Lira-Krise in der Türkei Innenminister will "Wucherer" abstrafen

Die Inflation ist hoch, die Verzweiflung groß: In der Türkei wollen viele Ladenbesitzer wegen des Währungsverfalls ihre Preise erhöhen. Das gefällt dem Innenminister gar nicht.

Innenminister Süleyman Soylu
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Innenminister Süleyman Soylu


Angesichts der Währungskrise und hohen Inflation in der Türkei hat Innenminister Süleyman Soylu Strafen für "Wucherer" angekündigt. Das ging aus einer Stellungnahme auf der Webseite des Ministeriums hervor. In einem Schreiben an die Gouverneure aller 81 Provinzen habe Soylu "Maßnahmen gegen alle, die unter Ausnutzung der Kurs-bezogenen Entwicklungen Wucherpreise ansetzen" gefordert.

Die türkische Landeswährung Lira hat seit Jahresbeginn gegenüber Euro und Dollar fast 40 Prozent an Wert verloren. Die Teuerungsrate stand im Oktober bei knapp 25 Prozent. Im Vormonat waren es noch rund 18 Prozent. Angesichts des Verfalls der Lira in den vergangenen Wochen wollen manche Ladenbesitzer, die ihre Waren aus dem Ausland importiert und mit Devisen bezahlt haben, ihre Waren derzeit nicht verkaufen. Andere passen ihre Preise an.

Menschen bekommen die Folgen der Krise immer stärker zu spüren

Im Innenministerium ist man der Meinung, dass in letzter Zeit "manche Kleinhändler, Firmen und Betriebe" Waren und Dienstleistungen "zu horrenden Preisen" angeboten und Waren in Lagern zurückgehalten hätten, um die Preise in die Höhe zu treiben. Das habe eine Situation geschaffen, die "das Wohl und den Wohlstand der Bürger gefährdet".

Soylu fordert ebenfalls, dass Listen mit Preisen und Tarifen ausgelegt sein müssten, sodass Konsumenten sie leicht nachvollziehen könnten. Gegen jene, die sich nicht daran hielten, werde rechtlich vorgegangen.

Die Menschen bekommen die Folgen der Krise immer stärker zu spüren: Die Preise auf Lebensmittel, auf Strom, Benzin steigen. Waren aus dem Ausland, wie iPhones, sind kaum mehr bezahlbar. Zeitungen müssen den Vertrieb einstellen, da sie sich das Papier nicht mehr leisten können. 70 Prozent der privaten Bauarbeiten seien gestoppt oder verlangsamt worden, schätzt Tahir Tellioglu, der Vorsitzende des Verbands der Bauwirtschaft: "Unsere Branche ist am Rand des Komas."

bam/dpa



insgesamt 54 Beiträge
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frenchie3 11.10.2018
1. Private Baumaßnahmen werden eingestellt
Ist doch supie!! Die können dann alle zum Sultan Erdowahn Luftschloß äh, Lufthafen rüber und mitarbeiten. Dann wird der doch noch vorher (vor was müssen wir noch rausfinden) fertig
Hammelinda 11.10.2018
2.
Man lässt sich wohl finanzpolitisch von Venezuelas Regierung beraten ...
dirkcoe 11.10.2018
3. Panik macht sich breit
Nun hat auch der Innenminister der Türkei bewiesen - nach Erdogan und dem Finanzminister - das er nichts verstanden hat. Alles Zeichen der Hilflosigkeit - pures Schreien im Wald. Leider führt jede dieser Peinlichkeiten dazu, das Vertrauen in die Lira weiter zu senken. Der Niedergang wird durch pure Unfähigkeit weiter beschleunigt.
tiger-li 11.10.2018
4. Die armen Händler
Jetzt wird der kleine Händler bestraft! Was soll der denn machen? Wenn es jeden Monat teurer wird? Er kann ja seine Import Produkte nicht günstiger verkaufen als er sie einkauft! Aber der kleine Mann ist der Abzocker und der Sultan hockt in seinem Palast und ist an gar nichts schuld! Hat natürlich auch sein ganzes Vermögen in Lira auf türkischen Banken....
demiurg666 11.10.2018
5.
Wie müssen sich jetzt all die Türken freuen die in Erdogan den zweiten Propheten erkannt zu meinen haben und ihn deswegen wählten....Wobei, Erdogan wurde vermehrt von in Deutschland lebenden Türken gewählt. Wahrscheinlich sind das alles nur tüchtige Geschäftsleute, die frühzeitig erkannten dass mit Erdogan die türkische Wirtschaft implodiert und man so günstig an Land- und Immobilienbesitz in der Heimat kommen kann. Entweder zum Vermieten oder als Alterswohnsitz...Clever die Türken!
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