Trotz Krise Mindestlöhne steigen in den meisten EU-Staaten

Mitten in der Krise bekommen Millionen von Arbeitnehmern mehr Geld: Die meisten EU-Staaten haben laut einer Untersuchung ihre Mindestlöhne angehoben. Spitzenreiter bei den Lohnuntergrenzen sind Luxemburg und Frankreich.


Berlin - In 14 von 27 EU-Ländern sind in diesem Jahr trotz Wirtschaftskrise die Mindestlöhne gestiegen. Darüber hinaus ist in Großbritannien für Oktober eine Anhebung beschlossen worden, berichtete das gewerkschaftsnahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) am Mittwoch.

In Westeuropa liege die für alle Arbeitnehmer verbindliche Lohnuntergrenze meist über 8,40 Euro, heißt es in der WSI-Studie. Spitzenreiter ist demnach Luxemburg mit 9,73 Euro, gefolgt von Frankreich mit 8,82 Euro und Irland mit 8,65 Euro.

Allerdings dämpften Wirtschaftskrise und zunehmende Arbeitslosigkeit in zahlreichen Ländern die Anhebung der Mindestlöhne. Die jüngsten Erhöhungen seien oft geringer ausgefallen als in den Vorjahren, sagte WSI-Experte Thorsten Schulten. Allein in den 16 Euro-Ländern verloren in den vergangenen zwölf Monaten fast 3,2 Millionen Beschäftigte ihre Arbeit.

In Deutschland gibt es keinen branchenübergreifenden allgemeinen Mindestlohn, sondern nur verbindliche Lohnuntergrenzen für einzelne Branchen und Berufe. Auch in Dänemark, Schweden, Finnland, Österreich, Italien und in Zypern sind derzeit keine Verdienstuntergrenzen vorgesehen. Der DGB fordert seit längerem einen gesetzlichen Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde in Deutschland.

Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) fürchtet für diesen Fall aber einen Stellenabbau. "Ein Mindestlohn von 7,50 Euro bedeutet, dass für 11,5 Prozent der Arbeitnehmer die Löhne steigen", sagte IW-Experte Hagen Lesch. Das erhöhe die Personalkosten für viele Unternehmen. "Dann besteht die Gefahr, dass die entlassen werden, die am wenigsten produktiv sind und denen der Mindestlohn eigentlich zugutekommen soll: die Geringqualifizierten."

WSI-Experte Schulten hält dagegen: "In der Krise leisten die Mindestlöhne einen wichtigen Beitrag zur Stabilität von Lohneinkommen und wirken zugleich als Deflationsbremse."

yes/Reuters/dpa

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