass sie dabei von 8000 Polizisten beschützt werden mussten, zeigt, wie tief die EZB mittlerweile selbst in dieser Krise drinsteckt.

Offiziell hört sich das alles ganz anders an. Da versuchen sowohl EZB-Präsident Mario Draghi als auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann seit Monaten, den Ball der Politik zuzuspielen. "Unsere Hauptaufgabe bleibt es, mittelfristig Preisstabilität zu gewährleisten", sagte Draghi nach dem Notenbanktreffen am Donnerstag. Dies sei der beste Weg, um Wachstum zu stärken. Der Rest sei Sache der Politik.

Tatsächlich ist die EZB längst Teil der Rezessionsbekämpfung - und wird in Zukunft womöglich noch stärker eingebunden werden. Damit folgt sie einem Weg, den andere Notenbanken schon vor ihr gegangen sind. Die amerikanische Fed ist - anders als die EZB - ohnehin schon der Beschäftigungsförderung verpflichtet und legt diesen Auftrag in der Krise sehr weit aus. Auch die japanische Zentralbank steht unter gewaltigem Druck der Regierung, ihre Aufkaufprogramme für Staatsanleihen auszuweiten und so die gewaltigen Schulden des Landes zu finanzieren. Und selbst die altehrwürdige Bank of England soll künftig im Krisenfall unter der Kontrolle des Finanzministeriums stehen.

Innerhalb der EZB wehrt sich vor allem Bundesbank-Chef Weidmann dagegen, dass die Notenbank einen ähnlichen Weg geht und die Aufgabe der allgemeinen Krisenbekämpfung von der Politik übernimmt - bisher jedoch mit mäßigem Erfolg.

Draghi setzt auf die "Dicke Bertha"

Denn auch die EZB betreibt schon seit Jahren aktive Krisenpolitik, die nicht hundertprozentig mit ihrem Mandat der reinen Inflationsbekämpfung vereinbar ist. Seit Mai 2010 hat sie europäische Staatsanleihen im Volumen von insgesamt 214 Milliarden Euro am Markt aufgekauft, um die Zinsen für Krisenstaaten wie Spanien, Portugal oder Italien zu drücken. Die Geschäfte sind hoch umstritten. Denn laut ihren Statuten darf die Notenbank keine Staatsfinanzierung betreiben. Seit Ende 2011 hat die EZB denn auch kaum neue Anleihen gekauft.

Stattdessen setzt Notenbank-Präsident Draghi mittlerweile auf die "Dicke Bertha" - in Anlehnung an ein Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg werden so in der Finanzbranche die üppigen Geldspritzen genannt, die die EZB den Banken seit Dezember zwei Mal verabreicht hat. Insgesamt hat sie den Instituten dabei mehr als eine Billion Euro zum Minizins von einem Prozent geliehen - und das für drei Jahre.

Einen Großteil des Geldes ging an die Banken in den Krisenländern - und die wiederum kauften dafür heimische Staatsanleihen, die sonst kaum einer mehr will. Allein im März zogen internationale Anleger spanische Papiere im Volumen von 20 Milliarden Euro ab. Im Gegenzug stockten die inländischen Banken ihre Bestände fast in gleicher Höhe auf. Sie halten mittlerweile heimische Anleihen im Wert von rund 260 Milliarden Euro - Ende 2011 waren es noch knapp 180 Milliarden Euro gewesen.

Die Geldflut der EZB hat die Lage am Anleihenmarkt aber nur kurz beruhigt. Zuletzt sind vor allem die Risikoaufschläge für spanische und italienische Papiere wieder deutlich gestiegen. Die Rating-Agentur Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit Spaniens zurück. Vor allem die Banken des Landes stecken in tiefen Schwierigkeiten. Sie sitzen auf einem Berg fauler Immobilienkredite und brauchen nach Berechnungen der spanischen Notenbank mindestens 50 Milliarden Euro. An den Märkten wird sogar mit deutlich mehr gerechnet.

Kritiker fordern mehr Einsatz von der EZB

In der Finanzbranche werden deshalb bereits wieder Rufe laut, die EZB solle mit langfristigen Krediten bei Banken einspringen, doch die Notenbanker wehren solche Ansinnen bisher ab. Die EZB habe mit ihren Geldspritzen an die Banken "dazu beigetragen, eine große Kreditklemme zu verhindern", antwortete Draghi am Donnerstag auf die entsprechende Frage einer spanischen Journalistin. Mehr gebe es dazu nicht zu sagen.

