Trotz Energiewende: Deutsche Atomindustrie bittet um Staatshilfe

Deutsche AKW-Bauer beweisen Chuzpe: Obwohl die Bundesrepublik aus der Kernenergie aussteigt, fordern die Firmen nach SPIEGEL-Informationen staatliche Hilfe bei Projekten im Ausland. NGO-Vertreter warnen die Regierung nun davor, "den Boden für ein neues Fukushima zu bereiten".

AKW-Kontrollraum in Qinshan, China: Bürgschaften für den Bau neuer Meiler Zur Großansicht
REUTERS

AKW-Kontrollraum in Qinshan, China: Bürgschaften für den Bau neuer Meiler

Hamburg - Auch nach dem Atomausstieg setzt die deutsche Industrie auf staatliche Hilfe beim Bau von Kernkraftwerken: Der Bundesregierung liegen nach SPIEGEL-Informationen vier Gesuche für den Bau oder Ausbau von Anlagen in Finnland, Großbritannien, China und Indien vor. Es geht jeweils um Hermes-Exportbürgschaften, die eine Lieferung ins Ausland absichern. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler (Grüne) hervor.

Atomkraftgegner kritisieren vor allem die mögliche Bürgschaft für ein riesiges Projekt im indischen Jaitapur, das in einem Erdbebengebiet an der Westküste des Subkontinents liegt. "Mit solchen Atombürgschaften bereitet die Bundesregierung den Boden für ein neues Fukushima", sagt Heffa Schücking, Geschäftsführerin der Umweltorganisation urgewald.

Im September hatte die Bundesregierung eine Hermes-Bürgschaft in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für das brasilianische Atomkraftwerk Angra 3 um ein halbes Jahr verlängert. Dieses Projekt ist seit der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima besonders umstritten, weil es ebenfalls in einer erdbebengefährdeten Region liegt.

Rösler und Röttgen streiten über Kraftwerksbau

In der Bundesregierung herrscht Streit über die Frage, woher Deutschland in Zukunft seinen Strom beziehen soll. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) spricht sich nach SPIEGEL-Informationen dafür aus, weit stärker als bisher geplant in zusätzliche Kohle- und Gaskraftwerke zu investieren.

In einem Papier seines Ministeriums ist von "circa 17 neuen Großkraftwerken" bis zum Jahr 2022 die Rede. "Fossile Kraftwerke sind essentiell für eine sichere Energieversorgung", heißt es in dem Papier, denn diese müssten die wegfallenden Atomkraftwerke ersetzen und die schwankende Stromerzeugung aus Wind und Sonne ausgleichen.

Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) lehnt die Pläne ab. Es dürften nur die bereits beantragten oder im Bau befindlichen Kohlekraftwerke in Betrieb gehen. Den weiteren Strombedarf will er insbesondere mit erneuerbaren Energien decken.

