Türkei-Krise Scholz will Erdogan zu IWF-Programm überreden

Die Landeswährung verfällt, die Wirtschaft droht abzustürzen, doch die türkische Regierung lehnt ein Hilfsprogramm des Internationalen Währungsfonds ab. Jetzt schaltet sich die Bundesregierung ein.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz
DPA

Bundesfinanzminister Olaf Scholz


Die Bundesregierung drängt die türkische Regierung, ein Hilfsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu akzeptieren. Das Thema soll in einem Telefonat von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) mit seinem türkischen Amtskollegen Berat Albayrak am vergangenen Donnerstag eine Rolle gespielt haben.

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Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, soll Scholz seinen Gesprächspartner demnach ermuntert haben, die ablehnende Haltung der Türkei zu überdenken. Albayrak kündigte Scholz gegenüber an, er werde in der kommenden Woche eine Tour durch die Golfstaaten unternehmen, um bei freundlich gesinnten Regierungen um finanzielle Hilfe zu werben. Zudem hoffe er, dass auch Russland bereit sei, der Türkei Geld anzubieten. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Berat Albayrak
AFP

Berat Albayrak

Der IWF plädiert unterdessen für eine kräftige Zinsanhebung in der Türkei. Sie sei dringend erforderlich, nur so könne die Flucht aus der Lira gestoppt und die türkische Währung stabilisiert werden. Außerdem müsse die Regierung Einschnitte im Staatshaushalt vornehmen. IWF-Experten haben ausgerechnet, wie groß ein Hilfsprogramm für die Türkei ausfallen könnte. Demnach würde der IWF je nach Ausgestaltung zwischen 30 und 70 Milliarden Dollar bereitstellen.

Bis Ende des Jahres müssen Staat und private Gläubiger in der Türkei Verbindlichkeiten in Höhe von 230 Milliarden Euro umfinanzieren. Das ist mehr als ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

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insgesamt 118 Beiträge
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Seite 1
th.diebels 18.08.2018
1. Peinlich und beschämend ist
wie die BRD Herrn Erdogan mal wieder "entgegen"kommen will ! Ich würde mir wünschen, unsere charakterstarken Politiker würden diesem Möchtegern-Sultan gegenüber eine klare Haltung bzw. "klare Kante" zeigen - aber da verlange ich wohl zu viel ! Beschämend für unsere Bundesregierung ist auch das geplante große Staatsbankett für Herrn Erdogan ! Mehr blamieren kann sich die Merkel-Regierung nun wirklich nicht mehr !
ernestobecker 18.08.2018
2. Was ist Erdogans Plan?
Ich frage mich, wie Erdogan auf Dauer politisch überleben will. Er legt sich unnötigerweise mit seinen westlichen Bündnisgenossen an, die er für sein wirtschaftliches Wohl braucht. Russland kann für ihn als Partner keine Alternative sein, da dieses wirtschaftlich viel zu schwach ist. Wenn Erdogan nicht einlenkt, wird er irgendwann aus wirtschaftlichen Zwängen seine Macht verlieren. Bis dahin kann er noch viel Schaden erzeugen, eine Chance zu gewinnen, hat er jedoch nicht. Dass Erdogan sich nicht dem IWF anvertrauen will, kann ich jedoch verstehen. Der IWF will jedes Land, das sich unter seine Fittiche begibt, nach seiner Doktrin modifizieren... assimilieren.
frenchie3 18.08.2018
3. Jeder kann als Beispiel dienen
mancher halt nur als schlechtes. Was spricht im Sinne eines nachhaltigen Schocks gegen ein "mach mal wie Du denkst"? Diese eine folgende Katastrophe könnte in der Zukunft weiteres Elend vermeiden wenn der Rest der Welt (und natürlich die direkt vom Auslöser Betroffen) daraus lernt was rauskommt wenn man Erdo, Donnie und Co wählt
verbal_akrobat 18.08.2018
4. Das ist die Aufgabe einer Regierung
unter anderem auch die deutsche sowie europäische Bankenlandschaft schützen, wenn man dabei dem inländischen Wahnsinn - ein bisschen Kontrolle von außen auferlegen kann, um so besser. Denke das wird wohl der Hauptgrund für die Krise sein, gewagtes Spiel, wenn Er nicht beigibt legt Er es darauf an, im Notfall die Bevölkerung hungern zu lassen. Dass könnte auch ganz zum Schluss ein Schuss nach hinten geben...
fam.weber11 18.08.2018
5. Aufklärungsbedarf
Wieso, um Himmels Willen, meint Scholz die türkische Regierung zu etwas übereden zu müssen? Die Wirtschaftskrise hat der Diktator und Diletant Erdogan maßgeblich selbst zu verantworten und auszulöffeln. Die Bundesregierung hat hat reichlich andere Themen mit Ankara, der IWF als Kreditgeber, gehört da nicht dazu.
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