Lob von der Troika Portugal kann mit frischem Geld rechnen

Portugal hat die nächste Hürde im Kampf gegen die Schuldenkrise genommen: Die internationalen Geldgeber sehen das Land auf einem guten Weg, die Reformen kommen trotz Wirtschaftsmisere voran. Der nächsten Hilfstranche in Höhe von 2,5 Milliarden Euro steht damit nichts mehr im Wege.

Rossio-Platz in Lissabon: Gutes Zeichen für Comeback an den Finanzmärkten
DPA

Rossio-Platz in Lissabon: Gutes Zeichen für Comeback an den Finanzmärkten


Lissabon/Washington - Portugal ist hochverschuldet, die Wirtschaft schrumpft - dennoch ist das Land nach Ansicht seiner internationalen Geldgeber auf einem guten Kurs: Das Land hat die jüngste Überprüfung seiner Reformen durch die sogenannte Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) bestanden. Die gab am Montag grundsätzlich die weitere Tranche in Höhe von 2,5 Milliarden Euro aus dem insgesamt 78 Milliarden Euro schweren Rettungsprogramm frei.

Konkret übernimmt die EU 1,6 Milliarden Euro und der IWF 900 Millionen Euro. Das Geld könne wahrscheinlich im Januar nach Lissabon überwiesen werden, teilte der Währungsfonds mit. EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte, das Vertrauen in die Perspektiven des Landes steige wieder, auch bei den Akteuren am Kapitalmarkt. Das sei ein gutes Zeichen für ein baldiges Comeback an den Anleihe-Märkten.

Portugal leidet allerdings unter steigender Arbeitslosigkeit, niedrigen Einkommen und den durch die Rezession im Euro-Raum geschwächten Export. Dennoch stellte die Troika "solide Fortschritte" des Landes bei seinen Spar- und Reformbemühungen fest. "Das Programm ist weitgehend auf Kurs trotz größeren Gegenwindes", heißt es in einer gemeinsamen Bewertung von Troika-Mitarbeitern nach einem einwöchigen Besuch in Lissabon.

Bis 2014 soll die Neuverschuldung auf drei Prozent gesenkt werden

Solange Portugal seine Reform- und Defizitzusagen einhalte, würden die Euro-Länder ihre Unterstützung aufrechterhalten. Formal muss der Bericht zur Halbzeit des dreijährigen Hilfsprogramms noch von den europäischen Gremien und dem IWF-Exekutivrat abgesegnet werden.

Mit der nächsten Tranche wird Portugal laut Regierungsangaben insgesamt 64 Milliarden Euro oder rund 80 Prozent des im vergangenen Jahr vereinbarten Hilfspakets bekommen haben. Nächstes Jahr sowie Anfang 2014 stehen insgesamt sechs weitere Evaluierungsbesuche der Troika an.

Die Mitte-Rechts-Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho hatte sich dazu verpflichtet, das Haushaltsdefizit bis 2014 auf die Marke von drei Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. 2009 und 2010 hatte das Defizit bei noch zehn Prozent gelegen. Der Sparkurs soll auch ungeachtet jüngster Massenproteste durchgezogen werden. Im Zuge der Sanierung wird die Wirtschaft des ärmsten Landes Westeuropas 2012 nach amtlicher Schätzung um mindestens drei Prozent schrumpfen, die Arbeitslosenrate erreichte zuletzt den Rekord von knapp 16 Prozent.

fdi/Reuters/dpa



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herr_kowalski 20.11.2012
1. Die internationalen Geldgeber sehen
Zitat von sysopDPAPortugal hat die nächste Hürde im Kampf gegen die Schuldenkrise genommen: Die internationalen Geldgeber sehen das Land auf einem guten Weg, die Reformen kommen trotz Wirtschaftsmisere voran. Der nächsten Hilfstranche in Höhe von 2,5 Milliarden Euro steht damit nichts mehr im Wege. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/troika-lobt-portugal-und-gibt-freigabe-fuer-naechste-kredit-tranche-a-868184.html
das Land auf einem guten Weg. Ist das keine gute news kurz vor Weihnachten ? Alle Jahre wieder, inzwischen alle Woche wieder, ist ein anderes, bankrottes Land auf einem guten Weg. Das nächste, was auf einem guten Weg sein wird, könnte Zypern sein, Dann mal wieder Griechenland, dann aber Frankreich und Spanien wartet auch noch auf den Wegweiser zum guten Weg. Ach ist das friedlich im Europa des guten Weges.
agua 20.11.2012
2. Lob
Dass diese Politik gelobt wird,ist nichts Neues.Lob wofuer?Weil es so sein soll,dass der eingeschlagene Weg ein guter ist?Die Arbeitslosenzahl liegt bei 23%!Diese Zahl schliesst die Arbeitslosen ein,die keine Unterstuetzung erhalten.
ex rostocker 20.11.2012
3. Immer neuer Zeitgewinn
Es ist schon bewundernswert, wie Portugal immer wieder Zeit schindet, neues Geld bekommt und trotzdem keine echten Reformen nachweisen muss. Zwar wird bei den Armen kräftig gekürzt, aber immer noch können die Reichen ihr Geld im Ausland in Sicherheit bringen. Die Ausländer im Land leben lustig und steuerfrei, und der Staat gibt immer noch viel zu viel für Rüstung aus. Warum auch den Schlendrian abschaffen, wenn die naivern PolitikerInnen aus Deutschland alles zahlen!
Gerdtrader50 20.11.2012
4. Höfliche Frage: Hat die Troika außer den Merkel/Schäuble auch was an der Birne ?
"Portugal ist hochverschuldet, die Wirtschaft schrumpft" dennoch ist das Land nach Ansicht seiner internationalen Geldgeber auf einem guten Kurs: Oder wie sonst sollte man das Dummgeschwafel dieser Semintelligenzen sonst deuten. Wer solche Aussagen trifft, der muss doch bescheuert sein ! Die Eurospinner versuchen sich an der Quadratur des Kreises im währungstechnischen Bereich.
inhabitant001 20.11.2012
5. Häh?
Zitat von sysopDPAPortugal hat die nächste Hürde im Kampf gegen die Schuldenkrise genommen: Die internationalen Geldgeber sehen das Land auf einem guten Weg, die Reformen kommen trotz Wirtschaftsmisere voran. Der nächsten Hilfstranche in Höhe von 2,5 Milliarden Euro steht damit nichts mehr im Wege. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/troika-lobt-portugal-und-gibt-freigabe-fuer-naechste-kredit-tranche-a-868184.html
In welcher Weise hilft diese Politik gegen die Schuldenkrise, wenn sie gleichzeitig eine Wirtschaftsmisere verursacht?
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