cte

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1. Ja gehts noch ?
cottoner 16.12.2011
Zitat von sysopDeutsche AKW-Bauer beweisen Chuzpe: Obwohl die Bundesrepublik aus der*Kernenergie aussteigt, fordern die Firmen nach SPIEGEL-Informationen staatliche Hilfe bei Projekten im Ausland.*NGO-Vertreter warnen die Regierung nun davor, "den Boden für ein neues Fukushima zu bereiten". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,804038,00.html
Wie lange duerfen die sowieso schon gemaesteten Lobbyisten denn noch auf das Geld des Steuerzahlers hoffen ? Es wird allerhoechste Zeit diese Typen dahin zu schicken, wo der Pfeffer waechst und zwar ohne Geld vom Buerger.
2. Eine Frechheit!
vantast 16.12.2011
Ich denke, keine Industrie hat seit Jahrzehnten mehr Staatsgelder bekommen als die Atomindustrie. Selbst bei einem großen Unfall muß diese rücksichtslose Industrie nichts zahlen, der Staat kommt für alles auf. Selbst der Atommüll wurde in billigste Fässer gesteckt. Immer die Hand aufhalten: Atomstrom ist ja sooo billig!
3.
einbelgier 16.12.2011
Zitat von sysopDeutsche AKW-Bauer beweisen Chuzpe: Obwohl die Bundesrepublik aus der*Kernenergie aussteigt, fordern die Firmen nach SPIEGEL-Informationen staatliche Hilfe bei Projekten im Ausland.*NGO-Vertreter warnen die Regierung nun davor, "den Boden für ein neues Fukushima zu bereiten". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,804038,00.html
Schon wieder ein Atom-Panik Artikel im SPON. Hermes-Bürgschaften sind ein ganz normaler Vorgang für alle Auslandsaktivitäten Deutscher Anlagenbauer. Wenn man das nicht mehr leisten will, liebe Grüne, dann schmeisst AREVA die letzten tausende Beschäftigte in D kurzerhand auf die Strasse. Aber in den aufstrebenden EE-Industrien gibt es sicher Ersatz für diese ungeliebten Arbeitsplätze... Ups, oder doch nicht?? ROUNDUP 2: Nach Solon-Pleite mehr als 500 Jobs bedroht (http://www.finanznachrichten.de/nachrichten-2011-12/22213369-roundup-2-nach-solon-pleite-mehr-als-500-jobs-bedroht-016.htm)
4.
einbelgier 16.12.2011
Zitat von vantastIch denke, keine Industrie hat seit Jahrzehnten mehr Staatsgelder bekommen als die Atomindustrie. Selbst bei einem großen Unfall muß diese rücksichtslose Industrie nichts zahlen, der Staat kommt für alles auf. Selbst der Atommüll wurde in billigste Fässer gesteckt. Immer die Hand aufhalten: Atomstrom ist ja sooo billig!
Da denken Sie falsch. Die EEG-Umlage schlägt alle Rekorde...
5. Totes Pferd
zeitzeuge10 16.12.2011
Zitat von sysopDeutsche AKW-Bauer beweisen Chuzpe: Obwohl die Bundesrepublik aus der*Kernenergie aussteigt, fordern die Firmen nach SPIEGEL-Informationen staatliche Hilfe bei Projekten im Ausland.*NGO-Vertreter warnen die Regierung nun davor, "den Boden für ein neues Fukushima zu bereiten". http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,804038,00.html
Es gibt keine deutsche Atomindustrie mehr,die wurde vor 10 Jahren an die Franzosen verkauft!!!!Und dieser Firma geht es schlecht, weil sie das Finnenprojekt in den Sand gesetzt hat und wahrscheinlich keine Aufträge in Sicht sind und Märkte weggebrochen sind.Zudem ist Siemens als Partner und Aushängeschild ausgestiegen,weil die Franzosen zu absolutistisch geführt haben. Areva muss von den Franzosen -sprich dem Mutterkonzern in Paris und oder den Fr.Staat, aber nicht von deutschen Steuerzahler-unterstützt werden.Sollen die doch für die Bürgschaften eintreten. Sollten Leute entlassen werden,so springt der deutsche Staat schon über die subventionierten Alterteilzeitprogramme,die vorzeitige Verrentung und das Arbeitslosengeld für die Mitarbeiter ein. Ansonsten herrscht in der deutschen Industrie doch Fachkräftemangel.Hier gibt es ungeheur gutes, motiviertes Personal. Ingenieuren,Vertriebsspezialisten,Physikern,Metallurgen,Kaufleuten,Monteuren,Baustellenspezialisten,Qualitätssicherer, die lieber heute als morgen die Seiten wechseln.Die deutsche Industrie braucht sich nur bedienen. Das die deutsche Atomindustrie nach Fukushima noch um Staatsunterstützung bittet,ist ein Reflex aus alten Zeiten.Die Geschäftsführungen versuchen verständlicherweise alles.Nur sie übersehen,dass sie ein totes Pferd reiten.
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