Auch an anderer Front bekommen die Notenbanker Schwierigkeiten, ihre reine Lehre durchzuhalten. Grund dafür ist der sich abzeichnende Paradigmenwechsel innerhalb der europäischen Politik: Statt nur zu sparen, soll künftig auch das Wachstum in den Krisenländern angekurbelt werden. So fordert es etwa der aussichtsreiche französische Präsidentschaftskandidat François Hollande.

Draghi selbst hatte Hollandes Forderungen in der vergangenen Woche Auftrieb gegeben, als er von einem neuen "Wachstumspakt" sprach, der den sparbetonten Fiskalpakt ergänzen müsse. Doch erstens hat der italienische EZB-Präsident dies ganz anders gemeint als der französische Sozialist. Statt mit höheren Schulden die Nachfrage anzukurbeln will Draghi lieber Produkt- und Arbeitsmärkte öffnen und so die Angebotsbedingungen für Unternehmen verbessern. Und zweitens sieht sich die EZB bei solchen Aktionen ohnehin außen vor.

Ob es der Notenbank wirklich gelingt, sich rauszuhalten, ist fraglich. Experten wie der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sehen die Notenbank in der Pflicht, den Paradigmenschwenk der Politik zu begleiten. Wenn die Regierungen dazu übergingen, ihren Sparkurs zu mildern und die Maßnahmen zeitlich zu strecken, würden die Haushaltsdefizite dieser Staaten kurzfristig steigen, sagte Bofinger SPIEGEL ONLINE. "Da werden die Märkte nervös werden." Um sie zu beruhigen, müsse die Zentralbank dann massiv Staatsanleihen kaufen und so die Zinsen niedrig halten, sagte der Wirtschaftsweise. "Da wird man die EZB dringend brauchen."

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1. Denn sie wissen nicht, was sie tun...
bettercentury.blogspot 03.05.2012
oder doch? Ich bin mir nicht sicher, ob die Herrschaften wissen, dass ein Schuldgeldsystem wie das unserige aus mathematischen Gründen den Bach runtergeht. EGAL was man tut, um es zu retten. Und zwar weil jeder einzelne Euro als Kredit geschaffen wird. ich versuche es in aller kürze: die wurzel allen übels ist die geldschöpfung - also die prozesse, bei denen unser geld entsteht. geld entsteht bei uns nur in zwei prozessen: a) die zentralbank gibt einer geschäftsbank einen KREDIT b) eine geschäftsbank gibt einem kunden (unternehmen, privatperson) einen KREDIT. fällt ihnen etwas auf? wie eingangs gesagt, entsteht alles geld als KREDIT. für kredite sind ZINSEN zu zahlen. das geld für diese zinsen wurde aber nicht geschaffen und kann in der gesamtheit nur über neue kredite von den schuldnern aufgebracht werden. dies bedingt eine endlose verschuldungsspirale, die im crash des systems enden MUSS. wer mehr dazu wissen will, lese das: pnbc: geldschöpfung - ein unvollkommer prozess (http://bettercentury.blogspot.de/2011/12/geldschopfung-ein-unvollkommer-prozess.html) HINTERFRAGT DAS SCHULDGELSYSTEM!
2.
achim33 03.05.2012
Zitat von sysopFür Europas Notenbanker war es ein harter Zusammenprall mit der Realität: Beim ihrem Treffen in Barcelona mussten sie von Tausenden Polizisten geschützt werden. Offiziell tut die EZB noch immer so, als habe sie nichts mit der Krisenbekämpfung zu tun. Eine Haltung, die immer unglaubwürdiger wird. Treffen der EZB in Barcelona: Draghi redet über die Krise - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,831178,00.html)
zum titelbild ist noch zusagen, dass die zivicops vorher enttarnt wurden und deswegen so freizügig fotografiert werden konnten... bei uns gibts sowas natürlich nicht ;)
3. Es reicht
brux 03.05.2012
Die EZB zum Gelddrucken zu zwingen, ist weder legal noch wird es funktionieren. Die Herren und Damen in Italien, Frankreich, Spanien und Griechenland haben wohl vergessen, dass man sich eben nicht durch Inflation wettbewerbsfähig macht. Wäre es so, hätten sie ja jetzt keine Probleme. Ich jedenfalls will keine Währung, wo alle 10 Jahre ein paar Nullen auf den Banknoten dazukommen und man sich doch nichts damit kaufen kann. Deutschland sollte bald klarmachen, dass wir keine Mitläufer brauchen und uns auch anders aufstellen können. Der pädagogische Effekt wäre sicherlich immens.
4. D'oh
pansen 03.05.2012
Zitat von bruxDie EZB zum Gelddrucken zu zwingen, ist weder legal noch wird es funktionieren. Die Herren und Damen in Italien, Frankreich, Spanien und Griechenland haben wohl vergessen, dass man sich eben nicht durch Inflation wettbewerbsfähig macht. Wäre es so, hätten sie ja jetzt keine Probleme. Ich jedenfalls will keine Währung, wo alle 10 Jahre ein paar Nullen auf den Banknoten dazukommen und man sich doch nichts damit kaufen kann. Deutschland sollte bald klarmachen, dass wir keine Mitläufer brauchen und uns auch anders aufstellen können. Der pädagogische Effekt wäre sicherlich immens.
Ehm, werden die GIIPS wettbewerbsfähig, indem man sie zur Deflationierung zwingt?
5. Man will uns melken
MR68 03.05.2012
Europa hat den Euro bekommen - gegen den Willen der Mehrheit der Deutschen Bürger! Viele Länder haben davon profitiert, ihre Zinsen sanken. Und sie haben den Karren in den Dreck gefahren und die niedrigen Zinsen nur für mehr Schulden benutzt. Wir mußten uns dagegen anpassen, ea gab harte Einschnitte in Deutschland (Hartz IV...). Und jetzt verlangen unsere "Freunde", dass wir wieder für Sie zahlen sollen? Und das soll Solidarität sein? Wer nach mehr Schulden ruft, zertrümmert das Fundament der europäischen Einigung, Vertrauen wird zerstört, Ausbeutung und Betrug halten Einzug.
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Die Europäische Zentralbank
EZB
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist die gemeinsame Währungsbehörde der Mitgliedstaaten der Europäischen Währungsunion und bildet mit den nationalen Zentralbanken der EU-Staaten das Europäische System der Zentralbanken .
Europäischer Leitzins
Der von der Europäischen Zentralbank vorgegebene Leitzins legt fest, zu welchen Bedingungen sich Kreditinstitute Geld beschaffen und verleihen können.
Expansive Geldpolitik
Durch expansive Geldpolitik wird die verfügbare Geldmenge bei den Geschäftsbanken erhöht, um dadurch die Konjunktur anzukurbeln.
Geldwertstabilität
Ein Hauptziel der EZB ist die Geldwertstabilität , die vor allem mit Hilfe der Geldpolitik erreicht werden soll.

