Trichet-Nachfolge Finnland verzichtet auf Kandidaten für Euro-Zentralbank

Finnland gibt sich im Ringen um den Spitzenposten bei der Europäischen Zentralbank geschlagen. Laut einem Zeitungsbericht will das Land keinen eigenen Kandidaten mehr stellen. Damit verbessern sich die Chancen des Italieners Mario Draghi.

EZB-Präsident Trichet: Wer beerbt den Euro-Zentralbankchef?
dpa

EZB-Präsident Trichet: Wer beerbt den Euro-Zentralbankchef?


Frankfurt am Main - Im Herbst soll der neue Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) sein Amt antreten - und so langsam dünnt sich die Kandidatenliste aus. Nach dem deutschen Bundesbank-Präsidenten Axel Weber soll nun auch der finnische Notenbankgouverneur Erkki Liikanen verzichten. Finnland habe erklärt, keinen Kandidaten für die Nachfolge des Ende Oktober ausscheidenden EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet zu stellen, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Das Rennen werde wohl zwischen Italien und Deutschland entschieden, sagte Finanzminister Jyrki Katainen der Zeitung. Nach Webers Verzicht sind die Chancen auf einen deutschen EZB-Präsidenten jedoch gesunken. Im Direktorium der Zentralbank sitzt noch Jürgen Stark. Denkbar wäre allenfalls, dass Deutschland auf eine Präsidentschaft Starks für dessen restliche Amtszeit dringt, was jedoch nicht als saubere Lösung gelte, schreibt die Zeitung.

Somit verbessern sich dem Bericht zufolge die Chancen des italienischen Notenbankgouverneurs Mario Draghi. Er habe aber mit dem Manko zu kämpfen, dass er aus einem traditionellen "Weichwährungsland" stammt und einst als Investmentbanker gearbeitet hat. Dafür sei seine fachliche Eignung unumstritten. Außenseiterchancen habe nach wie vor der Luxemburger Yves Mersch.

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Woolloomooloo 18.02.2011
1. Draghi würde passen...
die Entwicklung spiegelt sich an den Nationalitäten der EZB-Chefs. Niederländer - Franzose - Italiener - Ende Der Euro kann dann nur noch von einer neuen Treuhandanstalt abegwickelt werden.. Übrigens steigen die Erzeugerpreise lt. st. Bundesamt mit 5,7 %. Viel Spass weiterhin beim Gelddrucken...
deppvomdienst 18.02.2011
2. Es geht ums Prinzip
Mit dem nächsten EZB-Präsidenten werden die Weichen gestellt, ob die europäische Zentralbank tatsächlich von der Politik unabhängig und damit, ob der Euro eine starke oder eine weiche Währung wird. Entgegen aller Lippenbekenntnisse wäre es interessant zu erfahren, wer wirklich Interesse an einem starken Euro hätte und wer mit einem Euro, der gegenüber den anderen Währungen unseres Globus eher niedriger bewertet wäre, besser fahren würde. Im EU-Binnenmarkt ist es fast egal, ob weich oder hart. Dort zählen "nur" die Inflationsraten. Aber auch hierbei gehen die Interessen auseinander. Tendenziell ist es politisch einfacher, ungute Währungsentwicklungen weg zu inflationieren, als Kürzungen vorzunehmen oder Blasen platzen zu lassen, so dass sich die Geldmenge nominal vermindert, weil Wertberichtigungen / Abschreibungen anfallen. Wem nützt ein starker Euro, wertstabil und 1,70 US-$ teuer? Und wer würde besser fahren, wenn der Kurs zum Greenback in etwa um 1,20 US-$ pendelt und die Preise in den nächsten 2-10 Jahren um jährlich 3-4% steigen. In der Politik geht es nicht darum, was man sagt, sondern darum, was man tut. Der Deutsche Michel hätte gerne wieder Zinsen auf sein Sparbuch und möchte Lohnsteigerungen auf dem Konto sehen. Womöglich reicht es ihm dabei aus, wenn er behaupten kann, dass der Euro stark ist, auch wenn die objektiven Kriterien das nicht hergeben. Die Fakten sprechen für einen weichen Euro - auch wenn wir das nicht gerne wahrhaben möchten. Also muss sich die Personalfrage daran messen lassen, wer denn am Ehesten für ein solches Vorhaben taugt. Vermutlich ist ein Italiener nicht die schlechteste Wahl für ein derart schräges Unterfangen.
si_tacuisses 18.02.2011
3. Die Finnen
Zitat von sysopFinnland gibt sich im Ringen um den Spitzenposten bei der Europäischen Zentralbank geschlagen. Laut einem Zeitungsbericht*will das Land keinen eigenen Kandidaten mehr stellen. Damit verbessern sich die Chancen des*Italieners Mario Draghi. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,746267,00.html
wissen auch warum. Mit Draghi kommt die bereits fortgeschrittene Belusconisierung in EU zum Abschluß. Salve !
Clawog 18.02.2011
4. Nachfolger
Ein Experte aus einem der Pleite Ländern sind die "besten" Kandidaten,um die Zentralbank zu führen. Diese sind das Schuldenmachen ohne Skrupel gewöhnt. Dann wird sich sicher die Agonie für die EU deutlich verkürzen.
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