Griechische Medienberichte Troika lehnt Zyperns neuen Rettungsplan ab

Der zweite Rettungsplan Zyperns ist offenbar gescheitert. Griechischen Medienberichten zufolge lehnt die Troika der internationalen Geldgeber den Solidaritätsfonds des Landes ab. "Die nächsten Stunden werden über die Zukunft des Landes entscheiden", sagt ein Regierungsvertreter.

Mitarbeiter der Krisenbank Laiki: Zukunft ungewisser denn je
AP

Mitarbeiter der Krisenbank Laiki: Zukunft ungewisser denn je


Hamburg - Die Zukunft Zyperns ist ungewisser denn je. Die Troika der internationalen Geldgeber aus EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds hat den zweiten Rettungsplan des Landes offenbar abgelehnt. Das berichteten der griechische Fernsehsender Skai-TV und die Tageszeitung "Ta Nea" nach einem Treffen der Troika mit Zyperns Präsidenten Nikos Anastasiades.

Die Troika halte es für unwahrscheinlich, dass der von der Regierung in Nikosia geplante Solidaritätsfonds die geforderten Gelder von 5,8 Milliarden Euro einbringe, sagte der zyprische Verkehrsminister Tasos Mitsopoulos laut "Ta Nea". Daneben verlangen die Geldgeber den Angaben zufolge nach wie vor eine Zwangsabgabe von Bankkunden - allerdings nur oberhalb einer Grenze von 100.000 Euro.

Der als Solidaritätsfonds bezeichnete Topf sollte mit Kapital von Kirche, Rentenkassen und anderen Einrichtungen gefüllt werden und Staatsanleihen ausgeben. Auch die zyprische Zentralbank sollte den Plänen zufolge mit ihren Goldreserven dazu beitragen.

Mit der Ablehnung des Rettungsplans ist die weitere Entwicklung in Zypern erneut völlig offen. Laut griechischen Medien herrscht zwischen den Parteien des Landes Chaos. Die Zentralbank habe vor einer ungeordneten Pleite der drei Banken des Landes gewarnt, falls es bis Freitagabend keine Entscheidung über eine Aufspaltung der Laiki Bank und geplante Kapitalverkehrskontrollen gebe.

Ein Regierungssprecher sagte: "Die nächsten Stunden werden über die Zukunft des Landes entscheiden." Zyperns Regierung stehe in "harten Verhandlungen" mit der Gläubiger-Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds. Die Beschlüsse, die das Parlament am Freitag zu treffen habe, würden zweifelsohne "schmerzhafte Aspekte" enthalten. "Aber das Land muss gerettet werden."

Schon bevor die Entscheidung der Troika bekannt wurde, hatten sich EU-Vertreter wie Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem skeptisch über den geplanten Rettungsfonds geäußert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschwerte sich nach Teilnehmerangaben in einer Sondersitzung der Unionsfraktion am Freitag über das Verhalten der zyprischen Regierung. Diese habe über Tage nicht mit der Troika kommuniziert. Zu einem möglichen Staatbankrott des Inselstaats soll Merkel gesagt haben: "Ich wünsche mir das nicht, dass es zu einem Crash kommt."

Griechische Bankentöchter werden abgetrennt

Zumindest in einem Punkt scheint es bereits eine Annäherung zu geben: Die zyprische Regierung willigte laut Präsidialamt ein, dass sich die angeschlagenen Banken des Inselstaates von ihren Töchtern in Griechenland trennen. Darüber habe man sich mit der Regierung in Athen verständigt. Die Abtrennung der griechischen Filialen war eine Bedingung für die internationale Hilfen. Im Gegenzug sollten die Tochterunternehmen von einer umstrittenen einmaligen Abgabe für Kontoinhaber ausgenommen werden. Diese wurde allerdings inzwischen vom zyprischen Parlament abgelehnt.

Die zyprischen Banken sind vor allem wegen einer Umschuldung in Griechenland in Schwierigkeiten geraten und können nur noch mit Nothilfen der Europäischen Zentralbank überleben. Die Währungshüter wollen die Zahlungen in der kommenden Woche stoppen, wenn sich die Regierung in Nikosia mit den Euro-Partnern nicht doch noch auf ein Hilfspaket einigt.

Der Chef der Laiki Bank, Takis Phidias, kritisierte den Rettungsplan der Regierung scharf. "Der ursprüngliche Vorschlag der Euro-Gruppe war schmerzhaft", sagte Phidias am Freitag im staatlichen Radio. "Aber er hätte die Zukunft des Bankensektors gesichert." Nach Informationen des "Wall Street Journal" könnten unversicherte Anleger der Laiki Bank bis zu 40 Prozent ihrer Guthaben verlieren, falls das Institut wie geplant in eine funktionsfähige und eine Bad Bank aufgespaltet wird.

Der Chef der zyprischen Zentralbank, Panikos Demetriades, mahnte zur Eile. "Wenn wir keinen Plan vorlegen, dann wird die Europäische Zentralbank unseren Banken am Montag den Geldhahn zudrehen und das Land geht bankrott", sagte Demetriades am Freitag zu Reportern in Nikosia.

gec/dab/yes/Reuters/dpa/AFP



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insgesamt 299 Beiträge
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engelbachm 22.03.2013
1. Uuiii
sollte doch tatsächlich die "troika" mal konsequent bleiben und sich nicht wie die wutz durch's ort jagen lassen? das wäre mal was ganz was neues....
Meckermann 22.03.2013
2.
Zitat von sysopAPDer zweite Rettungsplan Zyperns ist offenbar gescheitert. Griechischen Medienberichten zufolge lehnt die Troika der internationalen Geldgeber den Solidaritätsfonds des Landes ab. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/troika-lehnt-zyperns-neuen-rettungsplan-ab-a-890370.html
Recht so, die reichen Russen sollen nicht ungeschoren davonkommen.
Callimero 22.03.2013
3. Regt sich denn niemand auf...
dass die zypriotische Regierung die Renten ihrer Bürger verpfänden will, um Schwarzgeld-Banken zu retten???? Lasst den Bankensektor in Zypern pleite gehen, rettet endlich die Menschen in den Ländern und nicht die Banken die sich verspekuliert haben. Und als nächstes sollte die Gemeinschaftswährung Euro abgeschafft werden, dieser entwickelt sich zunehmends zu einem Spaltpilz für Europa.
mps58 22.03.2013
4. Solidarität
Ich kann das Wort Solidarität nicht mehr hören. Dahinter verbirgt sich immer nur die Abzocke deutscher Steuerzahler und der Transfer an Milliardäre jeglicher Couleur zu Gunsten des Rot-Grünen Traumes von einem nivellierten Europa.
RalfHenrichs 22.03.2013
5. Selbst wenn es so wäre...
...und das Geschäftsmodell Zyperns müsste eingestellt werden (dann wäre aber auch nach dem Geschäftsmodell brititscher Kanalinseln, Luxemburg, Holland etc. gefragt werden). Also, selbst wenn es so wäre, bräuchte man eine Übergangsfrist, denn kein Land kann sein Geschäftsmodell von heute auf morgen umstellen. Dann müsste die EU nicht nur mit Zwangsmaßnahmen sondern auch mit Strukturhilfe kommen. Aber darüber wird nicht geredet und das zeigt dann deutlich, um was es der EU geht. Sicher nicht um die Zyperer.
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