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Trotz Vollzeitjob: Zigtausenden Leiharbeitern droht die Armut

Sie arbeiten Vollzeit, aber es reicht nicht. Viele Leiharbeiter sind trotz Job auf staatliche Hilfe angewiesen, in einigen Branchen verdienen sie nicht einmal halb so viel wie regulär Beschäftigte. Laut einer DGB-Studie ist der Abstand sogar noch größer geworden.

Arbeiter im Fahrgestellbau: 92.000 Leiharbeiter brauchen laut DGB staatliche Unterstützung Zur Großansicht
DPA

Arbeiter im Fahrgestellbau: 92.000 Leiharbeiter brauchen laut DGB staatliche Unterstützung

Berlin - Der Zeitpunkt dürfte ganz bewusst gewählt sein: Pünktlich zu den Hartz-IV-Verhandlungen von Regierung und Opposition veröffentlicht der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) eine Studie zum Einkommen von Leiharbeitern. Ziel der Gewerkschafter ist es, den Druck auf Schwarz-Gelb zu erhöhen - die Regierung soll sich doch noch mit der Opposition auf ein Modell einigen, das gleichen Lohn für Leiharbeiter und Stammarbeitskräfte vorsieht.

Bislang sieht es jedoch nicht nach einer Einigung aus. Zumal die Regierungsvertreter betonen, im Mittelpunkt der Verhandlungen stünden der Hartz-IV-Regelsatz und das Bildungspaket. Die Ergebnisse der DGB-Studie, die die "Süddeutsche Zeitung" zitiert, zeigen jedoch, wie groß das Gefälle zwischen Leiharbeitern und regulär Beschäftigten ist.

So verdienen Leiharbeiter im Schnitt nur etwa halb so viel wie Vollzeitbeschäftigte insgesamt. Nur 19,1 Prozent kommen der Studie zufolge auf monatlich mehr als 2000 Euro brutto - Festangestellte schafften dies in 70 Prozent aller Fälle.

Viele Leiharbeiter könnten von ihrer Arbeit nicht leben, heißt es laut "SZ" in der Studie. 92.000 Menschen seien Mitte vergangenen Jahres auf Hartz IV angewiesen, zählten also zu den sogenannten Aufstockern. Das sei fast jeder achte. "Das Verarmungsrisiko der Leiharbeiter ist damit fast vier bis fünf Mal größer als in der Gesamtwirtschaft", sagte der Autor der Studie, Wilhelm Adamy, der Zeitung. In keiner anderen Branche sei das Risiko der Hartz-IV-Bedürftigkeit so groß.

Im Schnitt weniger als 1500 Euro brutto im Monat

Grundlage der Studie ist die Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Adamy hat nach eigenen Angaben die Werte von fast 500.000 Leiharbeitern ausgewertet. Verleih-Arbeitskräfte erhielten demnach 2009 in den alten Bundesländern im Schnitt 1456 Euro brutto im Monat, im Osten seien es 1124 Euro gewesen.

Mehr als 10 Prozent im Westen und gut 20 Prozent im Osten hätten weniger als 1000 Euro im Monat verdient - trotz Vollzeitjob. "Armut trotz Arbeit ist hier an der Tagesordnung, selbst wenn sich Hartz IV eventuell durch einen Zweitjob am Abend oder durch eine Erwerbstätigkeit anderer Familienangehöriger verhindern lässt", sagte Adamy der "SZ".

Besonders groß ist der Lohnabstand laut DGB in der Industrie: Hier verdienten die Leiharbeiter nicht einmal halb so viel wie Stammarbeitskräfte. Adamy kritisiert, dass viele nicht qualifikationsgerecht eingesetzt würden, "obwohl gut 60 Prozent von ihnen einen Berufsabschluss haben".

cte

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1. aber bitte nicht nachlesen...
_unwissender 07.02.2011
Zitat von sysopSie arbeiten Vollzeit, aber es reicht nicht. Viele Leiharbeiter sind trotz Job auf staatliche Hilfe angewiesen, in einigen Branchen verdienen sie nicht einmal halb so viel wie regulär Beschäftigte. Laut einer DGB-Studie ist der Abstand sogar noch größer geworden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,743871,00.html
... was Karl Marx zum Thema Verarmung im Kapitalismus geschrieben hat. Manch einem würden sonst die Augen aufgehen....
2. .
Izmir.Übül 07.02.2011
Zitat von sysopSie arbeiten Vollzeit, aber es reicht nicht. Viele Leiharbeiter sind trotz Job auf staatliche Hilfe angewiesen, in einigen Branchen verdienen sie nicht einmal halb so viel wie regulär Beschäftigte. Laut einer DGB-Studie ist der Abstand sogar noch größer geworden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,743871,00.html
Was zum Aufregen: http://www.faz.net/-01oc35
3. Gleiches Geld für gleiche Arbeit
hanstreffer 07.02.2011
Wir leben in Europa und erleben, dass Deutschland seine Menschen systematisch in die Armut treibt: erst aus der Arbeit in Hartz 4 und dann in die Arbeit mit Hungerlöhnen. Und es werden immer mehr. SPD und Gründe können Deutschland etwas Gutes tun, wenn es nach vier Wochen auch gleiches Geld für gleiche Arbeit gibt. Ansonsten muß man auswandern, weil in fast allen Ländern um uns herum es Mindestlöhne gibt, die höher sind als fast alle Löhne für Leiharbeiter in Deutschland.
4. Subvention
Kupferfisch 07.02.2011
Ja, und der "Vollzeitbeschäftigte" muss dann auch noch zum Amt, zur "Argentur" und betteln, während eigentlich seine zwei "Arbeitgeber" subventioniert werden.....
5. Na und ?
AndyDaWiz 07.02.2011
Zitat von sysopSie arbeiten Vollzeit, aber es reicht nicht. Viele Leiharbeiter sind trotz Job auf staatliche Hilfe angewiesen, in einigen Branchen verdienen sie nicht einmal halb so viel wie regulär Beschäftigte. Laut einer DGB-Studie ist der Abstand sogar noch größer geworden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,743871,00.html
Die UNTERNEHMEN zahlen pro Stunde genauso viel. Die Differenz bleibt bei den Leiharbeitsfirmen haengen. Jetzt haut mal auf die richtigen, ok ?
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