Finanzmärkte Trumps Finanzminister will Banken das Zocken erleichtern

Donald Trump will die Bankenbranche deregulieren. Jetzt macht sein US-Finanzminister ernst: Er will die nach der Finanzkrise beschlossenen Maßnahmen zurückfahren und Banken wieder mehr Spekulation auf eigene Rechnung erlauben.

Börsenhändler
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Der designierte US-Finanzminister Steve Mnuchin will eine der wichtigsten Regulierungen für Banken nach der Finanzkrise lockern und ihnen wieder mehr Spekulation auf eigene Rechnung erlauben. Dies geht aus einem Antwortschreiben des früheren Goldman-Sachs-Managers auf Fragen des Finanzausschusses des US-Senats hervor.

Konkret fordert Mnuchin Änderungen an der Volcker-Regel, mit der den Geschäftsbanken nach dem Beinahe-Zusammenbruch des Finanzsystems im Jahr 2008 einige Grenzen beim riskanten Eigenhandel gesetzt wurden. Die nach dem früheren US-Zentralbanker Paul Volcker benannte Regel war 2010 im "Dodd-Frank-Gesetz" fixiert worden. Das mehr als 800 Seiten umfassende und nach zwei Kongressabgeordneten benannte Gesetz gilt als die zentrale Lehre der USA aus der Finanzkrise.

An den Börsen hatten Anleger zuletzt genau auf diese Entwicklung gesetzt und gehofft, dass Trumps Regierung die Bankenbranche wieder kräftig dereguliert. Die Aktienkurse der US-Banken schossen seit Trumps Wahlsieg deshalb in die Höhe.

Der künftige Finanzminister Mnuchin kritisiert, dass die Einschränkungen für den Eigenhandel der US-Banken zu viele Bereiche betrifft. Auch Trump selbst hatte wiederholt moniert, der Dodd-Frank-Act gebe der Aufsicht so viel Macht, dass die US-Banken nicht mehr richtig funktionierten und Geld verleihen könnten.

Mnuchin will sich nun laut dem Schreiben dafür einsetzen, die Volcker-Regel anders zu definieren. Er wolle, dass die Banken dem Markt ausreichend Liquidität zur Verfügung stellen könnten. In dem Schreiben berief sich Mnuchin auf einen Bericht der US-Notenbank, wonach der Dodd-Frank-Act die Marktliquidität begrenze.

"Trump hat mehr Arbeitsplätze in der Industrie versprochen - stattdessen lassen er und sein Finanzminister die Finanzindustrie der Wall Street wieder von der Leine. Wir müssen in Europa und international dafür sorgen, dass unsere Banken in diesem Spielkasino nicht mit am Tisch sitzen dürfen", sagte SPD-Vizefraktionschef Carsten Schneider.

hej/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 61 Beiträge
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Seite 1
Tolotos 24.01.2017
1. Hauptsache, die deutsche Regierung stellt sicher, dass nicht die Deutschen auf dem Schrott sitzen bleiben.
Wenn die Investmentbanker wieder freie Bahn haben, dann werden sie sehr schnell wieder versuchen, aus Sch.... Gold zu machen. Wenn dann die sogenannte Blase platzt, und die Verursacher ihr Gold eingesackt haben, wird es wohl wieder systemrelevante Banken geben, die vom von denen gerettet werden müssen, die ihre Steuern nicht in Steueroase vermeiden. Ich hoffe nur, dass die deutsche Regierung dafür gesorgt hat, dass die deutschen Steuerzahler nicht wieder abgezockt werden. Leider ist mein Glaube daran aber sehr gering! Die deutsche Regierung fällt eigentlich selten dabei auf, dass sie den Sozialismus für den Geldadel ähnlich engagiert bekämpft, wie den für die Geringverdiener.
querdenker13 24.01.2017
2. Das war ...
absehbar. Es ist nun keine wirkliche Überraschung, bei der Besetzung des Kabinetts. Jetzt bekommt das Spielcasino was es immer wollte und wovon es geträumt hat. Und die Blase ist schon vorprogrammiert und absehbar. Aber das alles interessiert Trump 'The Dump' nicht. Hauptsache seine elitären und 'ehrenhaften' Freunde kriegen wieder Zucker in den Allerwertesten geschoben.
Spanier.cs 24.01.2017
3.
Ihr wolltet ihn, ihr bekommt ihn. Es ist Zeit, dass die EZB sich dagegen absichert. Ganz neue Regularien müssen dafür her, die Donald J. Trump persönlich absegnen soll: Haftung der USA und der FED für Zockereien von US Banken. Am Ende darf da auch die EZB wieder die eine oder andere Bank retten, wenn die US Banken wieder kräftig zocken.
zynik 24.01.2017
4. Wie überraschend...
Der heldenhafte Kampf gegen das Establishment geht weiter. Wie schreiben die Trump-Claqueure immer: Endlich ein Politiker der umsetzt, was er ankündigt. Ergo: Nicht vergessen bei wem man sich bei der nächsten Finanzkrise zu bedanken hat.
zynik 24.01.2017
5.
Zitat von TolotosWenn die Investmentbanker wieder freie Bahn haben, dann werden sie sehr schnell wieder versuchen, aus Sch.... Gold zu machen. Wenn dann die sogenannte Blase platzt, und die Verursacher ihr Gold eingesackt haben, wird es wohl wieder systemrelevante Banken geben, die vom von denen gerettet werden müssen, die ihre Steuern nicht in Steueroase vermeiden. Ich hoffe nur, dass die deutsche Regierung dafür gesorgt hat, dass die deutschen Steuerzahler nicht wieder abgezockt werden. Leider ist mein Glaube daran aber sehr gering! Die deutsche Regierung fällt eigentlich selten dabei auf, dass sie den Sozialismus für den Geldadel ähnlich engagiert bekämpft, wie den für die Geringverdiener.
Ein peinlicher Ablenkungsversuch. Trump lässt die Bluthunde von der Leine und gemeckert wird über....natürlich die deutsche Bundesregierung.
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