Wirtschaftskrise Türkische Notenbank stoppt Kursverfall der Lira

Nach einer Intervention der türkischen Notenbank hat die Lira wieder an Wert gewonnen. Experten sehen dennoch keinen Grund für Entwarnung.

Markt in Istanbul
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Markt in Istanbul


Die türkische Zentralbank hat den rasanten Verfall der Lira etwas gebremst. Ein Dollar kostete am Dienstag 6,8054 Lira. Damit rückte die türkische Landeswährung von dem am Montag erreichten Rekordtief von 7,24 wieder etwas ab. Die Notenbank hatte Geldspritzen zugesichert, um den Währungsverfall zu stoppen.

Im Kielwasser der Lira zogen auch die Kurse an der Istanbuler Börse wieder an. Nach seinem Einbruch in den vergangenen zwei Handelstagen kletterte der türkische Leitindex ISE 100 kurz nach dem Handelsbeginn um mehr als zwei Prozent. Auch die Währungen anderer Schwellenländer erholten sich. Zuvor waren etwa der südafrikanische Rand oder der russische Rubel erheblich unter Druck geraten. Zudem war am Dienstagmorgen die indische Rupie zum Dollar auf ein Rekordtief gefallen. Am Montagabend hatte die argentinische Zentralbank ihren Leitzins deutlich angehoben, um dem ebenfalls unter Druck stehenden Peso zu stützen.

"Der erste Schrecken der Lira-Krise scheint verdaut zu sein", kommentierten Devisenexperten der Commerzbank. Allerdings sei es noch zu früh, um Entwarnung zu geben, "auch wenn ich nach wie vor davon überzeugt bin, dass sich Ansteckungseffekte in Grenzen halten werden, da die Probleme der Türkei hausgemacht sind und die Volkswirtschaft zu klein ist, um global signifikanten realwirtschaftlichen Schaden anzurichten", sagte Devisenexpertin Thu Lan Nguyen.

Zu Wochenbeginn hatten die Vereinigten Staaten ihre Zölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei verdoppelt. Während der türkische Regierungspräsident Recep Tayyip Erdogan zuletzt noch Verbalattacken gegen US-Präsident Donald Trump fuhr, schlug sein Außenminister etwas versöhnlichere Töne an. Trumps Antwort steht noch aus.

Die türkische Währungskrise hatte am Montag auch die Wall Street belastet. Börsianer befürchten durch den Kursverfall der Lira Probleme für Banken und andere Schwellenländer. Die Lira büßte in diesem Jahr gegenüber dem Dollar bereits 45 Prozent an Wert ein. Investoren machen sich wegen der Geldpolitik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und wegen des Zerwürfnisses mit den USA Sorgen und haben deshalb Geld abgezogen und türkische Anleihen auf den Markt geworfen.

mik/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
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ihawk 14.08.2018
1. Globale Währungsprobleme
Die verantwortungslose Politik Donald Trumps löst global Währungsprobleme aus. In der Türkei ist es durch Erdogan besonders krass, war aber nach meiner Einschätzung überfällig. Was mich irritiert, ist das derzeitig völlige Ausblenden der Ratingagenturen.
mhuz 14.08.2018
2.
Dieser Putsch war ein Seegen für Europa, sonst wäre die Türkei heute in der EU. Allha wollte wohl nicht, dass die Türkei in die EU kommt.
Levator 14.08.2018
3. Ratingagenturen
Die türkische Wirtschaft ist im internationalen Vergleich eher unbedeutsam - das Bruttoinlandsprodukt (BIP) betrug im Kalenderjahr 2017 zirka 798 Milliarden Euro bei einer Bevölkerung von knapp 77 Millionen Einwohnern. Zum Vergleich: Allein das Bundesland Baden-Württemberg hat ein BIP von 494 Milliarden Euro in 2017 bei einer Bevölkerung von nur knapp über 11 Millionen Einwohnern. Somit hat die Türkei rund das 7-fache an Einwohnern und noch nicht einmal das 2-fache an Bruttoinlandsprodukt. Warum also soll in aller Welt sich die Ratingagenturen für so eine schwache Wirtschaft interessieren?
camurcu 15.08.2018
4. @mhuz
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
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