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12. September 2018, 18:28 Uhr

Lira-Krise

Erdogan ernennt sich zum Chef des türkischen Staatsfonds

Der türkische Präsident vergrößert erneut seinen Einfluss - und ernennt sich selbst zum Vorsitzenden des staatlichen Vermögensfonds. Sein Schwiegersohn wird ebenfalls einen Posten übernehmen.

Der türkische Staatsfonds war erst im August 2016 eingerichtet und im Februar 2017 mit mehreren Dutzend Milliarden Dollar dotiert worden, um große Infrastrukturprojekte zu finanzieren. Nun hat sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan selbst zum Chef des milliardenschweren Fonds ernannt. Seinen Finanzminister und Schwiegersohn Berat Albayrak ernannte er zum Vizepräsidenten. Das ging aus einem veröffentlichten Dekret hervor.

Demnach wurde nun Zafer Sonmez zum Generaldirektor ernannt. Sonmez war zuvor im malaysischen Staatsfonds Khazanah Nasional Berhad für die Türkei und Afrika zuständig. Zudem wurde Erdogans Berater Yigit Bulut aus dem Verwaltungsrat entfernt.

An den Fonds wurden unter anderem die Vermögenswerte der staatlichen Ziraat Bank sowie die staatlichen Anteile an der Fluggesellschaft Turkish Airlines übertragen.

Türkei: Mitten in der Wirtschafts- und Währungskrise

Die Reorganisation des Fonds erfolgt inmitten einer schweren Währungskrise, die auch auf die Realwirtschaft überzugreifen droht. Die Talfahrt der Lira ist besonders für Unternehmen bedrohlich, die hohe Schulden in ausländischen Währungen haben. Durch den Wertverfall der Lira wird es für Firmen deutlich schwieriger, diese Schulden zu bedienen. Ökonomen verweisen schon länger auf das Risiko dieses vom Ausland finanzierten Wachstums.

Die türkische Zentralbank entscheidet bei einer Sitzung am Donnerstag über die Leitzinsen. Ökonomen dringen auf eine deutliche Zinserhöhung, um dem Verfall der Währung und dem Anstieg der Inflation zu begegnen, die zuletzt 18 Prozent erreichte. Erdogan ist aber strikt dagegen, da er Zinsen als "Instrument der Ausbeutung" betrachtet. Nachdem er im Juli seine Kontrolle über die Zentralbank verstärkt hat, gibt es erhebliche Zweifel an deren Unabhängigkeit.

cop/dpa/AFP

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