Inaktive Notenbank Türkische Lira rauscht ab

Die Inflation in der Türkei ist so hoch wie seit fast 15 Jahren nicht, eigentlich müsste die Zentralbank die Zinsen anheben. Tut sie aber nicht - die Folgen sind drastisch.

Wechselstube in Istanbul (Archiv)
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Wechselstube in Istanbul (Archiv)


Trotz einer galoppierenden Inflation hat die türkische Notenbank ihren Leitzins nicht angehoben. Das hat zu heftigen Reaktionen an den Finanzmärkten des Landes geführt.

Unmittelbar nachdem die Währungshüter den Leitzins unverändert bei 17,75 Prozent belassen hatten, brach der Kurs der türkischen Währung Lira im Handel mit dem US-Dollar und dem Euro um jeweils mehr als vier Prozent ein. Allerdings erreichte die Lira keine neuen Rekordtiefs.

Die meisten Experten hatten im Schnitt mit einer Anhebung des Leitzinses auf 18,75 Prozent gerechnet.

Eine heftige Reaktion zeigte sich auch bei türkischen Staatsanleihen. Ihre Kurse gingen stark zurück, während die Renditen zulegten. Am türkischen Aktienmarkt kam es ebenfalls zu starken Kursverlusten. Der Leitindex BIST-30 verlor mehr als zwei Prozent.

Der Leitzins legt fest, zu welchen Bedingungen sich Kreditinstitute bei Zentralbanken Geld beschaffen können. Die Anhebung eines Leitzinses steht für eine restriktivere Geldpolitik. Ihr Ziel ist es, die Inflation niedrig zu halten: Für Kreditinstitute wird es teurer, sich bei den Zentralbanken mit Geld zu versorgen.

Ökonomen zufolge sind Zinsanhebungen in der Türkei eigentlich unbedingt nötig, um gegen die Rekordschwäche der Lira sowie gegen die starke Inflation anzukämpfen, die derzeit so hoch ist wie seit fast 15 Jahren nicht. Allerdings ist Staatschef Recep Tayyip Erdogan strikt gegen hohe Zinsen, weil er einen Dämpfer für die Wirtschaft fürchtet.

Mehr zum Thema: Wie Recep Tayyip Erdogan die Lira auf Talfahrt schickt

hej/dpa-AFX



insgesamt 10 Beiträge
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FK-1234 24.07.2018
1. Logische Konsequenz
...für ein Land mit selbstgewähltem Allheilbringer und Alleinherrscher, der glaubt über alles bestimmen und alles entscheiden zu können. Unabhängig vom Sachverstand. Ein Land im Würgegriff des Erdogan-Clans und seiner opportunistischen Helfer.
Flauschie 24.07.2018
2. Frueher oder spaeter ...
... erwischt es jede Autokratie auf die eine oder andere Art. Ein Leitzins von knapp 18% fuehrt zum Vollstop von Investionen und das ist der Anfang vom Ende.
treime 24.07.2018
3. Planwirtschaft
Erdogan wird noch die Planwirtschaft einführen und für sich beanspruchen, diese perfekt vorbereitet zu haben. Deren Scheitern wird er dann allen anderen, nur nicht sich selbst vorwerfen.
schmuella 24.07.2018
4. Döner Kebab
In einer Dokumentation über Döner Kebab wurde beschrieben, dass die Preise für Fleisch in der Türkei steigen. Dies jedoch nicht nur wegen der Inflation. Der Grund liegt darin, dass dort immer weniger Tiere gezüchtet werden, weil die Viehzüchter ihr Land verkaufen und das einem Bauboom zum Opfer fällt. Allerdings ist es ein Bauboom auf Pump. So muss kritisch hinterfragt werden, auf welchen Füßen das türkische Wirtschaftswachstum steht. Möglicherweise wollte sich die Regierung eine gut laufende Wirtschaft "erkaufen" und hat viel Geld in den Markt gepumpt, um letztlich die Menschen wohlgesonnen zu stimmen. Aber die "Gesetze" der Marktwirtschaft sind unerbittlich. Werden die Risiken zu groß, ziehen sich die Investoren aus einem Land und seiner Währung zurück. In der Folge sinkt der Kurs der Währung.
watch15 24.07.2018
5. Naja,
... von einer galoppierenden Inflation spricht man normalerweise ab einer Inflationsrate über 30%. Da ist die Türkei schon noch "etwas" davon entfernt. Wenn der Sultan vom Bosporus jedoch so weitermacht, wird es nicht mehr lange dauern bis auch dieses Niveau erreicht ist.
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