Wirtschaftsturbulenzen Autoverkäufe in der Türkei brechen ein

Die Zulassungen von Neuwagen sind in der Türkei drastisch gesunken, das Minus von 36 Prozent verheißt wenig Gutes für die Konjunktur. Endet der Boom von Präsident Recep Tayyip Erdogan?

Verkehr in Istanbul
Getty Images/Lonely Planet Images

Verkehr in Istanbul


Schlechte Nachrichten aus der türkischen Wirtschaft: Die Zahl der verkauften Neuwagen - Pkw und leichte Transporter - ist im Juli eingebrochen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat liegt das Minus bei 36 Prozent (hier geht's zur Auswertung der Automotive Distributors' Association).

Das ist bereits der zweite schlechte Monat für die türkische Autoindustrie in Folge: Im Juni betrug das Minus sogar 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt ging die Zahl der verkauften Autos in den ersten sieben Monaten des Jahres 2018 um 13,7 Prozent zurück, bei den leichten Transportern sind es sogar 23,4 Prozent.

Die Entwicklung mutet auf den ersten Blick paradox an, weil die türkische Wirtschaft seit Jahren extreme Wachstumsraten verzeichnet, zuletzt waren es 7,4 Prozent. Allerdings deuten mehrere Konjunkturindikatoren darauf hin, dass der Boom zu Ende gehen könnte. So trübt sich etwa die Stimmung in der Industrie ein, und das seit vier Monaten (Meldung der Zeitung "Hürriyet").

Auch die Autoverkäufe gelten als wichtiger Indikator für die Konjunktur: Wenn die Wirtschaft brummt, Verbraucher Geld in der Tasche und die Firmen Vertrauen in die Zukunft haben, stecken sie Geld in Fahrzeuge, sowohl in private Pkw als auch in die Firmenflotten.

Experten warnen seit Längerem vor einem Wirtschaftseinbruch in der Türkei. Sie kritisieren, die türkische Politik habe bewusst ein Überhitzen der Ökonomie in Kauf genommen - um die Wiederwahl von Präsident Recep Tayyip Erdogan im Juni nicht zu gefährden. So hielt die türkische Zentralbank den Leitzins über Monate niedrig - trotz massiver Wertverluste der Lira und galoppierender Inflation. Staatliche Konjunkturprogramme heizten die Lage weiter an. Unter anderem wurde 2017 der Mehrwertsteuersatz beim Kauf von Möbeln von 18 auf 8 Prozent gesenkt, um den privaten Konsum anzukurbeln, ebenso beim Kauf von Wohnungen mit mehr als 150 Quadratmetern.

Die Folge: Die Teuerungsrate ist auf mehr als 15 Prozent gestiegen, obwohl die Zentralbank eigentlich versprochen hatte, sie auf fünf Prozent zu begrenzen. Ebenfalls unter Druck ist die Währung. Die türkische Lira hat seit Jahresbeginn 40 Prozent zum Euro verloren. Obwohl die Zentralbank inzwischen - nach Erdogans Wiederwahl - den Leitzins drastisch erhöht hat, setzt sich der Abwärtstrend fort. Am Donnerstag verlor die Lira erneut mehr als ein Prozent.

Video: Rost auf Rädern - Deutscher TÜV für die Türkei (SPIEGEL TV 2012)

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beb

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