Berlin - 2011 war für Arbeitnehmer ein ungerechtes Jahr: Zwar lagen die Tarifabschlüsse höher als 2010, die Preise aber sind noch schneller gestiegen. So erhöhten sich die Tarifeinkommen um durchschnittlich zwei Prozent, die Verbraucherpreise legten im vergangenen Jahr aber um durchschnittlich 2,3 Prozent zu - das geht aus einer Studie des Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung hervor.
Die Spannweite der Tariferhöhung reicht der Studie zufolge von einem Einkommensplus von nur 1,1 Prozent bei Finanzdienstleistern bis zu 2,8 Prozent bei den privaten Dienstleistungen. "Der unerwartet starke Anstieg der Verbraucherpreise hat die Tarifsteigerungen in vielen Branchen wieder aufgezehrt", sagte der Leiter des Tarifarchivs, Reinhard Bispinck.
Schlechte Ausgangslage 2012
Es gibt aber auch einen kleinen Lichtblick: Durch den Rückgang der Kurzarbeit, mehr Überstunden und nicht tariflich geregelten Bonuszahlungen in manchen Betrieben, vor allem Banken, stiegen die effektiven Bruttoeinkommen stärker als die Tarifverdienste. Hier lag das Plus bei 3,4 Prozent - nach Abzug der Inflation blieb also noch ein Kaufkraftgewinn von 1,1 Prozent übrig.
Für das laufende Jahr machen die Gewerkschaften wenig Hoffnung auf Besserung: Wegen der Konjunkturflaute sei die Ausgangssituation für die Tarifrunde 2012 ungünstiger als im Vorjahr: "Angesichts der absehbaren Abschwächung des Exports kommt jedoch einer Stärkung der Binnennachfrage in diesem Jahr eine besondere Bedeutung zu", sagt Bispinck. "Die Tarifpolitik hat deswegen nicht nur eine verteilungspolitische, sondern auch eine große konjunkturpolitische Verantwortung."
Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr nur mit einem Wachstum von 0,6 Prozent, nach 3,0 Prozent 2011. Tarifverhandlungen stehen an im öffentlichen Dienst, in der Metall- und Elektroindustrie sowie im Bankgewerbe, in der chemischen Industrie, in der Textil- und Bekleidungsindustrie, im Kfz-Gewerbe sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe. Auch bei Großkonzernen wie der Telekom und Volkswagen sind Tarifgespräche angesetzt. Die bisherigen Tarifforderungen bewegen sich zwischen fünf und sieben Prozent.
nck/Reuters/AFP
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