Troika-Gespräche Griechenland ringt um weitere Unterstützung

Schaulaufen der Sanierer: Den Haushältern der griechische Regierung bleibt nicht mehr viel Zeit, um die Geldgeber von IWF, EZB und EU von ihren Zahlen zu überzeugen. Dennoch kommen die Gespräche nur mühsam voran.

Parlamentsgebäude in Athen: Mühsame Verhandlungen
REUTERS

Parlamentsgebäude in Athen: Mühsame Verhandlungen


Athen - In Paris ringen die Emissäre der griechischen Regierung um weitere Unterstützung der Geldgeber. Auf mindestens drei Tage sind die Gespräche zwischen der griechischen Regierung und Geldgebern des Landes angesetzt. In dieser Zeit müssen die Haushälter darlegen, wie weit sie mit ihren Sparbemühungen gekommen sind. Der Druck ist beträchtlich: Schließlich geht es darum, ob Athen sein Programm zur Stabilisierung der Staatsfinanzen fortsetzen kann. Ohne Unterstützung aber wird das nicht gehen.

Eine Einigung mit der Geldgeber-Troika aus Internationalem Währungsfonds, EU und Europäischer Zentralbank ist Voraussetzung für weitere Gespräche darüber, wie Griechenland weiter unterstützt werden kann. Das aktuelle Stützungsprogramm läuft Ende des Jahres aus.

In den vergangenen Tagen waren Unstimmigkeiten zwischen Athen und der Troika aufgekommen, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des Finanzministeriums in Athen erfuhr. Die Troika sehe eine Lücke im Haushalt 2015 in Höhe von mindestens 2,5 Milliarden Euro und fordere Kürzungen unter anderem bei Renten, hieß es. Das Athener Finanzministerium sieht keinen Fehlbetrag im Etat und lehnt dies ab.

In Brüssel bereitet der schleppende Fortgang der Gespräche zunehmend Sorgen. Wenn es in Paris keine Einigung gebe, werde eine Kreditlinie, die eigentlich am 8. Dezember von der Euro-Gruppe beschlossen werden sollte, schwierig bis unmöglich werden, hieß es aus Kreisen der EU am Montag. In Athen dagegen zeigten sich hohe Beamte optimistisch, dass eine Lösung doch noch gefunden werden könne - "wenn auch im letzten Moment".

Zur Verhinderung neuer Finanzturbulenzen soll Griechenland von den Euro-Partnern die vorbeugende Kreditlinie bekommen. Sie wäre eine Art Finanzpolster, das vom Euro-Rettungsschirm ESM erstmals zur Verfügung gestellt wird.

mik/dpa

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insgesamt 30 Beiträge
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gisela.schwan 24.11.2014
1. Kein einziger gr. Beamter wurde entlassen
Die Griechen lachen über die deutsche Dusseligkeit. Und die dt. Medien haben tatkräftig geholfen mit ihren Schreckensmeldungen zu geplanten Beamtenentlassungen, die dann natürlich nie umgesetzt wurden.
buerger2013 24.11.2014
2. Komisch,
das verstehe ich jetzt aber nicht. Es ist höchstens Wochen her, da konnt ich hier lesen, dass Samaras verkündete, dass Griechenland keine Hilfe mehr von der EU benötige und sie sich auf dem kapitalmarkt selbst Geld besorgen können. Können sich wirtschaftliche Lagen in so kurzer Zeit so drastisch ändern?
hevopi 24.11.2014
3. Ein so schönes Land,
dabei so naiv in der Umsetzung einer geregelten Finanzpolitik. Immer noch leben die wirklich Reichen ohne Steuerbelastung in Saus und Braus, ist Korruption in Griechenland das Wasser auf die Mühle und verhandelt die Troika darum, wie man den Euro weiter ruinieren kann.
sapereaude! 24.11.2014
4. Alle Jahre wieder
Wie immer wird erst ein bisschen herumgezickt und gestritten, aber am Ende gibt's dann doch die "benötigte" Kohle. Und das obwohl man uns beim letzten Mal versprochen hat, dass Griechenland seinen Finanzbedarf auf dem Markt werde decken können. 22.11.2013: "Samaras in Berlin: Griechenland will mehr Hilfe von Europartnern (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-will-euro-zone-um-hilfe-bei-abbau-von-schulden-bitten-a-935025.html) 29.11.2012: "Schuldenkrise: Euro-Gruppe schnürt neues Rettungspaket für Griechenland" (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/euro-zone-einigt-sich-auf-neuen-hilfsplan-fuer-griechenland-a-869429.html) 22.11.2011: "Pleitestaat: Griechischer Schuldenberg erreicht neue Rekordhöhe" (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/pleitestaat-griechischer-schuldenberg-erreicht-neue-rekordhoehe-a-799295.html) 04.10.2010: "Die Umerziehung der Hellenen - Premier Georgios Papandreou will seinem Volk den Schlendrian austreiben und greift zu rabiaten Methoden. Er kommt voran, aber nicht schnell genug." (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-74090708.html)
brux 24.11.2014
5. +++++++++++
Leider wird da nicht viel recherchiert. Die Troika hatte den Griechen einst ca. 400 Reformmassnahmen nahe gelegt, keine davon fand ich überzogen. Was haben die Griechen wirklich umgesetzt? Gibt es ein Landregister ? Sind die Beamten, die sich den Job durch gefälschte Angaben erschwindelt haben, entlassen worden ? Gibt es immer noch wegen Korruption vorbestrafte Beamte? Wie sieht es mit der Steuermoral wirklich aus? Ich glaube eher, dass die Griechen die Eurozone lieber weiter erpressen. Das wird aber nach hinten losgehen, wenn auch andere in Schwierigkeiten sind. Dann bleibt für die Griechen nichts übrig.
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