Trotz Wirtschaftsaufschwung: Immer mehr Menschen arbeiten in Mini-Jobs

Die deutsche Wirtschaft boomt - und trotzdem sind immer mehr Menschen auf einen Mini-Job angewiesen. Nach neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit waren es Ende 2010 fast 7,4 Millionen. Die Gewerkschaften sind darüber gar nicht erfreut.

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Bundesagentur für Arbeit: Zwei Drittel der Mini-Jobber sind Frauen

Berlin - Mitten im Wirtschaftsaufschwung gibt es in Deutschland mehr Mini-Jobber als je zuvor. Zum Jahresende 2010 verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) fast 7,4 Millionen Menschen mit einem Mini-Job bis 400 Euro. Dies waren rund 650.000 mehr als fünf Jahre zuvor.

Immer mehr regulär Beschäftigte verdienen sich ein Zubrot zu ihrem normalen Gehalt: Die Zahl derer, die den Mini-Job als Nebenbeschäftigung ausübten, stieg innerhalb von fünf Jahren um rund 600.000 auf 2,45 Millionen. Für weitere 4,9 Millionen Menschen war der Mini-Job dagegen die einzige Beschäftigung. In dieser Gruppe war der Anstieg deutlich weniger stark.

"Wir sehen mit Sorge, dass sich in bestimmten Branchen Mini-Jobs massiv ausbreiten", sagte der Arbeitsmarktexperte des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Wilhelm Adamy, der Nachrichtenagentur Reuters. Im Einzelhandel komme auf zwei sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ein Mini-Job. "Im Hotel- und Gaststättengewerbe beträgt das Verhältnis schon eins zu eins."

Nach Einschätzung des DGB reicht für viele das reguläre Einkommen nicht. "Eine steigende Zahl von Arbeitnehmern ist gezwungen, nach der Arbeit oder am Wochenende einen Zusatzjob auszuüben", sagte Adamy. Zum Teil versuchen Unternehmen, durch geschickte Konstruktion von Arbeitsverträgen für einen Teil des Einkommens Sozialabgaben zu umgehen.

Mini-Jobs sind eine Domäne der Frauen. Sie machten Ende 2010 mit 4,67 Millionen fast zwei Drittel aller Mini-Jobber aus. Für Arbeitnehmer ist ein Mini-Job bis 400 Euro im Monat steuer- und abgabenfrei.

stk/Reuters

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insgesamt 89 Beiträge
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1. Toller Aufschwung
daniellaun 21.07.2011
Jaja das nennt die Politik dann Aufschwung. Immer mehr Minijobs, immer weniger Geld in der Tasche. Man kann sich weniger leisten als noch vor 10 Jahren. Ich merke nichts vom Aufschwung!
2. Teufelskreis
weltbetrachter 21.07.2011
Im Gegensatz zu so manchen Staaten können Unternehmen wirklich nur das ausgeben, was vorher eingenommen wird, und dann auch nur das was nach Abzug von Gebühren, Abgaben, Steuern, Wareneinsatz, Miete, Strom usw. übrigbleibt. . Und genau aus diesem Teil der Einnahmen werden letztlich die Gehälter und Sozialbeiträge gezahlt. Das ist nunmal die Wahrheit. Sicherlich ist jeder erfreut, wenn sein Lohn steigt, nur vorher müssen die Kunden das Geld in die Kasse legen. Bleiben die aber - trotz Aufschwungdebatte aus - kann der Unternehmer auch nur sehen wie er über den nächsten Monat kommt.
3. Nichts Neues..........
Klaus.G 21.07.2011
weiß nicht warum das SpON jetzt so hervorhebt. War doch abzusehen nach Hartz IV. Also nicht so tun als wäre das die Katastrophe. Da hättet ihr früher anfangen müssen. Aber seinerzeit, kein Wort der Kritik. Eher war da von "notwendigen Reformen" die Rede. Also was soll die Verwunderung, pure Heuchelei...
4.
P.Delalande 21.07.2011
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft boomt - und trotzdem sind immer mehr Menschen auf einen Mini-Job angewiesen. Nach neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit waren es Ende 2010 fast 7,4 Millionen. Die Gewerkschaften sind darüber gar nicht erfreut. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,775842,00.html
Ach ja, die Aufschwunglüge. Wann erkennen unsere Politiker die Wirklichkeit? Vermutlich nie. Eigentlich sollte die Wirtschaft doch für den Menschen da sein, nicht der Mensch für die Wirtschaft.
5. nicht böse sein
Dylan Hunt 21.07.2011
Zitat von daniellaunJaja das nennt die Politik dann Aufschwung. Immer mehr Minijobs, immer weniger Geld in der Tasche. Man kann sich weniger leisten als noch vor 10 Jahren. Ich merke nichts vom Aufschwung!
Es ist ja auch ein Wirtschaftsaufschwug.Nicht Ihr Aufschwug.
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Die Säulen des Sozialsystems
Arbeitslosenversicherung
Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
Krankenversicherung
Es gibt zwei Arten von Krankenversicherungen - die Gesetzliche (GKV) und die Private (PKV). Rund 90 Prozent der Erwerbstätigen sind in der GKV pflichtversichert. Der Beitragssatz beträgt aktuell 15,5 Prozent für alle Versicherten. Zusätzlich können die Krankenkassen vom Einkommen unabhängige Beiträge erheben. Seit Anfang 2009 fließen alle Beiträge in einen Gesundheitsfonds, aus dem sie an die Kassen verteilt werden. Der Zugang zur PKV steht nur Selbstständigen und Arbeitnehmern oberhalb einer Einkommensgrenze offen.
Rentenversicherung
Die Beiträge werden durch ein Umlageverfahren finanziert, bei dem die Berufstätigen die Leistungen der Rentner zahlen. Anhand der eingezahlten Beiträge wird die künftige Rentenhöhe errechnet. Zurzeit liegt der Beitragssatz bei 19,6 Prozent. Im Januar 2013 sinkt der Beitrag auf 18,9 Prozent. Das gesetzliche Renteneintrittsalter wird derzeit stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre heraufgesetzt.
Pflegeversicherung
Die Pflegeversicherung ist die jüngste der Sozialversicherungen in Deutschland. Sie ist eine Grundversicherung, die einen Teil der Pflegekosten abdeckt.