Die Aufgaben der Fed und der EZB
Der Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) ist im EU-Vertrag festgelegt. Dort heißt es: "Das vorrangige Ziel der EZB ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten." Zugleich soll die Notenbank die allgemeine Wirtschaftspolitik des Währungsraums unterstützen - allerdings nur soweit, falls hierdurch nicht das Ziel stabiler Preise beeinträchtigt wird. Durch diese Formulierung wird dem Ziel stabiler Preise Vorrang gegenüber weiteren Zielen eingeräumt.
Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich. Eine Aufgabe, die gerade in Zeiten starker Turbulenzen an den Finanzmärkten besonders wichtig ist.
Die US-Notenbank Federal Reserve Banks (Fed) sieht sich im Gegensatz zur EZB mehreren Aufgaben gegenübergestellt. Der Federal Reserve Act schreibt drei allgemeine Ziele vor: Demnach soll die Fed mit ihrer Geldpolitik sowohl eine "maximale Beschäftigung" als auch stabile Preise und langfristig moderate Zinsen gewährleisten. Ungeachtet der Tatsache, dass das Wachstumsziel in der Aufzählungsreihenfolge vor dem Ziel der Sicherung stabiler Preise rangiert, können sich aus diesem Zielkatalog Probleme ergeben. So hat das Preisniveau in den USA in den vergangenen Monaten merklich angezogen. Zugleich hat sich aber auch das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten seit dem Ausbruch der Hypothekenkrise im vergangenen Sommer erheblich abgeschwächt. Das Dilemma: Zur Sicherung der Preisstabilität müsste die Notenbank eigentlich die Leitzinsen anheben, angesichts der aktuellen Wachstumsschwäche wären hingegen Zinssenkungen angebracht. Wie ein Blick in die Vergangenheit und auch die jüngsten Entwicklung zeigt, misst die Fed im Zweifel dem Wachstumsziel eine höhere Bedeutung bei als dem Ziel stabiler Preise.

Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.