Lira-Verfall Türkische Zentralbank senkt Reservegrenze für Banken

Seit Monaten ist die türkische Lira im freien Fall - auch nachdem die Notenbank den Leitzins nach Erdogans Wiederwahl erhöhte. Nun ergreift das zentrale Geldhaus Maßnahmen, um die Liquidität der Banken zu sichern.

Lira-Scheine (Symbolbild)
REUTERS

Lira-Scheine (Symbolbild)


Die türkische Zentralbank hat die Obergrenze für spezielle Reserveanforderungen an Geschäftsbanken gesenkt. Das teilte die Notenbank mit. Damit reagieren die Währungshüter auf den Verfall der Lira: Die Landeswährung stürzt seit einiger Zeit von einem Rekordtief zum nächsten und hat dieses Jahr bereits rund 27 Prozent an Wert eingebüßt. Zum Euro markierte die Währung am Montag einen neuen Tiefstand bei 6,09 Lira.

Obwohl die Zentralbank inzwischen - nach Erdogans Wiederwahl - den Leitzins drastisch erhöht hat, setzt sich der Abwärtstrend fort. Die Währungshüter haben nun Maßnahmen ergriffen, um die Liquidität der Banken zu sichern.

Die Notenbank setzte die Obergrenze für den Anteil an Devisen herab, den die Institute für ihre Reserve-Anforderungen einsetzen können. Dieses Limit liegt künftig nur noch bei 40 statt wie bisher bei 45 Prozent. Geschäftsbanken können im Rahmen des sogenannten Reserve Options Mechanism (ROM) einen Anteil ihrer Reserven bei der Notenbank in Devisen oder Gold statt in Lira hinterlegen. Die Grenzen legt die Notenbank fest. Der Schritt verschafft den Banken laut den Währungshütern 2,2 Milliarden Dollar an Liquidität.

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Der wachsende Einfluss von Präsident Recep Tayyip Erdogan auf die eigentlich unabhängige Zentralbank macht internationale Investoren zunehmend nervös. Die Inflation in der Türkei ist zudem auf über 15 Prozent gestiegen. Dazu kommt aktuell noch der Konflikt mit den USA über den inhaftierten US-Pastor Andrew Brunson. Inzwischen verhängten die USA und die Türkei Sanktionen gegen Mitglieder der jeweils anderen Regierung.

Einen Hintergrundbericht zum Verhältnis zwischen den USA und der Türkei lesen Sie hier.

ans/Reuters



insgesamt 13 Beiträge
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trackingerror 06.08.2018
1.
Hmm, eigentlich erhöht sich das Geldangebot mit der Herabsenkung des Mindestreservesatzes. Das, in Zeiten einer schwachen Lira und einer hohen Inflation?
Maren78 06.08.2018
2.
Warum verschafft diese Maßnahme den Banken Liquidität? Wenn die Banken jetzt anteilig weniger Devisen oder Gold zur Erfüllung ihrer Reservepflicht nutzen können, müssen sie mehr Lira hinterlegen. Das schöpft doch Liquidität ab und verlangsamt somit die Inflation?
3daniel 06.08.2018
3. Ich habe das ungute Gefühl
das DT auch hier den "Längeren" zieht. Mit dem Iran macht er es gerade vor, keine Ahnung wie das ausgeht und die Türkei hat überhaupt nicht die Möglichkeit aus der Misere rauszukommen insbesondere da der Aufschwung auf Pump erkauft wurde. Ich war geschäftlich viele Jahre in Ankara, da habe ich erst begriffen was der Begriff "Bau Boom" bedeutet. Ein türkischer Kollege wollte mir ein paar alte Wohnviertel zeigen, konnte es aber nicht. Alles Neu. Ich befürchte das die Türkei im Chaos versinkt wenn die Lira weiter fällt und das nützt niemandem. Als ich vor zwei Jahren das letzte Mal dort war, war die Lira noch bei 4:1.
arbitrage 06.08.2018
4.
Vielleicht bringt der Kaufkraftverlust die Türken zur Besinnung. Wenn man am europäischen Wohlstand teilhaben möchte, dann nur mit demokratischen Werten und ohne den lider ins nationalistische Abseits. Wir sollten den Handel mit der Türkei abrechen und den billigen Tourismusnepp beenden.
recepcik 07.08.2018
5. Aktuell
Liegt 1 Euro bei 6.2023 Lira. Obwohl Erdogan den Menschen kein einziges Versprechen bezüglich der Wirtschaft oder den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit gemacht hat, haben ihn die Türken ihn gewählt. Nun sollen sie schauen, wie sie es ausbaden. Dabei haben die USA noch nicht echte Sanktionen verhängt, nur symbolische . Zudem kommen noch die Sanktionen gegen den Iran, die auch die Türkei sehr hart treffen, da die Türkei gute wirtschaftliche Beziehungen zu Iran hat. Aber trotz der ganzen Programme hat Erdogan in seinem 100 Tage Programm angekündigt an dem 60 Milliarden Dollar Projekt Kanal Istanbul festzuhalten. Statt richtige Schritte gegen die Wirtschaftskrise einzuleiten bringen Erdogan und seine Verbüdeten aus dem Rechtsradikalen Lager die Todesstrafe auf die Tagesordnung um von den Problemen abzulenken.
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