Lira-Krise Türkische Zentralbank hebt Leitzins überraschend stark an

Die türkische Zentralbank stemmt sich gegen den Lira-Verfall: Sie hat ihren Leitzins um 6,25 Prozentpunkte erhöht. Die türkische Lira gewann daraufhin.

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Die türkische Notenbank hat die Zinsen deutlich erhöht und dem Schwellenland damit Luft in der Währungskrise verschafft. Sie hob den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld von 17,75 auf 24 Prozent an. Ökonomen hatten lediglich mit einer Erhöhung auf 22 Prozent gerechnet.

Man werde den strafferen geldpolitischen Kurs durchziehen, bis es Verbesserungen bei der Inflation gebe, teilten die Notenbanker mit. Falls nötig würden zudem weitere Zinserhöhungen folgen. Die Teuerungsrate in der Türkei war zuletzt bis auf knapp 18 Prozent gestiegen.

Die hohe Inflation gilt neben dem hohen Leistungsbilanzdefizit und dem politischen Streit mit den USA als ein Hauptauslöser für die Lirakrise. Die türkische Lira legte nach der Zinsentscheidung zu und gewann im Verhältnis zum Dollar deutlich an Wert.

Lira-Verfall, Inflation und Co.

Die Sitzung galt als Bewährungsprobe für die Unabhängigkeit der Währungshüter, die mit einer ausufernden Inflation im Land kämpfen. Der mit großer Machtfülle ausgestattete Staatspräsident hatte die türkische Notenbank kurz vor ihrer Sitzung noch attackiert und ihr vorgeworfen, dass ihre Entscheidungen Ursache für die Lage der Türkei seien.

Erdogan ist ein erklärter Gegner von hohen Zinsen. Entgegen der gängigen Wirtschaftslehre sieht er Zinserhöhungen nicht als Instrument gegen Inflation, sondern als einen Treiber. Sorgen von Investoren, Erdogan könnte der Zentralbank in ihre Entscheidungen hineinreden, hatten die Krise der Landeswährung Lira mitausgelöst.

cop/AFP/Reuters/dpa

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