Entwurf US-Regierung will Ölbohrungen vor geschützten Küsten erlauben

Die mächtigste Macht der Welt darf nicht auf Energielieferungen anderer angewiesen sein. So sieht es US-Präsident Trump - und stellt Lizenzen für die Förderung vor vielen geschützten Küsten in Aussicht.

Bohrinsel von British Petroleum (BP) im Golf von Mexiko
DPA

Bohrinsel von British Petroleum (BP) im Golf von Mexiko


Die US-Regierung will die Hürden für die Ölsuche deutlich senken - und sorgt damit auch im eigenen politischen Lager für Kritik. Der am Donnerstag vorgestellte Plan sieht vor, Ölbohrungen vor nahezu allen US-Küsten zu erlauben. Der republikanische Gouverneur von Florida, Rick Scott, warnte vor den Auswirkungen auf die Umwelt. Innenminister Ryan Zinke versprach, die Regierung werde alle Argumente abwägen.

"Wir werden die Meinungen aller betroffenen Akteure anhören", sagte Zinke. "Florida wird sicher ein Wort mitzureden haben." Der Plan befinde sich noch im Anfangsstadium. Er sei Teil der von Präsident Donald Trump ausgegebenen Leitlinie "America First". "Es gibt einen klaren Unterschied zwischen Energieschwäche und Energiedominanz", sagte Zinke. "Unter Präsident Trump werden wir die größtmögliche Supermacht sein, weil wir die Möglichkeiten dazu haben."

Der Plan sieht vor, dass über einen Zeitraum von fünf Jahren 47 Ölbohrlizenzen vergeben werden können - das ist deutlich mehr, als Trumps Vorgänger Barack Obama an Genehmigungen vergeben ließ. 19 der Versteigerungsorte liegen vor Alaska, zwölf im Golf von Mexiko, neun im Atlantik, sieben im Pazifik.

Die US-Umweltorganisation Sierra Club warf der Regierung vor, sie höre mehr auf die Industriellen, "die ihnen den Wahlkampf finanziert haben", als auf die Bürger. Gegen die Pläne gebe es sowohl bei Demokraten als auch bei Republikanern Kritik. So seien etwa die Gouverneure von New Jersey, North Carolina, South Carolina, Virginia und Florida dagegen.

"Schaffung von Arbeitsplätzen"

Floridas Gouverneur Scott sagte, er habe um ein Treffen mit Zinke gebeten, um seine Bedenken vorzutragen. "Meine oberste Priorität ist es, dass Floridas natürliche Lebensgrundlagen geschützt werden."

Die Ölbohrungen im Meer werden vor allem in Urlaubsregionen wie Florida kritisch gesehen. Dagegen wird in Bundesstaaten wie Louisiana und Texas viel stärker auf die Schaffung von Arbeitsplätzen verwiesen, die das Erschließen neuer Ölfelder mit sich bringt.

Trump hatte das Innenministerium im vergangenen April angewiesen, zu prüfen, ob mehr Öl- und Gastbohrungen möglich sind. Die Regierung hatte bereits angekündigt, die Vorschriften für Ölbohrungen lockern zu wollen.

Die vorige US-Regierung unter Präsident Barack Obama hatte die Vorschriften verschärft nach der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon 2010, die eine Ölpest im Golf von Mexiko ausgelöst hatte. Unter anderem müssen Bohrungen seither besser gesichert werden.

Die Trump-Regierung bezeichnete die Vorschriften als unnötige Belastung für die Industrie.

mik/boj/AFP/AP/dpa



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Sumerer 05.01.2018
1.
"Die mächtigste Macht der Welt darf nicht auf Energielieferungen anderer angewiesen sein. So sieht es jedenfalls US-Präsident Donald Trump - und stellt Lizenzen für die Förderung vor vielen geschützten Küsten in Aussicht." Schon mit der Bohrinsel Deepwater Horizon haben sich die USA ein ökologisches Desaster durch BP beschert, das sie halt nicht selbst in der Hand haben. Die jetzigen Bestrebungen der USA von Energieimporten unabhängig zu werden, läßt vermuten, dass man die Lieferanten aus dem "Mittleren Ost" für mittel- und langfristig unzuverlässig definiert. Vielleicht in dem Sinne, dass die Neuordnung des "Mittleren Ostens" immer noch Ziel der Politik Washingtons ist. Es käme dann also demnächst kein Derivate-Tsunamie über den Atlantik, sondern Bomben- und Raketenlasten, die Erdölplattformen zerstören und indirekt die Weltwirtschaft im Sinne eines "America first" treffen würden. So schlimm ich diese Prognose finde, so sehr könnte sie tatsächlich zutreffen. Denn noch einmal könnte ein getarnter Derivate-Tsunamie nicht funktionieren.
Japhyryder, 05.01.2018
2. Ölbohrungen
Trumps Politik gleicht der eines Mannes, der in seinem Tun von einer Angststörung beherrscht wird.
kakimon 05.01.2018
3. Das gibt es schon länger
In Florida wird in den Naturschutzgebieten / Swamps immer wieder nach Öl gebohrt. Lange Anhörungen, dann gibt es die Erlaubnis mit der Begründung die Bohrung sei ökologisch einwandfrei.
aurichter 05.01.2018
4. @ sumerer
Sollte es tatsächlich dazu kommen, dann müssen die Unternehmen im Golf von Mexico aber reichlich Schutz beantragen, um die entsprechenden Plattformen wirksam vor terroristischen Aktivitäten zu schützen. Die Unabhängigkeit wird viel Geld kosten, aber hat dann wieder eine Begründung den Militärhaushalt zugunsten von Sozialausgeben aufzublähen. Dann gehen eben nochmal 10 oder 15 Mia Dollar mehr drauf für die üblichen Verdächtigen wie Lockheed, Gruman und Co. So schafft man Arbeitsplätze, da geht die Rechnung ja voll auf. Und die Idioten an den Küsten wählen das nächste Mal wieder den glorreichen Donni in Louisiana, Texas, Alabama und vermutlich auch Florida. Irgendwann wird durch welchen Grund auch immer die Küste von Katastrophen um das Öl bedroht, dann ist Mr. Largo längst in Rente und lacht sich ins Fäustchen, weil Schäden wieder von der Allgemeinheit getragen werden und Kollega mit Firma daran grandios verdient. Was für eine verrückte Welt.
Markus Landgraf 05.01.2018
5. Nicht nur Tump's schuld
Die wiedererweckte Gier nach Öl (z.B. auch in Norwegen) ist auch und vor allem der alten Garde der AKW-nee-Ökokraten zu schulden. Wenn Atomkraft sich weltweit als echte alternative zu fossilen Brennstoffen durchgesetzt hätte (so wie in Frankreich geschehen), könnten wir heute CO2-frei heizen, fahren und Industrie betreiben. Dass das nicht passiert ist und dass wir heute noch Kohle und Öl verbrennen, hat eine egozentrische, anti-wissenschaftliche Minderheit zu verantworten, die sich selbst als Umweltschützer bezeichnet. Die Ironie daran ist, dass die wahrscheinlich durch ihr Unverständnis naturwissenschaftlicher Zusammenhänge die erste echte globale Umweltkrise - den anthropogenen Klimawandel - verschulden. Es wird Zeit für neues Denken.
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