Mögliche Lockerung des Embargos Südfrüchte für Ostmärkte

Der griechische Regierungschef Tsipras hat auf seiner Moskaureise offenbar den ersten Erfolg erzielt: Russland erwägt, das Lebensmittelembargo für Griechenland zu lockern. Kritik kommt vom Deutschen Bauernverband.

Erdbeerernte in Griechenland: Bald wieder Exporte nach Russland?
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Erdbeerernte in Griechenland: Bald wieder Exporte nach Russland?


Der Weg für griechische Erdbeeren und Pfirsiche nach Russland dürfte bald wieder frei sein. Die russische Regierung will offenbar ihr Lebensmittelembargo für Griechenland lockern, das in einer tiefen Schuldenkrise steckt.

Diese Frage werde bei dem Treffen des griechischen Ministerpräsident Alexis Tsipras mit seinem russischen Kollegen Dmitrij Medwedew am Donnerstag besprochen, an dem er auch teilnehme, sagte Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew am Mittwoch laut russischen Nachrichtenagenturen.

Sie hätten eine Reihe von Vorschlägen zum Embargo vorbereitet, das Moskau im Gegenzug für die wegen des Ukraine-Konflikts verhängten EU-Sanktionen beschlossen hatte.

Der Deutsche Bauernverband warnte Griechenland umgehend vor einem Ausscheren aus der EU-Politik gegenüber Russland: "Ich erwarte schon von einem EU-Mitgliedsstaat, dass er die außenpolitische Linie der EU zu hundert Prozent mitträgt", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Das russische Agrar-Embargo sei als Gegenmaßnahme nach den europäischen Wirtschaftssanktionen verhängt worden. "Insofern trifft es alle EU-Mitgliedsstaaten und es wäre fatal, wenn da jemand ausscheren würde", sagte Rukwied.

Tsipras befindet sich zu einem zweitägigen Besuch in Moskau, um sich für eine Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen einzusetzen. In der EU besteht die Sorge, dass sich Tsipras in Moskau um Finanzhilfen bemühen und sich im Gegenzug bei den EU-Partnern für eine Lockerung der EU-Sanktionen einsetzen könnte. Griechenland trägt die wegen der russischen Unterstützung für die Separatisten in der Ostukraine verhängten EU-Sanktionen zwar mit, sieht diese aber ebenso wie eine Reihe anderer EU-Länder kritisch.

Am Mittwoch traf Tsipras mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammen. "Das Ziel meines Besuches ist es, gemeinsam zu versuchen, zum Wohle unserer Völker und zu Gunsten der Stabilität und Sicherheit der Region, einen Neuanfang in unseren Beziehungen zu machen", sagte Tsipras zu Beginn des Treffens. Putin unterstrich die "spirituellen" Beziehungen der beiden christlich-orthodoxen Länder und rief dazu auf, die durch die Ukraine-Krise strapazierten Handelsbeziehungen zu verbessern. Der Besuch erfolge zu einem passenden Moment, sagte Putin.

nck/dpa/AFP

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insgesamt 121 Beiträge
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maki1961 08.04.2015
1. was ist dagegen zu sagen?
so kann man Geld für die banken und den iwf verdienen. für doe bild ist das natürlich keine Option. dazu kommt noch das rußland böse ist was ja auch der ukrainische Minister sagt und der muß es ja wissen.
ttvtt 08.04.2015
2. wegen ein paar Erdbeeren
Traurig, dass die europäische Solidarität mit Füßen getreten wird, für ein bischen Obst und Gemüse. Neuwahlen in Griechenland sind die einizge Lösung!
Gegendenstrom 08.04.2015
3. ich finds gut
Putin macht den Gashahn auf, Griechenland liefert Südfrüchte. Beides reichlich vorhanden und kostet nicht die Welt beim ernten. Beide Völker sind geschichtlich und religiös miteinander verbunden und helfen sich nun gegenseitig mit eifrigen Handelsbeziehungen. Nebenbei wird der arroganten EU-Bürokratie, die keinen Pfifferling auf Volkes Meinung gibt, mal gezeigt, dass andere Leute mehr strategisches Geschick besitzen, als dieser zusammengewürfelte Haufen gieriger Egomanen. Uns würde es auch gut tun, uns wieder mehr unseren natürlichen Partnern im Osten zuzuwenden, als viehisch der US-Lobby hinterherzulaufen.
ka117 08.04.2015
4. Supi.
Von beiden (EU und Russland) nur die Vorteile zu beanstpruchen und keine Verpflichtungen erfüllen. Leben wie ein Gott in Griechenland.
walter kuckertz 08.04.2015
5. Schluss
wenn Tsipras sich von Putin finanzieren lässt, bedarf es keiner Solidarität Europas mehr. Schluss damit, und die Griechen sollen spüren, wen und was sie gewählt haben.
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